Rezension zu "Spiegelkind" von Alina Bronsky

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Nivija

Vor 1 Jahr

(68)

Alina Bronsky »Spiegelkind»

Rezension:

In einer Welt in der Pheen etwas so Abscheuliches und Entsetzliches sind, dass man weder über sie reden noch diesen Namen bei Androhung von Strafe in der Öffentlichkeit benutzen darf, lebt die 15-jährige Juliane (Juli) Rettemi.
Diese Gesellschaftsordnung unterliegt strengen Regeln, einer vorgebenen NORM und die Menschen sind unterteilt in verschiedene Gruppen. Da gibt es die Normalen, die Freaks und die Pheen. 
Letztere sind noch verpönter und gehasster, als die Freaks, die ebenfalls ein Leben auf der Schattenseite dieser so geordneten und sterilen Gesellschaft fristen müssen.
 Aber zum Glück gehört Juli‘s Familie zu den Normalen, der Elite dieser Welt und sie führt ein relativ unbeschwertes Leben in einer gepflegten zentrumsnahen Siedlung. Die Trennung ihrer Eltern vor kurzer Zeit hat Juli noch nicht ganz verarbeitet, aber es hilft sehr, dass sie sich das Sorgerecht teilen und sich abwechselnd wochenweise um sie und die jüngeren Zwillinge Kassie und Jaro kümmern.
Vor ein paar Jahren hat sie es geschafft auf das Lyzeum, eine höhere Privatschule die nur von Normalen besucht werden darf, zu wechseln. Noch immer kämpft Juli dort darum Anschluß zu finden, denn ihre naive Art, ihre unverblümte Denkweise und Einstellung zu manchen Sachen deklarieren sie zu einer Außenseiterin.
Eines Morgens gerät ihr Leben völlig unerwartet aus den Fugen. Nach dem Aufstehen findet sie das Haus total vewüstet vor und ihre Mutter scheint spurlos verschwunden. Die Polizei nimmt die Sache zwar auf, aber nach Juli‘s Ermessen leider nicht ernst genug. Auch Ihr alarmierter Vater, der inzwischen im Haus eingetroffen ist, verhält sich völlig unangemessen, fast desinteressiert am Verschwinden seiner Ex-Frau. Juli ist über soviel Ignoranz und Verleumdung wütend, sie kann nicht begreifen was hier vorgeht und versucht die Ermittlungen auf eigene Faust voranzutreiben. Doch überall wird sie mit fadenscheinigen Ausreden abgespeist, Einschüchterungen und Ermahnungen dienen dazu die bestehenden Regeln einzuhalten und sie mundtot zu machen! Es wird ihr nahe gelegt sich aus den Ermittlungen raus zu halten. 
Doch Juli denkt gar nicht daran! Sie liebt ihre Mutter viel zu sehr, als dass sie diese Entführung ungesühnt und unaufgeklärt so hinnehmen wird. Während sie schweren Herzens zum Lyzeum aufbricht drehen sich ihre Gedanken nur um ihre Mutter. 
Doch dort stellt ihr das Schicksal unverhofft eine Verbündete an die Seite, die so unerwartet auftaucht und noch dazu weit mehr Außenseiter werden könnte, als sie es ist. Das Mädchen ist in ihrer ganzen Art und ihrem Aussehen so merkwürdig. Juli wird ihre Patin und bald stellt sich heraus, dass Ksü viel mehr zu wissen und zu sein scheint, als sie vorgibt.
Kann sie Juli wirklich weiter helfen und ihr in dieser Situation eine Stütze sein!?

Mein Fazit:

„Spiegelkind“ ist ein Buch, dass wenn man es erstmal in der Hand gehalten hat, durch seine perfekte Optik besticht. Das Cover ist mit den verschiedenen Blautönen und mit dem erhabenen, weißen Schriftzug traumhaft umgesetzt worden. Mit einem farblich passenden Lesebändchen bekommt es daher für die Gestaltung die Bestnote von mir.
Leider gilt das nicht für den Inhalt!
 Das Buch glänzte von Anfang an damit, mich im Dunkeln tappen zu lassen und mir so wenig wie möglich Informationen zu vermitteln, um mich hinreichend in die Geschichte einfinden zu können. Nach den ersten Kapiteln hatte ich keinerlei Ahnung wo und wann die Handlung überhaupt angesiedelt sein könnte. Dreh und Angelpunkt sind die Hauptfiguren Juli, die wir hautnah in ihren Gedanken und Handlungen begleiten, und ihrem Vater Rudolf. Beide haben uns von der ersten Seite des Buches Einblick in ihr Leben gegeben, in dem sie sich nicht auf Augenhöhe begegnen können und sich daher im Weg stehen. Zusätzlich vermittelten sie mir beide aus verschiedenen Blickwinkeln recht schnell das völlig zerrüttete Verhältnis in ihrer Familie. Das war aber auch fast alles. Ich erfuhr nur sehr wenig über die Vergangenheit der Familie, die aber wichtige Fixpunkte zum Einstieg in den momentanen Ausnahmezustand aufzeigen hätten können. Das kam alles viel zu spät.

