Rezension verfasst vor 1 Jahr
(14)
Dies ist der zweite Roman von Piñol, auch der zweite, den ich lese. Nachdem mir 'Im Rausch der Stille', ein Roman über einen einsamen Leuchtturmwärter und Postbeamten auf einer kleinen Südseeinsel so nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist, dass ich das Buch sogar, nachdem ich es verschenkt habe, erneut gekauft habe. Nach einer witzigen Eröffnung über den Beginn der literarischen Laufbahn des Erzählers als Ghostwriter für Afrika-Groschen-Romane, die wunderbar alle Klischees bedienen, stürzen wir uns mitten in die Regenwälder des Kongo.
Der Kongo. Stellen wir uns eine Fläche vor, die so gross ist wie England, Frankreich und Spanien zusammen. Dieses ganze Gebiet stellen wir uns jetzt mit Bäumen vor, mit Bäumen von sechs bis sechzig Meter Höhe. Und unter den Bäumen - nichts. S.5
Inmitten dieser Wälder wandern die zwei Engländer Richard und William Craver mit dem des Mordes verdächtigten Diener, Koch und Mädchen für alles, Marcus Garvey gefolgt von schwarzen Trägern.
Marcus Garvey erzählt die Geschichte dieser Reise einem jungen Schriftsteller Tommy Thomson, der ein Buch darüber schreibt, das schliesslich Marcus vor dem Galgen rettet. Marcus erzählt aber gar nicht seine wahre Geschichte, sondern eine an ein Skript zu einer alten Geschichte eines Billigromans von Tommy anlehnende Version, die vom Rechtsanwalt Norten nach und nach erfunden wird. Am Schluss entwirren sich langsam alle Fäden und man weiss nicht, ob man die Wahrheit oder eine Fiktion lieber hätte.
0 Kommentare