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Alle anzeigenSinjeB
Vor 1 Jahr
(9)Momentan steht meinem Sohn der Sinn eher nach kurzen, abgeschlossenen Geschichten, die nicht zwingend in Folge gelesen werden müssen, sodass wir für die gemeinsame Lektüre wieder eine Geschichtensammlung ausgewählt haben.
Wir sind Lesewiederholungtäter und schmökern in einem Buch, das ich vor ein paar Jahren einmal aus einer Krabbelkiste im Supermarkt erstanden habe.
Seine liebevolle Aufmachung - ca. A4-Format, durchweg bunt illustriert auf etwas festerem Papier mit Festeinband - zu schmalem Preis hatte mich damals verführt, und auch mein Sohn mag dieses Buch, das für Kinder zwischen 5 und 7 Jahren gedacht ist, noch immer sehr, trotz oder vielleicht sogar wegen der schönen, wenn auch eher süßlichen Abbildungen.
Tiergeschichten aus der Fabelwelt bietet laut U4-Text "25 farbenprächtig und lustig illustrierte Tiergeschichten. Zum Vorlesen, Selberlesen und Nachdenken.":
Die Landmaus und die Stadtmaus
Der Affenkönig
Ein Esel als Löwe verkleidet
Ein Wolf und ein Lamm
Der Bär und die Reisenden
Ameisen und Grashüpfer
Drei Büffel und ein Löwe
Eine feige Fledermaus
Ein Esel und ein dummer Wolf
Die ausgetrickste Krähe
Die Dankbarkeit einer Maus
Ein dummer Tiger und der närrische Leopard
Die Katze austricksen
Eine Mäusehochzeit
Der Fuchs und die Trauben
Eine Ameise und eine Taube
Der Nordwind und die Sonne
Ein Löwe und ein Moskito
Ein Adler und ein Rabe
Eine Krähe in geliehenen Federn
Der Schäfer, der dauernd log
Der Hase und die Schildkröte
Ein dummer Müller und sein Esel
Ein gieriger Hund
Die goldene und die silberne Axt
Bis auf "Der Schäfer, der dauernd log", "Ein dummer Müller und sein Esel" und "Die goldene und die silberne Axt" sind alle Geschichten Tierfabeln mit tierischen Hauptcharakteren. Nur in "Der Nordwind und die Sonne" und "Die goldene und die silberne Axt" kommen überhaupt keine Tier vor. Letzter Geschichte erinnert jedoch an ein Märchen, endet aber wie die 24 übrigen Geschichten mit dem Absatz "Und die Moral von der Geschichte".
Die Schauplätze sind sehr unterschiedlich; so zieht es eine Maus vom Land in die Stadt oder wir begeben uns in Dschungel oder Prärie. Ein Naturbezug besteht in allen Geschichten. Wie in Fabeln üblich werden die Tiere personifiziert und ihre Erlebnisse werden ganz offensichtlich mit belehrender Absicht erzählt. Der Zeigefinger, der sich in Kinderbüchern oft in den Handlungen selbst und weniger in reinen Aussagen verbirgt, wird hier deutlich erhoben und in der üblichen Moral der Fabel zum Ausdruck gebracht. Wir haben das Buch bereits mehrfach gelesen, und meinen Sohn hat dieses offensichtliche "Tu-dies-nicht-sonst-passiert-dir-jenes" bislang recht wenig interessiert. Insbesondere konnte er natürlich mit dem Wort Moral nichts anfangen, weshalb ich beim Vorlesen geschummelt und die Moral einfach weggelassen habe. Damit hatte er die Möglichkeit, eigene Schlüsse zu ziehen. Inzwischen lesen wir gemeinsam, sodass ich nichts mehr unterschlagen kann. Das Buch ist somit gut über einen längeren Zeitraum brauchbar und muss nicht nach einem Jahr wieder weggepackt werden.
Die Geschichten selbst sind ca. sechs Seiten lang, wobei der reine Text weniger als eine halbe Seite ausmacht und auch in einer recht großen Schriftgröße gut lesbar gesetzt ist. Insgesamt hat das Buch 147 Seiten.
Die Lesezeit ist deshalb recht kurz, sodass das Kind weder vom Vorlesen noch vom Selbstlesen überfordert wird. Die großen Abbildungen regen zusätzlich zum gemeinsamen Betrachten und Nacherzählen an.
Die Illustrationen mit den großäugigen Gestalten muten japanisch an. Laut Impressum, das hier auf der letzten Seite zu finden ist, stammt dieses Buch aus der (Zeichen- und/oder Schreib?)Feder von Shogo Hirata.
Der deutsche Text lässt leider gelegentlich durchschimmern, dass es sich um eine Übersetzung handeln dürfte, allerdings meine ich, dass ich in dieser Hinsicht empfindlicher bin, weil ich mich berufsmäßig tagtäglich mit Kollokationsfehlern und unüblichen Adverbialkonstruktionen auseinandersetzen muss. Während Rechtschreibfehler in Form vergessener Pluralendungen etc. eher selten sind, kann man die Kommasetzung durchaus als kreativ bezeichnen. Wo kein Komma hingehört steht eines, während an Stellen, die ein Komma erfordern, keines gesetzt wurde. Das ist zwar nicht die Regel, aber auffällig und durchaus ärgerlich. Bedenkt man allerdings, zu welchem Preis diese Ausgaben auf Krabbeltischen verschleudert werden, ist es nicht verwunderlich, wenn der Dienstleistungsposten Korrektorat ähnlich preiswert ausfällt.
Insgesamt ein hübsch gestaltetes und zudem lehrreiches Buch, das Geschichten bietet, die in dieser Form nicht schon in hundert anderen Büchern erzählt wurden. Manchmal lohnt es sich eben, einen Blick auf den Krabbeltisch zu werfen.
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