Maßgebliche Grundlage für die Geschiche ist die fiktive Gesellschaftsform „der Normalen“, die in jeder Hinsicht das Leben und Denken der Einwohner beherrscht. 
Wie kam es zu dieser Selektierung nach Gruppen und wer stellte diese Regeln einst auf? Warum sind verschiedene Zonen für die Bewohner eingerichtet? Bei all diesen wichtigen Fragen lässt uns Alina Bronsky mit fragenden Gesichtern zurück.
 Schnell beschlich mich außerdem das Gefühl, dass ich hier auf Randgruppen unserer heutigen Gesellschaft, die sich z.B. bewußt über ihr provokantes Äußeres definieren und damit von der Menge absetzen, treffe und diese im Buch dann eben als „Freaks“ betitelt werden. Diese Vergleiche konnte ich noch ein paar Mal anstellen und das wirkte auf mich wie ein billiger Abklatsch und recht fantasielose Ausarbeitung.
 Nach bereits 100 gelesenen (von insgeamt 300) Seiten fühlte ich mich immer noch wie in einer Luftblase und fand keinerlei Halt um dem Buch auch nur ein bisschen Spass beim Lesen abzugewinnen. Ja, es machte mich teilweise sogar wütend, wie man immer wieder an‘s Mysterium „Phee“ herangeführt wurde und dann wieder in eine völlig andere Richtung gelenkt wurde, ohne das Rätsel auch nur ansatzweise zu lüften.
 Es wird seitenweise über völlig nebensächliche, handlungsunrelevante Details berichtet und das ließ zu den bereits genannten Mankos dann auch noch Langeweile aufkommen. Die Handlung brauchte knappe 200 Seiten um endlich mal ein wenig Gestalt anzunehmen und zu beginnen sich auszuformen.
Die Protagonisten fand ich teilweise viel zu widersprüchlich in ihren Handlungen, teilweise eindimensional dargestellt und bei Juli sogar unglaubwürdig in Szene gesetzt.
Es wirkte teilweise unausgereift und platt wie die Figuren miteinander agierten.
 In der Reflektion könnte ich nicht genau sagen was „Spiegelkind“ genau ist, da für mich keine klare Struktur des Buches erkennbar war und es eher ein bunter Misch aus verschiedenen Genres wie Fantasy, dystopischen und märchenhaften Einbindungen, aber auch Science Fiction war.
Neben der schönen Gestaltung möchte ich dennoch etwas positives nicht unter den Tisch fallen lassen.
 „Spiegelkind“ trifft mit der kindlichen Erzählweise, nach meinem Eindruck, genau den Nerv der Zielgruppe der Lesern im Alter von 11-15 Jahren und hat als eines von ganz wenigen Büchern dieser Altersgruppe keinerlei rührselige Liebesgeschichte anzubieten. Es war daher schön, sich nicht mit dem üblichen Herzschmerz und der Enttäuschung verschmähter Liebesmüh von Teenagern beschäftigen zu müssen. Allerdings kann sich das natürlich noch ändern, da es sich um Band 1 einer Triologie handelt. Es ist also noch alles möglich. Vielleicht kommt irgendwann auch Licht in‘s Dunkel was eine PHEE jetzt genau ist, aber ich werde es nicht mehr erfahren.

Als Abschluß bleibt mir nur noch zusammenfassend zu sagen: 

Die ganze Idee hinter „Spiegelkind“ wirkt wie ein wirres Mischmasch aus vielen Ideen und verschiedenen Genres und ich habe bis zum Schluss keinen Zugang gefunden. Vieles ist mir immer noch schleierhaft und ich fand viele Teile undurchdacht. Deshalb am Ende nur 1,5 Punkte. Eine Empfehlung kann ich für dieses Buch daher nicht aussprechen.

Autor: Alina Bronsky
Buch: Spiegelkind

aba

Vor 1 Jahr

Schade... Alina Bronsky finde ich sonst klasse!

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