Rezension verfasst vor 1 Jahr
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Schuhhaus Pallas
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Die Autorin und Moderatorin Amelie Fried, bekannt aus Funk und Fernsehen, hat diesmal kein Frauen affines Werk vorgelegt. Stattdessen beleuchtet sie die Geschichte ihrer Familie, vor allem in den Jahren 1933 bis 1945. Eine schmerzhafte Geschichte über die ihre Eltern nur ungern und daher selten sprachen und über die ihre Kinder daher nicht viel wussten. Erst etwa 70 Jahre später und nach dem Tod des Vaters stößt Amelie Frieds Ehemann zufällig auf den Namen „Max Fried", den Namen eines ihr unbekannten Angehörigen. Sie begibt sich auf Recherche nach der ungeschriebenen Geschichte der Familie, den fremden Verwandten und Ereignissen. Das Ergebnis dieser Suche wurde zu Schuhhaus Pallas.
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Familie Fried besaß ein Schuhhaus in Ulm - der Stadt, in der auch Sophie und Hans Scholl gelebt haben. Tatsächlich zählten sie deren Eltern zu ihren Bekannten. Im Folgenden werden die Erlebnisse der Familienmitglieder erörtert, der Großeltern, des Vaters, seines Bruders und anderer. Wie versucht wurde, den Arisierungsversuchen der Nationalsozialisten zu widerstehen, sich zu arrangieren so gut es unter solchen Umständen überhaupt möglich war oder zu emigrieren. Die Familienmitglieder gingen bzw. waren gezwungen recht unterschiedliche Wege zu beschreiten. Zum Teil führten diese in den Tod.
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Eine Bewertung fällt mir sehr schwer. Einerseits bin ich kein großer Fan von Frau Fried, da mir ihre Art nicht sehr entspricht. So wirklich kann ich das gar nicht an etwas festmachen. Zu manchen Menschen hat man einfach einen weniger starken Draht als zu anderen. Andererseits klang das Thema ihres Buches Schuhhaus Pallas -eine Spurensuche mit einem nicht vorhersehbaren Ende- überaus interessant. Als das Hörbuch dann auf dem "Wühltisch" lag, griff ich zu. Meine Kritik zielt vorrangig auf das Hörbuch bzw. seine Umsetzung ab.
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Eine inhaltliche Kritik wird allein schon dadurch erschwert, dass es eine sehr persönliche Geschichte ist und die Autorin als Teil der Familie involviert ist. Also ist die thematische Umsetzung für die sie sich entschieden hat noch weniger angreifbar als bei anderen Autoren. Daran habe ich auch gar nichts auszusetzen. Dass die Übersichtlichkeit über die einzelnen Familienmitglieder hin und wieder verlorengeht, wenn man nicht permanent ins booklet schaut, ist der Anzahl geschuldet. Vielleicht hätte man etwas weniger springen können, aber ein Manko ist das nicht wirklich.
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Aber was wirkt sich denn nun störend aus? Natürlich ist das wieder rein subjektiv. Der Untertitel "Wie sich meine Familie gegen die Nazis wehrte" suggeriert für mich einen größeren und dramatischeren Widerstand als letztendlich zu erkennen war. Natürlich hat jeder Verfolgte damals seinen eigenen Überlebens-Kampf gegen das Regime gefochten, hat sich auf mehr oder weniger effektive Weise gewehrt, dennoch hätte ich das nicht unbedingt in den Titel gesetzt, denn im Buch war dieser Aspekt nicht so prägnant wahrnehmbar.
Außerdem hätten mich etwas mehr die Auswirkungen der Geschichte auf Amelie Fried interessiert, z.B. ihr Verhältnis zum Vater. Von den Ereignissen war sie nicht unmittelbar betroffen, aber ihre Auswirkungen zeigten sich später immernoch permanent.
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Im übrigen erschien alles ein wenig zu belehrend. Dinge, die eigentlich Allgemeinwissen darstellen sollten, wurden erklärt. Im Nachhinein habe ich gesehen, dass es wohl ein Jugendbuch sein soll, was das ganze nachvollziehbar macht. Verstehe nicht so ganz, warum es ein Jugendbuch sein musste, denn eine etwas diffizilere Umsetzung hätte das Thema hergegeben und dem Publikum entsprochen, das solche Bücher mehrheitlich kauft.
Außerdem war der Eindruck da, dass eine gewisse Eitelkeit der Autorin immer wieder durchschien. Ein eher subtiler Eindruck, der nicht konkret festgemacht werden kann. Vielleicht lag das einfach an meiner erwähnten Einstellung zur Autorin. Das Hörbuch selber gefiel mir demgemäß etwas weniger gut als es möglich gewesen wäre, denn Frau Fried liest selber. Verständlich, handelt es sich wie gesagt um ihre ureigene Geschichte. Dennoch empfand ich ihre Art des Lesens als zu ausdruckslos, spannungsarm und betulich.
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Insgesamt ein interessantes Thema, sprachlich schön, aber leider nicht ganz so anspruchsvoll und spannend umgesetzt wie erhofft.
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