Leser-Rezension zu „Glaube Liebe Hoffnung” von Ödön von Horváth
am 25.08.2011
Ödön von Horváth portraitiert mit seinem kleinen „Totentanz“ eine sehr außergewöhnliche Zeitspanne.
Die Wirtschaftskrise hat Deutschland und den Rest der Welt fest im Griff. Arbeitslosigkeit, Existenzangst und Perspektivlosigkeit bestimmen das allgemeine Stimmungsbild der Bevölkerung. Wer Arbeit hat, fürchtet sie jederzeit zu verlieren. Wer keine Arbeit hat, hat zumindest den Selbstmord als Ausweg. Eine Zeit, in der das persönliche Wohlergehen und jegliche Zukunftsaussichten, weniger durch das eigene Geschick, als durch den puren Zufall bestimmt werden.
Protagonistin in Horváths Stück ist Elisabeth. Eine junge Frau, die den gegebenen Umständen zum Trotz ihr Ziel fest im Auge behält und sich nicht so leicht unterkriegen lassen will. Eine beherzte Kämpfernatur, die versucht ihr Schicksal nicht zum Spielball wirtschaftlicher Unwägbarkeiten und gesellschaftlicher Konventionen verkommen zu lassen. So sind ihr auch, vielleicht nicht immer ganz legale, Mittel recht, um in den stürmischen Tagen jener Zeit ein einfaches Leben führen zu können. Eines Tages lernt Elisabeth jedoch einen jungen Polizisten kennen, beide verlieben sich ineinander. Doch hat diese Beziehung in diesen Zeiten eine Zukunft? Lassen sich gesellschaftliche Abgründe mit Glaube, Liebe und Hoffnung überbrücken?
Horváth verwendet eine unglaublich anrührende und vor allem volksnahe Sprache in seinen Stücken. Im Gegensatz zu seinen Prosawerken, wie z.B. „Jugend ohne Gott“ oder aber auch „Ein Kind unserer Zeit“, ist gerade das Stilelement seiner verwendeten Sprache von entscheidender Bedeutung. Die Kraft und Intensität, aber vor allem auch die Glaubwürdigkeit seiner Protagonisten, die in den Dialogen entsteht ist meiner Meinung nach ohne Gleichen.
Auszug Erstes Bild Szene 4:
Elisabeth: Sind der Herr hier eine zuständige Instanz?
Präparator: Ich bin der Präparator. Sie können sich mir ruhig anvertrauen.
Stille.
Elisabeth: Man hat mich nämlich extra darauf aufmerksam gemacht, daß man hier seinen Körper verkaufen kann - - das heißt: wenn ich einmal gestorben sein werde, daß dann die Herren da drinnen mit meiner Leiche im Dienste der Wissenschaft machen können, was die Herren nur wollen - - daß ich aber dabei das Honorar gleich ausbezahlt bekomme. Schon jetzt.
Präparator: Das ist mir neu.
Elisabeth: Man hat mich aber extra darauf aufmerksam gemacht.
Präparator: Wer denn?
Elisabeth: Eine Kollegin.
Präparator: Was sind Sie denn von Beruf?
Elisabeth: Jetzt habe ich eigentlich nichts. Es soll ja noch schlechter werden. Aber ich lasse den Kopf nicht hängen.
Stille.
Präparator: Seine eigene Leiche verkaufen - - auf was die Leut noch alles kommen werden?
Elisabeth: Man möchte doch nicht immer so weiter.
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