Diese Rezension wird jetzt ein bißchen anders, als meine sonstigen.
Nach dem Beenden des Buches habe ich mich sehr schwer getan, eine Rezension zu erstellen. Als ich sie dann fertig hatte, fiel sie nicht besonders gut aus. Da die bisherigen Rezensionen aber sehr gut waren, fragte ich mich, liegt es nun an mir oder an dem Buch. Und so nahm ich zuerst einmal Kontakt zur Autorin auf, was in diesem Fall dank Facebook sehr einfach war, dort kannte ich sie schon.
Ich habe mich dann eine ganze Zeit mit der Autorin über meine Kritikpunkte unterhalten und möchte Euch jetzt mal aufzeigen, was es war und warum es so war. Vielleicht, damit Ihr einfach wie ich erfahren könnt, wie schnell man Sachen unterschiedlich interpretieren kann.
Mein erster Kritikpunkt ist, daß es in dem Buch eine gleichgeschlechtliche Liebe gibt. In meinen Augen ist diese nicht nebensächlich, wenn es auch nicht der Hauptstrang der Geschichte ist. Ich habe im persönlichen Leben überhaupt nichts gegen gleichgeschlechtliche Paare. Aber es ist nicht meine Welt und ich mag auch keine Bücher darüber lesen, da es mich nicht in die Geschichte eintauchen läßt. Die Autorin war im Vorfeld in Besprechung mit mehreren Personen aber davon überzeugt worden, es nicht bekannt zu geben, da es keine Rolle für die Geschichte spielt. An diesem Punkt kann man wohl nicht diskutieren, es ist wirklich eine individuelle Empfindung. Für mich war dieser Teil der Geschichte sehr wichtig und sehr dominant.
Der nächste Kritikpunkt waren für mich die Wunderheilungen in dem Buch. Es kommt öfter zu sehr schweren, sehr ernsthaften Verletzungen. Ich kann auf diese jetzt nicht im Detail eingehen, weil es ein zu großer Spoiler wäre. Für mich klangen diese Verletzungen so unwiderruflich und die spätere Behandlung zwar etwas mystisch, nicht aber ausreichend, um wahre Wunder zu vollbringen. Jedoch ist es wohl so, daß die Druiden sehr starke Kräfte haben (was ich leider überhaupt nicht weiß, da ich mich mit diesem Genre noch nie beschäftigt haben). Wo ich also nicht selten unwiderruflich zerstörtes interpretiert habe, konnte immer wieder ein Wunder vollbracht werden. Nun kann man es halt so auslegen, daß die Autorin es hätte besser erklären müssen oder aber, daß ich einfach diesem mystischen Druidenwissen mehr hätte vertrauen müssen.
Als letzten Kritikpunkt nannte ich den Titel. Sträfling ist ja klar, paßte auch. Aber Karneval? Ist für mich feiern bis der Arzt kommt. Selbst nach Befragung des Internets wußte ich nicht mehr, als daß damit die Tage des Feierns vor Aschermittwoch benannt sind. Tja .. und da setzt wieder mein fehlendes Wissen ein - denn Sträflingskarneval hat sehr wohl eine Bedeutung. Wer sich mit Fantasy (ich schätze mal High Fantasy) auskennt, der weiß, daß es bedeutet, daß .. moment, ich zitiere die Autorin: "ein Straftäter in der Öffentlichkeit so lange gefoltert wird, bis er seine Taten gesteht, die er aber meist nie begangen hat und anschließend zu Tode verurteilt wird." Jaaa, wenn man die Bedeutung kennt, dann gibt der Titel für dieses Buch sehr wohl einen Sinn. Jedoch denke ich, dieses Wissen kann man einfach nicht bei jedem Leser voraus setzen.
Das waren so meine groben Kritikpunkte, die für mich jetzt, nach der Unterhaltung und den Erläuterungen der Autorin natürlich nicht mehr so groß sind - zumindest was die Wunderheilung und den Titel angeht. Der einzige Kritikpunkt dabei könnte jetzt noch sein, daß man die Erläuterungen im Buch hätte präziser gestalten können. Jetzt werden aber wahrscheinlich diejenigen aufstöhnen, für die das alles von jeher sonnenklar war ... man kann es halt nicht jedem Recht machen.
Ansonsten und jetzt kommen wir mal zum positiven, denn davon gab es auch einiges im Buch .. war die Geschichte an sich. Diese war nämlich sehr spannend und sehr fantasievoll. Sie entführt uns in einen Bereich eines Druiden-Orden mit großen Geheimnissen und bösen Widersachern. Das macht das ganze zu einem Buch, bei dem man unbedingt wissen möchte, was steckt dahinter, wie wird es enden und kann es überhaupt gut enden. Der Leser wird hier nicht enttäuscht, im Laufe des Buches werden die Hintergründe der Geheimnisse gelüftet. Und das auf eine ziemlich kreativ-fantasievolle Weise. Für mich persönlich sehr fantasievoll, aber das kann ich dann ja nicht kritisieren. Schließlich ist und bleibt es ein Roman und nicht die Wahrheit :)
Der Schreibstil der Autorin ist relativ offen und flüssig. Er läßt sich gut lesen, jedoch war er mir hier und da dann teilweise ein bißchen zu umgangssprachlich.
Fazit:
Die Idee des Buches mit dem Orden und die Geschichte, die dahinter steckt, fand ich sehr interessant und spannend. Ich hätte mir zu manchen Bereichen mehr Informationen gewünscht und nicht ein Wissen vorausgesetzt, was einfach nicht jeder Leser hat. Ansonsten ein spannend zu lesender Roman.