Rezension verfasst vor 7 Monaten
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Ziel einer jeden Utopie ist es die perfekte Gesellschaft zu erreichen. Die Menschen die dann in diesem Utopia existieren, können sorgenfrei das perfekte Leben in einer perfekten Welt genießen. Probleme, seien es Hunger, Not, Kriege, Unzufriedenheit, Arbeitslosigkeit oder Lustlosigkeit gehören ein für alle Mal der Vergangenheit an. Sind unbekannt, höchstens noch verstaubte Erinnerungsrelikte einer längst vergessenen und nicht mehr wiederkehrenden Zeit. Aldous Huxley erschafft genau solch ein Utopia. Eine schöne neue Welt mit einer perfekten Gesellschaft und ebensolch perfekten Bürgern. Alle Mitglieder dieser Gesellschaft leben den perfekten Traum. Ein Leben mit einem Zweck, Zufriedenheit und Glück. Mit dem Gefühl einen richtigen und vor allem wichtigen Platz in dieser Gesellschaft zu haben und seinen Beitrag zum Erhalt des ganzen zu leisten. Was will man mehr?
Im Gegensatz zu anderen zukünftigen Visionen, beispielsweise Orwells „1984“ oder Bradburys „Fahrenheit 451“ kommt Huxleys Utopia gänzlich ohne Überwachung der einzelnen Bürger aus. Warum auch. Alle Bürger sind froh und glücklich. Es ist keine Gewalt notwendig um unbelehrbare, im Interesse der Allgemeinheit, auf den rechten Weg zurückzuführen. Es käme wahrscheinlich nicht mal einer auf die Idee etwas ändern zu wollen.
Wie jedoch ist dieser Fortschritt möglich?
Wollte man es sich einfach machen, so könnte man wissenschaftliche Fortschritte im Bereich der Embryonen-Forschung dafür verantwortlich machen. Denn mit den neusten Erkenntnissen dieses Wissenschaftszweiges ist es möglich Menschen, ganz ihrem zukünftigen Zweck entsprechend, für gewisse Aufgaben und Einsatzbereiche zu formen. Künstlich, in der Flasche wohlgemerkt. Natürliche Geburten sind längst überflüssig und verpönt. Doch die Wissenschaft ist nur scheinbar die Stütze für die neuen gesellschaftlichen Grundpfeiler „Stabilität, Frieden und Freiheit“ dieser schönen neuen Welt. Huxleys Utopia basiert vielmehr auf einem sehr viel älterem Prinzip. Brot und Spiele. Doch werden zukünftig keine Tiger, Löwen oder Gladiatoren zur Belustigung in einer Arena vorgeführt, nein, der gemeine Bürger erhält einfach nach getaner Arbeit seine tägliche Portion Soma. Eine wunderbare Substanz, die es jedem ermöglicht einmal abzuschalten, sich gut zu fühlen, einfach mal die Seele baumeln zu lassen und geistig Urlaub zu machen. Zumindest für ein paar Stunden. Da aber seelische Zufriedenheit nicht ausreicht, darf auch das körperliche Erlebnis nicht fehlen. Zukünftig ist dem Prinzip der freien Liebe, dem nachgehen des ungezügelten Paarungstriebes kein Riegel mehr vorgeschoben. Sich stetig wechselnde Partner und Partnerrinnen ausdrücklich erwünscht. Schließlich ist Sex nicht mehr notwendig um Nachkommen zu zeugen, sondern vielmehr eine Art Sport, die jedermann zur allgemeinen Verbesserung des Gemütszustandes auszuführen hat.
„O Wunder! Was gibt's für herrliche Geschöpfe hier! Wie schön der Mensch ist! O Schöne neue Welt, die solche Bürger trägt!“
Aldous Huxley erschafft in der Tat eine wunderbare, zugleich auch verstörende, Version einer zukünftigen Gesellschaft. So erschreckend sie vielleicht auch erscheint, so sind die Menschen aufgrund ihrer künstlichen Prägung doch nicht unzufrieden, im Gegenteil sogar, sie sind nahezu ausnahmslos glücklich. Müsste ich persönlich zwischen den Welten von Huxley, Orwell oder Bradbury wählen, wäre Huxleys Utopia immer meine Wahl. Auch wenn ich Gefahr laufen würde ein Epsilon- zu werden.
Doch diese gesellschaftliche „Vollkommenheit“ lässt auch keinen Freiraum für wirkliche Persönlichkeiten im Buch. Gerade dieses offensichtliche Fehlen der „menschlichen Komponente“, also die der aufstrebenden, sich allen Unwägbarkeiten zum Trotz entgegenstemmende Kraft des Protagonisten, fehlt Huxleys Werk. Die handelnden Personen wirken oft unwirklich und unglaubwürdig. Ich konnte zumindest keine der Hauptpersonen auf einer Ebene wahrnehmen wie es z.B. Orwell und Bradbury dem Leser ihrer Werke erlauben.
Dem zum Trotz bleibt zu sagen, dass Huxleys Version einer zukünftigen und perfekten Gesellschaft wohl die ist, die der zukünftigen Realität am nächsten kommen mag.
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