Leser-Rezension zu „Meister der Wünsche” von Ali Sethi
am 14.07.2010
Familiensaga oder Darstellung einer pakistanischen Jugend?
Der Meister der Wünsche – laut Verlagsangabe ein große Familiensaga ... laut Leseprobe auch ... nach der Lektüre muss ich leider sagen, eine große Familiensaga habe ich nicht entdecken können.
Zaki Shirazi lebt in Lahore, Pakistan. Das Land ist gespalten. Die Jungen orientieren sich konkret am westlichen Leben, die Alten bleiben Ihren Traditionen und Gewohnheiten treu.
Zaki wächst ohne Vater im Haus seiner Großmutter auf. Seine Mutter Zakia ist nicht die Schwiegertochter, die sich die Großmutter für ihren geliebten Sohn gewünscht hat, der viel zu früh bei einem Testflug als Pilot der Pakistanischen Armee ums Leben kommt. Auch zu früh, um die Geburt seines Sohnes mitzuerleben.
Zakis Mutter gibt eine Zeitung heraus, aus finanziellen und politischen Gründen, und ist deshalb viel zu wenig zuhause.
Zaki selbst erscheint als ein eher einsamer Junge, der kaum Freunde hat und seine Mutter schmerzlich vermisst.
Was in der Leseprobe angeklungen war, kam bei mir leider nicht wirklich rüber. Über Zakis Vater wird nicht viel erzählt. Das Kennenlernen von Zakis Eltern wird aus der Sicht der Mutter dargestellt, die kurze Ehe danach bleibt für mich farblos. Schade, denn eigentlich dachte ich mir nach der Leseprobe, mir würde eine tiefere Geschichte erzählt.
In der Mitte des Buches fand ich es schwer, weiterzulesen. Die detaillierte Beschreibung von Zakis Jugend war zwar nicht wirklich schlecht oder langweilig, spannend fand ich das allerdings auch alles nicht. Deshalb blieb das Buch erst einmal einige Wochen liegen. Um dann letztendlich doch noch gelesen zu werden. Und darüber bin ich froh. Zwar hat sich dadurch das Schreiben der Rezension ziemlich verzögert, doch habe ich ein versöhnliches Ende der Lektüre empfunden.
So stringend, wie der Schluss hätte auch der Mittelteil geschrieben werden können.
Deutlich zeigt sich Zakis Beziehung zu seiner Cousine, die eigentlich seine Tante ist und wie sehr diese Beziehung ihn prägt. Auch die Rolle der Frau in Pakistan im Allgemeinen wird scharf gezeichnet. Heute und zu Zeiten von Zakis Großmutter.
Dennoch: den nach der Leseprobe erhofften „neuen Meister der Erzählung“ habe ich nur zum Teil finden können. Aber ein Abbruch der Lektüre wäre auch ebenso schade gewesen.

