Es gibt Bücher, die so eindrücklich und wunderbar geschrieben sind, dass man nicht viel über sie berichten muss. Solche Bücher sprechen für sich selbst. Das möchte ich Euch präsentieren: eine Rezension, die aus Zitaten besteht.
Hongkong 1967:
“Es ist unser Versteck, ein Niemandsland, ein Ort, an dem uns keiner findet, wo wir geheime Schätze verwahren. In Vietnam sammeln Mädchen in unserem Alter Schrapnelle und Nägel, die sie aus Projekten der USAID entwenden und den Kadern des Vietkongs abliefern, die damit Bomben füllen. Unsere eigenen Schätze sind unschuldiger: verbotene Kaugummis, die wir erbettelt haben; Seidenschals aus dem chinesischen Warenhaus Emporium, Zigaretten, die Frankie aus der Handtasche eines Dinnergasts geklaut hat.”
Über den Vater: “Manchmal ist es schwer für ihn, sich an uns zu erinnern. So sehr liebt er Vietnam.”
“Rote Banner. Rote Fahnen. Kleine rote Bücher mit Mao Zedongs Verordnungen werden geschwenkt. Rot explodierende Feuerwerkskörper. Rote Trommeln. Rote Garden.
Hundesöhne. Hurenkinder. Brunnenvergifter.”
“Mach dir keine Sorgen, Frankie. Ich komme zurück. Auch wenn ich sehr klein bin. Gwaimui, weißes Geistermädchen. Auch wenn ich ganz allein bin, schutzlos.”
“Ich habe es trainiert. Mich zu verstecken. Mit Frankie zusammen Vietkong zu spielen. Ich bin raffinierter als der Pummelige. Tarnung, Geheimnisse, Täuschung, sie sind meine zweite Natur. Es liegt daran, dass ich eine gwaimui bin, ein weißer Geist. Ich kann mich unsichtbar machen, mich hinter der weißen Haut verstecken. Ich kann Steinen ausweichen, die die Roten Garden der Polizei entgegen schleudern. Ich kann nicht verwundet werden.”
“Und jetzt will ich meinen Vater töten, weil er sich mit so vielen Menschen, Abenteuern und Geschichten umgibt, dass ich ihn nie erreichen werde, nie in der Lage sein werde, ihm zu erzählen, was Frankie und mir passiert ist. Und dass das Leben der Krieg ist. Dort – in Vietnam – geschehen viel schlimmere Dinge.”
“Kinder zu haben ist hart und schmerzhaft. Wenn du stirbst, wird deine Seele in einem Teich voll Blut liegen. Und du kannst nicht heraus, bis dein Kind heiratet. Was ist, wenn dein Kind stirbt? Dann sitzt du für immer drin fest.”
“Kannst du mich vor Leichen schützen, die aus dem Meer aufsteigen, vor dem Vietkong, der sich in den Bergen versteckt, davor, dass sich mein Körper verändert, vor den Litschis, die ich getragen habe, vor Frankie?”
“Nach all diesen Jahren ist das das Einzige, was ich mir wünsche: einen hölzernen Schemel, eine Schale Reis, eine Feldflasche, einen geheimen Kameraden, den brüllenden Schrei wilder Gibbons.”
“Weiße Geister” ist ein wunderbares Buch über eine Welt, die Menschen meiner Generation nur aus Erzählungen, Büchern, TV kennen, eine Welt, in der wir nicht unbedingt gelebt haben möchten. Ein Buch, das einem unter die Haut geht, um dort für lange Zeit zu bleiben.
Und wer noch gute Literatur als Weihnachtsgeschenk sucht, der wird sie in diesem Buch auf jeden Fall finden!