Rezension verfasst vor 1 Jahr
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om an einem ganz normalen Tag im Jahre 115 n. Chr. Das Imperium hat den Höhepunkt seiner Macht erreicht und Rom, die ewige Stadt ist der Nabel der Welt.
Alberto Angela ist Fernsehmoderator, und das merkt man auch. Der Autor nimmt den Leser mit auf eine Reise durch das normale, alltägliche Leben im alten Rom. Dabei ist das Buch eingeteilt in Stunden, so dass der Leser das tägliche Leben von 6 Uhr morgens bis 24:00 Uhr abends kennenlernt und anhand des normalen Tagesablaufs in der ewigen Stadt und den dabei gemachten Beobachtungen eine Menge über das Leben der damaligen Zeit lernt. Ergänzt wird dieser "Rundgang" durch Einschübe von verblüffenden Tatsachen, die einige Themen noch einmal deutlich vertiefen. Besonders hat mich fasziniert, wie die Römer nur mit den Händen zählen konnten. Durch Kombinationen unterschiedlicher Gesten beider Hände konnte alle Zahlen zwischen 1 und 10 000 durch Gesten dargestellt werden (S. 161).
Als Leser fühlt man sich, als wenn man diese Stadt als Tourist erkundet. Dem Autor gelingt es dabei wunderbar, die Stadt vor den Augen des Lesers lebendig werden zu lassen, so dass man beim lesen vollkommen vergisst, dass es sich um ein Sachbuch und nicht um einen Roman handelt. Dazu tragen auch die vielen Zeichnungen bei, die einige Bilder und Szenen zusätzlich illustrieren.
Das Buch ist gespickt mit vielen wunderbaren Details, so "empfiehlt Ovid den Frauen in seinen Schriften, sich die Bandagen auszustopfen, falls ihr Busen nicht sehr üppig sei." Und dass der Bikini in Wirklichkeit eine römische Erfindung ist (S. 52).
Der Schönheitswahn einiger Männer von heute, die zur Kosmetikerin gehen ist auch nicht neu, so ließ sich Kaiser Augustus sogar depilieren (S. 55).
"Rom ist ein einzigartiges Phänomen, sowohl im Römischen reich wie in der gesamten antiken Welt. Der Vergleich zu London oder New York drängen sich auf." (S. 176)
Auch erklärt der Autor, warum Sklavenhaltung heutzutage undenkbar oder besser unmöglich ist, da dadurch eine zu große Konsumentengruppe aus dem Verkehr gezogen würde und er räumt auch mit einigen beliebten Irrtümern auf, wie dem berühmten Zitat "morituri te salutant", dass so in der Arena nur ein einziges Mal unter Claudius belegt ist: "Claudius antwortete auf ihren Gruß mit einer Höflichkeitsfloskel und sagte "vielleicht". Das Ergebnis war, dass alle die als Befehl missverstanden, der ihnen die Freiheit schenkte, uns sich weigerten zu kämpfen. Claudius musste sich korrigieren, und erst bewaffnete Soldaten brachten die Gladiatoren dazu, die Seelschlacht anzutreten." (S. 334)
Ein wunderbar spannendes, bildliches Sachbuch, das kaum einen Teil des alltäglichen Lebens auslässt. Die bildliche Beschreibung der Lebensverhältnisse aller sozialen Schichten kann jedoch dazu führen, den Leser von den romantischen Illusionen über die Antike zu befreien, die von vielen historischen Romanen geschürt werden.
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