Leser-Rezension zu „Vater eines Mörders” von Alfred Andersch
am 25.08.2011
Der Ablauf einer Schulstunde. Alfred Andersch bedient sich seines Alter egos Franz Kien, um ein Stück seiner Biografie zu erzählen. Dabei geht es um eine Griechischstunde, in der die Klasse des Kien überraschend vom Direktor ("Rex") inspziert wird. Dieser "Rex" ist der alte Himmler, dessen Macht als Schulmann hier auf eine fast bedrückende Weise geschildert wird. Damit ist nicht die Macht der primitiven Aktion gemeint, sondern vielmehr die Möglichkeit, durch verschiedene Techniken der persönlichen Machtanwendung Autorität zu erlangen.
Andersch lässt diese Stunde linear auf einer Erzählebene passieren, kann jedoch geschickt Interaktionen zu einer zwingenden Dynamik entwickeln. Die fast schon nebensächlich erzählte Verwandschaft des Direktors zu seinem Sohn Heinrich und die daraus nach außen getragene Beziehung, lässt das Ganze in einen nicht ausgesprochenen Zusammenhang stehen.
Diese authentisch geschilderte Schulstunde, deren Dramatik von Andersch gekonnt in Szene gesetzt wird, zeigt die Entwicklung von Macht und deren Ausübung in einer drohend unterschwelligen Form. Eine ohne Abstriche bewegende Erzählung.

