Warnung! Lang! ;-)
.
Zum Inhalt:
"Ich war ein junger Mann von fünfundzwanzig Jahren, als ich Vampir wurde, und es geschah im Jahr siebzehnhunderteinundneunzig."
Damit beginnt das Interview und die eigentliche Geschichte von Louis de Pointe du Lac, die er selbst, zweihundert Jahre später, einem jungen, eingeschüchterten und trotzdem über alle Maßen faszinierten Reporter erzählt.
Der schöne, junge Plantagenbesitzer ist durch den tragischen Tod seines geliebten Bruders dem Alkohol und der Todessehnsucht verfallen. Als er eines Nachts von einem Vampir angefallen und fast leergesaugt zurückgelassen wird, scheint dieser Wunsch in Erfüllung zu gehen, doch Lestat, der Vampir kehrt zurück und macht ihn aus rein materiellem Eigennutz zu seinesgleichen.
Während der nächsten Jahre, die sie gemeinsam zunächst auf der Plantage, danach in New Orleans verbringen, erkennt Louis die wahre Natur seines Schöpfers. Immer mehr von ihm und sich selbst angeekelt, ernährt er sich nur noch von Tierblut und schwankt heftig zwischen aggressivem Aufbegehren gegen Lestat und apathischer Resignation. In ihm entsteht der Wunsch, seinen Schöpfer zu verlassen und nach anderen, älteren Vampiren zu suchen, um Antworten auf seine quälenden Fragen zu bekommen. Ein geschickter Schachzug Lestats, die Erschaffung eines in ihrer Welt verbotenen Kindvampirs, macht seine Pläne zunichte. Sein schlechtes Gewissen, da er Lestat erst auf die Kleine aufmerksam gemacht hat, die plötzliche Verantwortung und wachsende Zuneigung zu Claudia, zwingen Louis zum Bleiben.
Im Laufe der nächsten 65 Jahre wächst der Hass Claudias, der nun äußerlich auf immer 5-Jährigen, auf Lestat so sehr, dass sie Louis überredet, ihn in eine Falle zu locken und zu töten.
Ihre Flucht und die Suche nach anderen ihrer Art, führt sie nach Europa und dort schließlich nach Paris ins Theatre de Vampires, wo sie endlich auf Ihresgleichen und vor allem auf Armand treffen, einen uralten Vampir, der die Antwort auf all ihre Fragen zu sein scheint, aber letztendlich …
(Alles will ich dann doch nicht verraten ;-) )
.
Meine Meinung:
Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass dieses Buch 1978 geschrieben wurde, also lange bevor irgendjemand an Twilight und diesen ganzen Hype gedacht hat. Aber auch abgesehen vom Entstehungsjahr, haben die beiden ungefähr so viel gemeinsam, wie Guinness und Karamalz.
Bei beiden geht um Vampire. That's all.
In der Welt von Anne Rice existiert das Böse - in Gestalt von Lestat de Lioncourt.
Ein egoistischer Narziss, moralisch verkommen, jeder Art von Genusssucht zugetan, bar jeden Gewissens. Er tötet, ohne mit der Wimper zu zucken, ob nun zur Nahrungsaufnahme oder auch nur zum bloßen Vergnügen.
.
Genauso wie es Erotik in ihrer Welt gibt – eine subtile Sinnlichkeit, nicht zuletzt in der wunderbaren, besonderen Atmosphäre New Orleans' eingefangen. Doch durch die Unfähigkeit ihrer Vampire zu tatsächlichem, körperlichem Sex, rutscht sie niemals ins Plumpe oder Pornografische ab.
.
Dazu kommt die ganze Bandbreite „menschlicher“ Gefühle - Verzweiflung, Sehnsucht, Liebe, Hass, Wut, Abscheu, Hoffnung, Resignation. All das steckt in der Figur des Vampirs Louis de Pointe du Lac, den ich abwechselnd tröstend und beschützend in die Arme schließen oder fest schütteln möchte, damit er aus seiner melancholischen Lethargie erwacht.
.
Ihre Figuren haben Charakter und Tiefgang, sind widersprüchlich und kompliziert, und genau deshalb so faszinierend.
Ihre wunderbare, reichhaltige Sprache und ihr Schreibstil (vor allem im Original, das ich jedem, der gut Englisch versteht, nur ans Herz legen kann) haben mich sofort gefesselt und nicht wieder losgelassen.
.
Fazit:
Ich habe mich damals, schon nach den ersten Seiten, in dieses Buch verliebt, in Vampire verliebt, in New Orleans verliebt und in den traurigen, zerrissenen, schönen Louis.
Wie könnte ich da noch eine auch nur ansatzweise objektive Wertung abgeben?
Leider gibt es nicht mehr als 5 Sterne ...
.
PS: Bitte bitte, auch wenn er wirklich gut gemacht ist, den Film und das Buch nicht in einen Topf werfen. Es liegen Welten dazwischen!!!