Leser-Rezension zu „Union Atlantic” von Adam Haslett
am 4.01.2010
Für Freunde der großen amerikanischen Gegenwartsliteratur ist dieses Buch eher eine Enttäuschung. Adam Haslett versucht sich an den Themen, Charakteren und Konstellationen eines Philip Roth oder eines Isaac B. Singer, aber scheitert durchgängig. Nur schemenhaft gezeichnete Figuren, vorhersehbare Wendungen und eine flache Sprache - und das alles wirkt nicht durchdacht, sondern seltsam unproportional. Warum muß ich beim Lesen bloß immer an John Grisham denken, der ja auch nicht gerade ein Meister der literarischen Komposition, wenigstens aber der Spannungsbögen ist? Und mit der Finanzkrise, wie der Verlag behauptet, hat dieses Buch gar nichts zu tun - es geht vielmehr um die Einzelfälle der kriminellen Aktienspekulation in den neunziger und nuller Jahren (Thierry Kerviel, Nick Leeson u.a.), nicht um die systemische Habgier, die wie ein Virus auch in literaturnahen Kreisen weiter verbreitet ist, als wir uns eingestehen wollen, Ein Buch zur Finanzkrise? Das wäre dann eher "Der Spieler" von Dostojewski...

