Amelie Nothomb ist Jahrgang 1967 und wuchs als Tochter eines belgischen Diplomaten auf. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Japan und China. Vor 15 Jahren fing sie mit dem Schreiben an, und seitdem kommt es selten vor, daß ihr jeweiliges neues Buch nicht sofort an die Spitze der Bestsellerlisten in Frankreich saust.
Sie lebt heute in Paris und legt mit großer Regelmäßigkeit fast jedes Jahr ein neues Buch vor in einer Art, wie nur sie es zu schreiben in der Lage ist. Immer wieder verbindet sie die Geschichten und Lebensgeschichten ihrer Protagonisten mit ihrer Kindheits- und Jugendheimat Japan.
Auch in ihrem neuen Roman „Attentat“ spitzt sich die Handlung des Buches dramatisch zu, als die männliche Hauptfigur für einige Tage sich in einer japanischen Stadt aufhält.
Epiphane, so heißt diese Romanfigur, ist wie die Autorin 1967 geboren, am 6. Januar. Da seine Eltern sich nicht auf einen der Vornamen der drei Weisen aus dem Morgenland einigen konnten, gaben sie ihm den Namen Epiphane. Vielleicht hatten sie damals auch Hoffnungen verbunden auf die äußere „Erscheinung“ ihres Sohnes, doch die sollten sich bald auf das Schrecklichste zerschlagen. Epiphane war ein so hässliches und ungestaltes Kind, daß er schon bald den Spitznamen „Quasimodo“ erhielt. Doch diese Figur Victor Hugos war eine angenehme Erscheinung gegenüber Epiphanes Äußerem, so beschreibt er es selbst als Ich-Erzähler.
Mit elf Jahren nach etlichen autoerotischen Versuchen, beschließt er, daß einem so hässlichen Menschen wie ihm so etwas wie Sexualität nicht zusteht. Er kommt in den Genuß einer großen Erbschaft, doch 1996, er ist 29 Jahre alt jetzt, ist das Geld aufgebraucht, und er muß sich eine Arbeit suchen. Niemand will einen solch hässlichen und unansehnlichen, für viele regelrecht ekelerregenden Menschen ( „die müssten mich erst mal nackt sehen!“) auch nur für die geringste unqualifizierte Tätigkeit einstellen.
Da entdeckt er eine Kleinanzeige, in der für einen „Kunstfilm ein hässlicher Darsteller gesucht“ wird. Er bewirbt sich, stellt sich vor und begegnet dabei Ethel, der schönen Hauptdarstellerin eines Films, der sich später als absoluter Flop erweisen wird.
Diese Ethel ist der erste Mensch und erst recht die erste Frau seit Ewigkeiten, die nicht auf sein Äußeres reagiert. Epiphane verliebt sich in sie; sie nennt ihn ihren besten Freund. Mit einem Engagement beim Film wird es nichts. Aber mit Ethels Hilfe landet Epiphane einen Coup, der von Amelie Nothomb genial und voller hintergründigem Witz beschrieben wird: er überzeugt die bekannteste Agentur für Models ihn quasi als Kontrast einzustellen. Durch seine abgrundtiefe Hässlichkeit käme die Schönheit der Mädchen erst richtig zur Geltung, argumentiert er.
In Kürze wird Epiphane berühmt und verdient Riesensummen. Keine Modenschau, kein Event ist mehr vorstellbar ohne ihn.
Hier zeigt Amelie Nothomb ihr dialektische Sicht von Schönheit, sie wird sozusagen vollständig dekonstruiert. Was schön ist und was hässlich, verschwimmt.
Epiphane ist mit seinem neuen Leben ganz zufrieden; er beginnt sogar tiefe philosophische Betrachtungen anzustellen darüber, ob das Hässliche quasi genotypisch dem Schönen vorrangig sei, weil das eine ohne das andere gar keinen Wert besäße.
Als sich aber Ethel in einen oberflächlichen Künstler verliebt und mit ihm schläft, gerät Epiphane, der sich schon am Ziel seiner Träume wähnte, in eine Krise ...
Wie kann er es anstellen, daß seine Liebe zu Ethel in alle Ewigkeit möglich bleibt ?
Und er findet eine Lösung ....