Inhalt:
Seit einem schlimmen Anfall lebt der junge Mattes im Dorf Auroth bei seiner Oma. Mit seinem feinen, überempfindlichen Gehör nimmt er alle Geräusche anders wahr als normale Leute, deshalb gilt er im Dorf als Behinderter. Trotzdem spielt Mattes mit seiner Band Musik, schwärmt für die Bassistin und verdient sich nebenher etwas Geld mit Orgelspielen.
Eines Tages taucht dann aus dem Nichts seine nur vier Jahre ältere Tante Lena, eine talentierte Linguistin, im Dorf auf. Sie hat ihren Job und somit den Boden unter den Füssen verloren. Nun sucht sie etwas Zerstreuung in ihrer alten Heimat.
Doch die Dorfidylle wird je zerstört als auf einem Seniorenausflug der angesehene Bürger Jakob Bähner ermordet wird. Der Hauptverdächtige ist der rüpelhafte Busfahrer, der auch die Leiche gefunden hat.
Lena und Mattes sind jedoch der Ansicht, dass es so einfach nicht gewesen sein kann, und beginnen, auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei machen sie sich ein ganzes Dorf zum Feind und wecken Geister auf, die seit über sechzig Jahren geschlafen haben...
Meine Meinung:
Agnes Hammer hat mit "Dorfbeben" einen typischen Dorfkrimi verfasst. Das Zielpublikum sind Jugendliche und junge Erwachsene. Der Script5 Verlag kategorisiert das Buch als "Thriller", dies ist jedoch nicht der Fall, das Buch ist ein typischer Krimi.
"Typisch" ist ein Wort, das sehr zu diesem Werk passt. Die Autorin bringt leider in ihrem Buch wenig Neues ins Spiel. Wir haben zwei Hobby-Detektive, einen Mord und Dorfbewohner mit Geheimnissen. Dann natürlich die typischen Drohungen eines Unbekannten, dem die Ermittler auf die Schliche gekommen sind und sich nun bedroht fühlt. Somit ist die Geschichte und auch der Krimiaspekt sehr vorhersehbar und wer ein klein wenig nachdenkt, kann sich mithilfe der Rückblicke, die Hammer am Ende mancher Kapitel eingebaut hat, rasch zusammenreimen, was vorgefallen ist. Ich persönlich hatte den Mörder schnell ermittelt und war auch nicht überrascht, als ich richtig lag. Viel Überraschendes kommt in "Dorfbeben" nicht vor, alles geht nach dem gewöhnlichen Prinzip, wie wir es alle kennen.
Gefallen hat mir jedoch der Aspekt von Mattes feinem Gehör. Er beschreibt, wie sein Anfall damals verlaufen ist und wie man sich fühlt, wenn das Gehör nicht in der Lage ist, Töne und Geräusche zu differenzieren. Dabei kommt noch der psychologische Teil ins Spiel, dass Mattes sich selber als Behinderter sieht, dies hätte die Autorin jedoch noch etwas besser ausarbeiten können.
Ebenfalls oftmals negativ aufgefallen ist mir die Sprache von Agnes Hammer. Das Buch lässt sich wirklich sehr leicht lesen, gross anstrengen muss man sich für dieses Buch nicht. Bei nur etwa 270 Seiten mit einer grossen Schrift hat man das Buch somit rasch durch.
Doch mir war Hammers Sprache zu unbeholfen. Oftmals sind Sätze derat mit Kommas getrennt, dass man die Sätze mehrmals lesen muss, um zu verstehen, was die Autorin einem damit sagen will. Der Lesefluss wird dadurch erheblich gestört.
Was mir persönlich ausserdem negativ aufgefallen ist, ist die grammatikalisch eigentlich falsche Verwendung des Datives. Mir ist bewusst, dass man heutzutage immer öfter auf den Dativ zurückgreift, obwohl eigentlich der Genitiv gefragt ist. In der Umgangssprache kann ich das akzeptieren, in einem schriftstellerischen Werk finde ich Ausdrücke wie "Wegen dem Auftritt" jedoch schlicht und einfach unpassend und plump. Es ist einfach nicht schön. Kommen solche Ausdrücke ein- oder zweimal vor, kann ich darüber hinwegsehen, doch hier war es mir eindeutig zu viel.
Obwohl ich hier viele Negativpunkte anspreche, hat mir die Lektüre von "Dorfbeben" doch einigermassen gefallen. Man trifft aus sympatische Personen und kann sich mit dem Buch ein paar Stunden seichte Unterhaltung gönnen. Auch das braucht man ab und zu. Das Einzige, was mich angestrengt hat, war, mir die Namen aller erwähnten Personen und deren Beziehung zueinander zu merken, alles andere ist leichter Lesestoff für zwischendurch.
Fazit:
"Dorfbeben" ist ein Krimi wie jeder andere, jedoch wachsen einem die Figuren rasch ans Herz. Wer ein Buch sucht, um sich damit zu entspannen, ist hier genau richtig. Es ist perfekt für eine längere Zugfahrt oder für einfache Lektüre nachdem man eine Abhandlung über die Relativitätstheorie gelesen hat.
Man sollte jedoch keine allzu grossen Ansprüche auf Originalität und Sprache stellen, ansonsten ist das Buch bloss eine Enttäuschung.