Rezension zu "Durch den Wind" von Annika Reich

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Clari

Vor 3 Jahren

(18)

Gibt es Verständigung zwischen Männern und Frauen ? Und wie fühlt man sich als Frau mit Mitte dreißig?
Der Antwort wird man bei Annika Reich ein wenig näher kommen.

„Und wann geht das Leben richtig los?“
Mit dieser Frage beschäftigten sich eines Tages einzelne Frauen im Hanser Verlag und holten die Stimmern einer Handvoll Mitarbeiterinnen zum Thema ein. Mit dem Satz: „ ich dachte immer, die Dinge klären sich, wenn man älter wird. Und plötzlich ist man älter und es klärt sich gar nichts....“ endet eine Geschichte, in der es um das Lebensgefühl der Mittdreißigerinnen geht.

Mit dreißig Jahren glaubt man heute, man habe das Leben noch vor sich!
Der Tenor des Romans lautet: wie finde ich den richtigen Weg für das, was ich mir wünsche, weiß ich überhaupt, was ich mir wünsche, und kann ich meine Träume, Vorstellungen und Hoffnungen realisieren? Annika Reich begleitet ihre vier Protagonistinnen auf ihrem dornigen Weg.
Berlin und Tokio sind die Schauplätze, an denen vier Frauen ihre Geschichten erleben und erzählen. Sie stecken in einer Art Vor-„ mitlifecrisis“, denn so langsam wird ihnen bewusst, dass sie sich ein festes Gefüge für die nahe Zukunft ersehnen. Will man Kinder haben, einen Mann oder die absolute Freiheit? Keine weiß es sicher.
Friederike kann ihren unruhigen Tom nicht halten; Alison lebt und darbt für ihren Victor, der sich ihr entzieht. Sie sehnt sich nach einem fiktiven Glück. Man weiß nicht, träumt sie oder wacht sie? Yoko hat sich für die Vielmännerei entschieden und betrachtet sich als emanzipiert. Von ihr stammt der nihilistische Satz: „ich lebe nicht, ich verbringe meine Zeit“. Siri hat alles, was man sich nur wünschen kann: sie ist schön, hat geliebte Großeltern, Sohn und Mann,--und kann ihr Glück doch nicht akzeptieren! Als ihre Großmutter nach 47 Jahren Ehe den Mann an ihrer Seite verlässt, gerät Siri ins Grübeln,wie es denn um ihre Ehe bestellt sei. Häufige Krankheit und ein ewiges Missbehagen deuten eher darauf hin, dass es ihr nicht so gut geht mit ihrem Mann und dem Sohn Felix.

Annika Reich beschreibt in ihrem Roman vier Frauenschicksale, die im Schatten unbefriedigender Beziehungen und enttäuschter Hoffnungen leben. Schwankend und auf tönernen Füßen lässt die Autorin ihre Heldinnen nachdenken, wie die Weichenstellungen aussehen, die nicht jeder/ jede zur rechten Zeit vorgenommen hat.
Die Geschichte handelt von Paaren und von ihren Beziehungen. Es gibt zahlreiche Dialoge und man spürt, dass in den Beziehungen zwischen Mann und Frau keiner dem anderen richtig zuhört oder ihn versteht. Das ist erschreckend: das schweigende Missverstehen, das unter den eifrigen Reden schlummert.

Annika Reich nähert sich dem Schicksal ihrer vier Protagonistinnen aus individueller Sicht und zeigt, wie schwer es ist, Glückserwartungen und Realität in Einklang zu bringen! Freiheit und Geborgenheit schließen einander häufig aus.
Ein leicht melancholischer Roman ist entstanden, der einen Zeitgeist umschreibt, mit dem Frauen aller Altersklassen sich beschäftigen könnten. Der Roman ist unterhaltsam, leicht zu lesen und kommt ohne tiefschürfende Analysen aus.

Autor: Annika Reich
Buch: Durch den Wind
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