Glaube und Hass: eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Islam.
In unterschiedliche Kulturen hineingeboren zu sein und in einem religiösen Umfeld zu leben, das man nicht versteht: das gibt dem Leben eine Farbe, der man sich erst noch vergewissern will.
Seiner Herkunft nach ist Taseer ein in London geborener Inder, der bei Großeltern in Indien aufwuchs. Er ist der uneheliche Sohn seiner Mutter, die nach einem kurzen Abenteuer mit einem pakistanischen Gouverneur von diesem schwanger geworden ist. Aatish Taseer ist das Ergebnis dieser Liaison. Er hat nur eine undeutliche Vorstellung seiner religiösen Zugehörigkeit, die durch den Vater moslemisch vorgegeben ist.
Als erwachsener junger Mann will er es genauer wissen: was ist der Islam?
Als Aatish Taseer sich mit 25 Jahren aufmacht, um Näheres über die Religion seines Vaters zu erfahren, ahnt er nicht, welche Abenteuer ihn auf seiner Reise erwarten.
Nach dem Terroranschlag im Jahr 2005 in London, der von fundamentalistischen Islamisten ausging, treibt ihn die Wissbegier, dem Islam in seinen Ursprüngen und in der heutigen Form auf die Spur zu kommen. Beginnend mit der Türkei geht seine Reise durch zahlreiche islamische Länder u.a durch Syrien, Saudi -Arabien und in den Iran. An letzter Stelle steht Pakistan, in dem es zur Auseinandersetzung mit seinem Vater kommt. Die beiden stehen sich unversöhnlich im Glauben und in ihren politischen Überzeugungen gegenüber.
Pakistans komplizierte Geschichte ist allerdings extrem diffus.
In jedem Land findet Aatish Taseer schnell und leicht neue Freunde, die ihm bei seinen Vorhaben behilflich sind. So erfährt er von einem türkischen Islamwissenschaftler mehr über das Glaubenssystem, das auf festen Regeln von Geboten und Verboten beruht. Danach verkörpert das „Weltystem“ die böse, kapitalistische, unmoralische und technologische Seite der Welt. Der Islam hingegen hat hiernach die richtige Weltsicht und es gilt, diese zu verbreiten und an den Schalthebeln der Macht zu ihrer Verwirklichung beizutragen. Mit vielfältigen gedanklichen Winkelzügen werden die Gründe für die vermeintlich wahre Interpretation für das Zusammenleben der Menschen von denen beansprucht, die mit unerbittlicher Härte die Vorgaben des Islam vertreten.
Auf seiner langen Reise erlebt Aatish Taseer den Iran mit seinen drakonischen Regierungsbestimmungen und kann am eigenen Leibe die bedrohliche Herrschaft der Staatsreligion erfahren. Sie löst Furcht und Schrecken aus. Neben seinen aktuellen Erlebnissen beschreibt er die Suche und Kontaktaufnahme zu seinem Vater, die beschwerlich ist. Mit dem weisen Satz: „ Jeder hat in seinem Leben mit beschissenen Leuten zu tun....man muss sich an die Guten halten, und die Schlechten muss man sich selber überlassen....“ bescheidet er eine Schulpsychologin, die ihn zur Kontaktaufnahme überreden will. Es kommt dann anlässlich der Reise doch zu einer Begegnung mit dem Vater, die allerdings als vergeblicher Annäherungsversuch endet.
Aatish Taseer schreibt engagiert und innerlich berührt über seine Erfahrungen, die von jugendlichem Enthusiasmus getragen sind. Mit Elan und Freude hat er sich auf den Weg gemacht, und mit einem reichen Schatz an Erfahrungen, guten wie schlechten, und differenzierten Einsichten kehrt er zurück.
Für mich ist der Reisebericht Aatish Taseers eines der besten Bücher über den gegenwärtig praktizierten Islam in den unterschiedlichsten Ländern. Die Islamweisheiten werden in der immer gleichen Art verkündet. Sie fordern zum uneingeschränkten Leben und Handeln nach den religiösen Gesetzen des Islam auf.