Leser-Rezension zu „Das Mädchen mit den gläsernen Füßen” von Ali Shaw
am 22.02.2012
"Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" nimmt den potentiellen Leser bereits durch sein atemberaubend schönes Cover in kühlen Farben gefangen. Zum Glück hat sich der deutsche Verlag dafür entschieden das Originalcover des Buches beizubehalten, denn nach dem Lesen der Geschichte muss ich sagen, dass das Cover nicht nur wunderschön ist, sondern auch perfekt zum Inhalt passt. Das Bild wirkt so winterlich, farblos und auch ein bisschen kalt, wie das Glas, das von den Füßen anfangend dabei ist von Ida Besitz zu ergreifen, Ida, das Mädchen mit den gläsernen Füßen. Doch woher rührt dieser Fluch oder seltsame Verwandlung? Ida versteht es selbst nicht und kehrt daher in das Ort St. Hauda's Land zurück, denn hier erzählte ihr im Sommer ein alter Mann von einem zauberhaften Wesen, dass Menschen in strahlendes Weiß verwandelt, wenn es ihnen in die Augen blickt, doch damals glaubte Ida nicht an diese Geschichte. Wer glaubt schon an Märchen und Wunderwesen in der heutigen Zeit, wenn er ihnen nicht selbst begegnet ist?
Doch statt den alten Mann, der Ida bei der Lösung ihres Problems helfen könnte, trifft sie zunächst auf den menschenscheuen und verbitterten Fotographen Midas, für den Fotografie nicht nur ein Beruf, sondern eine wahre Passion ist. Und er erkennt bereits beim ersten Treffen mit Ida, dass hinter Ida mehr steckt, als auf den ersten Blick zu erkennen ist, doch nicht einmal sein geschultes Auge und das Objektiv seiner Kamera können das Geheimnis aufdecken.
"Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" ist eine tiefgründige Geschichte mit fantastischem Einschlag und komplizierten und verschrobenen Charakteren vor einer traumhaften Kulisse. Ich denke, man sollte sich von den im Klappentext und der Kurzbeschreibung erwähnten eigentümlichen Kreaturen nicht zu sehr in Richtung fantastischer Literatur lenken lassen, die Geschichte hat weniger mit Fantasy als mit einer Parabel oder wie bereits erwähnt einem Märchen zu tun.
Ali Shaw schafft es, dass man sich als Leser intensiv mit seinen eigenen Gedanken zum Leben auseinandersetzt. Es ist eine Geschichte über verpasste Chancen, traurige Vergangenheiten und unglückliche Liebe. Die Hauptfigur Midas reflektiert durch seine Passion des Fotografierens die Figuren und versetzt den Leser damit in die Situation, dass er versucht die Protagonisten noch tiefer und aus verschiedenen Blickwinkeln zu durchleuchten. Dadurch beschäftigt man sich automatisch mit seinen eigenen Gedanken zum Leben und der Liebe.
Die Übersetzung ins Deutsche ist in meinem Augen sehr gut gelungen, denn bereits nach wenigen Seiten war ich von der Geschichte verzaubert. Die Übersetzung stammt von dem Duo Knuffinke/Komina, die bereits einige Bücher aus dem Loewe/script5-Programm kongenial ins Deutsche übersetzt haben.
Die Geschichte ist so zart, so unbeschreibbar schön, so zerbrechlich, dass man kaum glauben kann, dass es sich um das Debüt eines Schriftstellers handelt.

