Leser-Rezension zu „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche” von Alina Bronsky
am 18.01.2012
"Als meine Tochter Sulfia mir sagte, sie sei schwanger, wisse aber nicht, von wem, habe ich verstärkt auf meine Haltung geachtet."
So beginnt der neueste Roman von Alina Bronsky, die mit ihrem Debüt "Scherbenpark" für viel Begeisterung sorgte. Dementsprechend hoch war auch die Erwaltungshaltung, doch Bronsky überzeugt auch mit "Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche", legt sogar noch eine Schippe drauf. Scharfzüngig und schwarzhumorig porträtiert Alina Bronsky eine Frau, mit der wohl niemand gern verwandt wäre.
Jenseits des Urals im Jahr 1978. Hier lebt Familie Kalganow, Vater Boris, Mutter Rosalinda und Tochter Sulfia. Diese erlaubt sich mit siebzehn Jahren schwanger zu werden, obwohl sie so hässlich und dumm ist, dass ihre Mutter sich fragt, wer sich auf sowas einlässt. Dementsprechend wird Sulfia auch nicht geheiratet und weiß nicht einmal, wer der Vater ihres Ungeborenen ist. Rosalinda, eine Frau der Tat und viel zu jung für eine Rolle als Großmutter, hat mehrere Ideen, wie man sich des "Problems" entledigen könnte, doch nichts funktioniert wirklich. So wird ihre Enkeltochter Aminat geboren und plötzlich ändert sich Rosalindas Einstellung. Sie bemuttert das winzige süße Wesen und lebt ab sofort nur noch für ihre Enkeltochter. Die Jahre gehen ins Land, die Sowjetunion bricht zusammen und einiges hat sich in der Familie getan. Rosalinda beschließt, rigoros wie eh und je, dass es das Beste für die drei Frauen wäre, im fernen Deutschland das Glück zu suchen und so machen sie sich auf. Ob die Zukunft hier jedoch so golden ist, wie sie sich das denken?
Alina Bronskys Sprache ist scharfzüngig, direkt, schonungslos. Sie erzählt mit ungewöhnlichem schwarzen Humor und provokant von einer zänkischen Frau, die alles für ihre Enkeltochter tut und darüber ihre eigene Tochter gelegentlich übersieht. Rosalinda ist nicht die klassische sympathische Protagonistin, es ist nicht leicht sie zu lieben, aber hassen kann man sie auch nicht, sie polarisiert einfach durchweg, immer jedoch im Gewissen, das Richtige zu tun.
Die weiteren Charaktere des Buches sind nicht minder skurril. Bronsky unterhält durch gute dreißig Jahre der ungewöhnlichen Familie und schildert, wie bereits in Scherbenpark, das besondere Leben von russischen Migranten in Deutschland.
Ein Buch, das seinesgleichen sucht und ein würdiger Nachfolger für "Scherbenpark" ist. Mit Alina Bronsky muss man in den nächsten Jahren rechnen und das ist auch gut so!
Kommentare zu dieser Rezension
Birkhenne vor 4 Monaten
Ich liebe dieses Buch!!! Es ist eines meiner Lieblingsbücher und jetzt habe ich bei dir entdeckt, daß es inzwischen ein aktuelles Buch von Alina Bronsky gibt. Das werde ich mir gleich mal genauer anschauen. Ich habe auch eine Rezi zu den "schärfsten Gerichten" geschrieben.


