Ich glaube, ich bin einfach nicht gemacht für Prosa-Kurzgeschichten.
Es gab durchaus Schmuckstücke, die ich für mich entdecken konnte – z.B. „Expierences of a maple leaf“, das, wie der Titel schon vermuten lässt, in englischer Sprache verfasst wurde, „Die Stille des Meeres“, welches eine melancholische Stimmung versprühte und den Leser darin einlullt, oder auch „Der Schatz des Kopfgeldjägers“, das durch kriminalistische Elemente begeisterte.
Mit der Vielfalt verschiedener Genre, Schreibstilen und Ideen konnte dieses Buch definitiv überzeugen, doch irgendwie ist der Funke bei mir nicht übergesprungen.
Die meisten vermochten mich nicht wirklich zu fesseln, besonders mit den „Alltagsgeschichten“ konnte ich wenig anfangen – ein Stück aus dem Leben eines normalen Menschen gegriffen. Eigentlich ist das ja gut, lebensnah, allerdings hab ich täglich genug Alltag und möchte nicht auch noch darüber lesen.
Dennoch muss ich diesem Buch zugestehen, dass hier die – und besonders die weniger guten – Seiten des Menschen gut dargestellt wurden. Gefühle wie Rache, Abneigung, Verlust erhielten ihren Raum zur Entfaltung – als Leser eröffnete sich stets der Einfluss, die diese auf eine Person haben. Oft stellt man sich die Frage „Was wäre wenn …“
Soll man ja eigentlich nicht, doch man tut es trotzdem.
Wiederum eine Kurzgeschichte verweist schon im Titel mit „Reue“ auf die dort thematisierte Emotion – ob die betreffende Person das jedoch wirklich empfunden hat, steht in den Sternen. Da hätte ich gerne mehr erfahren, aber gut.
Ebenfalls muss ich zugestehen, dass mich einige Autoren durchaus zu überraschen wussten, indem sie uns anfangs einen Stereotypen präsentierten und ihn gegen Ende hin aus diesem Schema ausbrechen ließen, aber die Auswirkung dieses Handelns konnte ich gar nicht genießen, weil dann meistens die Geschichte fertig war.
Ich bin mir sicher, dass anderen dieses Buch nochmal besser gefallen wird, als mir. Vielleicht lag mein Problem auch einfach daran, dass ich mich mit den hierin enthaltenen 58 Kurzgeschichten ein bisschen erschlagen fühlte. Wenn man sie einzeln und mit etwas Abstand liest, ist das bestimmt besser, denn dann kann man sich für jede genug Zeit nehmen, um sie zu verinnerlichen und entscheiden, ob die kleinen Botschaften daraus für einen verwertbar sind oder eben nicht.
Ein sicherlich wundervolles Buch, jedoch zur falschen Zeit in den Händen der falschen Person.