Pearlie und Holland sind verheiratet und leben zusammen mit ihrem Sohn in einem kleinen Vorstadthäuschen im Amerika der fünfziger Jahre. Eines Tages taucht überraschend ein alter Freund von Holland auf.
So weit, so gut.
Gleich vorneweg: Wäre ich nicht ohne Alternative beim Arzt gesessen, hätte ich es gar nicht fertig gelesen.
Einziger Lichtblick ist Pearlie, die sich, anlässlich des unmoralischen Angebots seitens des Freundes, verständlicherweise in einer Art Schockzustand befindet. Ihren Charakter und ihre Reaktionen finde ich rückblickend noch am nachvollziehbarsten und auf besondere Art anrührend. (Ihretwegen auch 2 Sterne, nicht nur einer.)
Problem: Besagter Freund sieht die Lösung seines tragischen Liebesproblems nämlich darin, Pearlie ihren Ehemann quasi abzukaufen.
Störend war für mich, dass Holland der Ehemann im ganzen Buch keine Stellung bezieht, außer dann am Ende. (Wobei er da auch nur mit eingezogenem Schwanz zurück gekrochen kommt.) De facto hatte dieser Charakter eigentlich überhaupt keinen Charakter. Man erfährt weder was er zu der ganzen Geschichte eigentlich sagt, geschweige denn denkt. Und das was er tut, erfährt man nur durch Pearlies Sicht gefiltert. "Wir glauben, die zu kennen, die wir lieben." Bei Hollands nicht-existentem Charakter wundert es mich gar nicht, dass Pearlie ihn nicht kennt. Dazu kommt noch, dass sie ihn durch eine verklärte, rosa-rote Brille zu betrachten scheint. (Er sieht ja halt so gut aus...)
Wie dem auch sei, der persönliche Bezug zu Holland fehlte mir also völlig. Pearlie und Buzz, der Freund, hätten genauso gut um einen Gegenstand streiten können.
Empfohlen wurde es aufgrund der Sprache und der überraschenden Wendungen.
Die Sprache war angenehm zu lesen, die Wendungen allerdings, bis auf eine, absolut vorhersehbar. Dabei überreizt der Autor leider für meinen Geschmack seine Position als allwissender Erzähler, indem er immer wieder Ausblicke auf den weiteren Handlungsverlauf gibt. Eingeleitet wie es sich gehört mit: "Dabei konnte sie nicht ahnen, dass bald ..."
Tja. Leider konnte ich es ahnen und damit baute sich die Spannung nicht auf, sondern schön konsequent ab.
Beispiel: Als jemand, der mit dem Ausdruck "Slash" (oder yaoi) etwas anfangen kann, riecht man mEn drei Meilen gegen den Wind, welches ach so große Geheimnis Holland und den Freund verbindet.
Am meisten gestört hat mich jedoch das Ende. Das Buch hätte das Potential zu einer feinfühligen, anrührenden Charakterstudie gehabt. Es hätte darum gehen können, schwierige Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen. Hätte es so geendet, wie es angedeutet, dann wäre das Ende zumindest ein Lichtblick gewesen. Holland hätte sich zu seiner homosexuellen Neigung bekannt, Pearlie hätte sich als allein erziehende Mutter durchgeschlagen, sich endlich auf eigene Beine gestellt.
Oder warum zeigte der Autor nicht den Mut, gar eine offene Dreier-Beziehung darzustellen? Drei Menschen, in Freundschaft und Liebe vereint.
Doch der Autor macht im letzten Moment einen Rückzieher und setzt alles auf "Normal" zurück, wie es sich nun einmal "für anständige Menschen" gehört.
Er proklamiert das Ende quasi als die einzig wahre und "richtige" Entscheidung und bleibt damit ganz im klassischen, stock-konservativen Weltbild verhaftet. Das ganze Buch wir dadurch in die Belanglosigkeit geschickt.
Der Mann bleibt natürlich bei seiner Ehefrau, die ihm alles verzeiht und ihn glücklich wieder aufnimmt. (Weil er ja so gut aussieht *hust*)
Als Pearlie hätte ich diesen rückgratlosen Waschlappen von Ehemann zum Teufel gejagt.
Auch wenn der Autor wohl mit dem Ende zeigen wollte, Holland käme aus "Liebe" zu seiner Frau zurück, konnte ich mit des Eindrucks nicht erwehren, Holland hatte einfach nicht den Schneid als Homosexueller mit seinem Freund zusammen zu leben. Weswegen mich auch das Argument der Treue hier nicht überzeugt, weil es für mich nicht glaubwürdig vermittelt wird.
Sein Frauchen empfängt den reuigen Sünder natürlich, wie sich das gehört, mit offenen Armen. Das Holland sich von seinem schwulen Lover beinahe hätte abkaufen lassen, wie ein Accessoir, spielt überhaupt keine Rolle mehr.
Es ist eine Sache, über eine Farbige in den USA zu dieser Zeit zu schreiben. Und sie hätte es sicherlich , auch mit dem Geld, allein alles andere als leicht gehabt. Ein gewisser Realismus sollte bewahrt bleiben. Auch wäre eine, sagen wir emanzipiertere Reaktion seitens Pearlies der Zeit und dem Charakter nicht entsprechend gewesen. Aber deswegen muss man den Frauencharakter nicht am Ende auch noch wieder in die Rolle der hilflosen, abhängigen, alles verzeihenden Hausfrau drängen. Willkommen im Mittelalter. Das Weib wäre gebrochen und hilflos ohne ihren Mann und er rettet sie, indem er das heroische Opfer bringt und bei ihr bleibt.
Wenn nicht Pearlie, dann hätte wenigstens Holland der Ehemann hier einen Standpunkt vertreten und sich zumindest bei seiner Frau entschuldigen können. Stattdessen setzt er einfach voraus, dass sie ihm verzeiht und glücklich über seine Rückkehr ist.
Wenn der Autor heute noch ernsthaft denkt, das hätte etwas mit "wahrer Liebe" tun tun ... Na, ja.
FAZIT: Am Ende bezieht kein Charakter wirklich Position, keine Entscheidung hat Konsequenzen.
Es hätte die Geschichte außergewöhnlicher Menschen sein können. Ein Buch, in welchem sich die Fiktion über die Dogmen und Vorurteile der Realität hinwegsetzt, oder sich ihnen zumindest entgegen stellt.
Moral: Die Ehe ist ein heiliges Gut und solange Mann und Frau, wie es sich eben gehört, zusammen bleiben ist alles wieder dufte in Ordnung. *gähn*