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Vor 1 Jahr
(3)Alon Hilu entführt uns mit seinem Buch „Das Haus der Rajanis“ ins Israel am Ende des 19. Jahrhunderts. Das frisch vermählte jüdische Ehepaar Luminsky reist mit dem Schiff nach Jaffa, um im Lande Zion ein neues Leben zu beginnen. Der Neubeginn ist nur unter erschwerten Bedingungen möglich, da es an Arbeit und Grundbesitz mangelt, eine Integration nicht stattfindet, auch gar nicht gewollt ist und zwischenmenschliche Probleme innerhalb der Ehe aufkommen. Diese Ausweglosigkeit wandelt sich, als Jacques Luminsky die arabische Familie Rajani mit ihrem großen und großzügigen Landbesitz kennenlernt, wobei er sich dem psychisch kranken Sohn Salach widmet, die Frau Afifa leidenschaftlich begehrt und schon bald das gesamte Anwesen an sich reißen möchte.
Hilu tabuisiert nichts, sondern er spricht auch Themen wie Sexualität, Begierde und Angst klar und deutlich an. Stilistisch ist es ein Buch, in das sich der Leser aufgrund der besonderen Wortstellung und der metaphorischen Sprache erst einfinden muss, wobei fraglich bleibt, ob der Stil die historische Sprache des 19. Jahrhunderts imitieren möchte, ob die Weise, wie sich der Autor ausdrückt und wie er die Handlung ordnet, kulturell bedingt ist, ob es sich um eine Kunstsprache handelt oder ob der erschwerte Lesefluss durch die Übersetzung bedingt ist. Der Perspektivenwechsel zwischen den Tagebuchaufzeichnungen von Jacques Luminsky und den Ich-Erzählungen von Salach ist einerseits verwirrend, da die Sprache und die Metaphorik wechseln, andererseits auch spannend, da der Perspektivenwechsel zeigt, wie stark sich „Innen- und Außensicht“ unterscheiden und wie sehr diese kulturell geprägt sind. Anhand dieser ausgewählten Beziehungsverstrickung und dieser unterschiedlichen Sichtweise wird deutlich, wie bereits im Kleinen Interessen zwischen Juden und Arabern aufeinanderprallen, sodass die nationalen Auswirkungen verständlich werden. Salachs Visionen und Prophezeiungen erhalten im historischen Rückblick schnell Realität.
Dieses Buch erfordert Zeit, Geduld und Energie, um sich dem Inhalt wirklich ganz widmen zu können, aber diese Investition zahlt sich insofern aus, als das wichtige Thema über die zionistische Bewegung und der Beginn der Konflikte in Israel im Buch ihre Würdigung finden sowie als die Lebens- und Denkweise der Menschen, die dort leben, verständlich und vielschichtig aufgezeigt wird. 4 Sterne.
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