Ich glaube, ich habe eine Vorliebe für deutsche Krimis. Vor noch gar nicht langer Zeit hätte ich nicht gedacht, so etwas mal zu sagen, lag mir doch nichts ferner, als überhaupt mal einen Krimi zu lesen. Mittlerweile aber muss ich sagen, dass so ein Krimi zwischendurch doch was feines hat. Und vor allem die deutschen Krimis sind so ganz nach meinem Geschmack: gemütlich, kauzig, nicht brutal oder blutig. Einfach nett.
Genau in das Schema passt auch Andreas Föhr mit seinem Krimi Der Prinzessinnenmörder, der erste Krimi Föhrs, rund um den Kommissar Wallner. Worum es geht ist schnell erzählt: Eine Leiche wird gefunden (ungewöhnlicher Anfang für einen Krimi, ich weiß). Die Leiche eines Mädchens, die mit einem Stich ins Herz getötet wurde, und der nach dem Mord ein Brokatkleid angezogen, und eine Plakette mit einem Fotoausschnitt in den Mund gelegt wurde. Die Leiche wird im zugefrorenen Spitzingsee gefunden, und unweit davon entdeckt Kommissar Wallner ein Holzkreuz mit dem Namen des Opfers und dem Zusatz: „Ermordet am 14.01.2007″. Das Ganze ist eine irre Inszenierung, eines noch verrückteren Mörders und Wallner ist klar, dass es sich hier nur um das erste Opfer handelt. Noch eher er das Umfeld des Mädchens zur Gänze befragen konnte, wir das zweite Opfer gefunden, in Brokatkleid, mit Stich im Herz und Fotoausschnitt im Mund. Ebenfalls ein Mädchen, aber das waren auf den ersten Blick auch schon alle Parallelen der Opfer.
Ein toller Krimi. Während der Leser gebannt die ersten Ermittlungsschritte Wallners verfolgt, bekommt er auch immer wieder Einblick in eine andere Geschichte. Die Geschichte eines Vaters, der mit seiner Tochter eine Schneewanderung unternimmt. Scheinbar zusammenhanglos wechselt der Autor immer mal wieder zwischen den Schauplätzen hin und her, bis dem Leser aufgeht, warum ihm auch diese Geschichte erzählt wird.
Ja, mir wurde sehr schnell gewahr, wer hier der Mörder ist. Das tut der Spannung aber keinen Abbruch, denn Föhr versteht es, einen bei der Stange zu halten. Der Leser möchte verstehen, was diesen liebenden Familienvater zu einem so unberechenbaren Serienmörder hat werden lassen. Stück für Stück wird einem die Hintergrundgeschichte erzählt, und Stück für Stück puzzelt Kommissar Wallner das Bild des Mörders zusammen. Dass das private Drumherum des Kommissars dabei ganz nebenbei auch in den Fall mit einfließt, lässt das Ganze nur umso spannender werden.
Aber nicht nur die kriminelle Handlung sind dem Autor toll gelungen. So wohnt Wallner, dem der Autor die liebenswerte Angewohnheit, ständig zu frieren, auf den Leib geschrieben hat, bei seinem Großvater. Ein kauziger Kerl, der den Enkel, trotz nachlassendem Geschmackssinn, immer noch gerne bekocht und auch mit Ratschlägen in Liebesdingen nicht hinterm Berg hält. Alle Figuren sind so genau beschrieben, dass man direkt ein Bild vor Augen hat, ohne dass Föhr sich dabei in Details verlieren, und langweilen würde.
Der auf dem Klappentext erwähnte „grantelnde Kollege Polizeiobermeister Kreuthner“, der u.a. die Leiche findet, erschien mir dagegen nur als Randfigur (ein Kollege war er schonmal gar nicht, macht sich aber auf dem Klappentext wohl einfach besser, weshalb ich dies nicht dem Autoren anlaste). Auch wenn er für die Handlung der Geschichte nicht unwichtig ist, bin ich mit dieser Figur nie warm geworden. Im Gegenteil, ich habe mich fast geärgert, dass er den ein oder anderen entscheidenden Hinweis gegeben hat, und sich mit diesem Erfolg so maßlos brüsten konnte. Gönnen wollte ich es ihm nicht. Aber eigentlich ist auch dies wieder nur ein Beweis wie wunderbar Föhr es versteht, seine Figuren zu zeichnen, damit diese den Leser in ihren Bann ziehen.
Mich hat der Krimi aufs Wunderbarste unterhalten. Ich bin zwar noch keine erfahrener Krimileserin, und es braucht nicht viel Spannung, dass ich mich vor Angst unter der Decke verkrieche, aber ich würde diesen Roman trotzdem weiterempfehlen, an alle, die den gemütlichen Krimi schätzen.