"Jeder der dieses Buch liest, stirbt. Doch nur wer es liest, weiß, warum ..."
Santa Mondega ist eine Stadt voller Gewalt und Verbrechen. Eine Stadt, die vom Rest der Welt ignoriert wird, denn sie birgt ein düsteres Geheimnis ...
In letzter Zeit geschehen hier Dinge, die selbst für diese Stadt ungewöhnlich sind. Eine Reihe von bestialischen Morden, ein geheimnisvoller blauer Stein und eine bevorstehende Sonnenfinsternis führen dazu, dass Auftragskiller, Kopfgeldjäger, Gangster, Ermittler und sogar Mönche und dunkle Wesenheiten die Straßen noch unsicherer machen.
Und dann gehen auch noch Gerüchte herum, dass der Massenmörder The Bourbon Kid wieder in der Stadt ist ...
Aufmachung:
Die Aufmachung dieses Buches hat mich sofort neugierig gemacht. Das Cover sieht wie ein alter und abgegriffener Ledereinband aus, sodass die großen, leicht erhabenen goldenen Buchstaben des Titels besonders hervorstechen.
Interessant ist, dass es im Buch ebenfalls ein "Buch ohne Namen" gibt, an dessen Aussehen man sich hier wohl orientiert hat.
Meine Meinung:
"Was ist das für ein seltsames Buch ohne Namen und ohne Autor?", war das Erste, was mir in den Sinn gekommen ist, als ich dieses Buch zum ersten Mal erblickte. Ich bin wohl nicht die Einzige, die das gedacht, und das Buch daraufhin aus dem Regal gezogen hat.
Obwohl mich der Klapptext nur bedingt angesprochen hat (Blut und Tod schrecken mich eigentlich eher ab), musste ich es aus purer Neugierde einfach kaufen.
Bei diesem Buch scheinen sich die Geister offensichtlich zu scheiden. Die einen sind restlos begeistert, während die anderen nur ein verständnisloses Kopfschütteln zustande bringen.
Ich bin irgendwo dazwischen.
Anfangs war ich einfach nur verwirrt.
Man weiß zunächst nicht genau, worum es eigentlich geht und wo das Ganze hinführt. Ständig werden neue Figuren eingeführt und man bekommt eine Menge Andeutungen, ohne aber viel damit anfangen zu können.
Dann wird die Geschichte auch noch aus unzähligen verschiedenen Perspektiven erzählt, was wohl so manchen Leser zur Verzweiflung getrieben hat. Besonders, weil die Charaktere alles andere als normal sind. Es gibt eine Menge Killer und Ganoven, zwei Mönche, einen Barmann, eine junge Frau mit Gedächtnisverlust und noch viele andere Personen, die alle auf ihre eigene Art skurril und überspitzt sind. Einige kommen mehr, andere weniger sympathisch daher, aber alle sind irgendwie miteinander verbunden. Aufgrund ihrer Menge wird jedoch auf niemanden zu genau eingegangen, sodass alle etwas flach bleiben.
Obwohl mir dies zunächst unmöglich erschien, findet man sich dann doch recht bald mit den verschiedenen Handlungssträngen zurecht und gewöhnt sich an die ständigen Perspektivwechsel, obgleich die Geschichte weiterhin rätselhaft und unvorhersehbar bleibt.
Die Story selbst ist ein total abgedrehter Genremix aus Krimi, Horror, Fantasy und Western und entwickelt deshalb ihren ganz eigenen Charme.
Trotzdem dürfte dieses Buch nicht nach jedermanns Geschmack sein, weil es hier ziemlich blutig zugeht. Der Sensenmann hat in Santa Mondega keinen freien Tag und meistens sterben die Leute auf recht unschöne Weise.
Allerdings gibt es auch eine Menge witziger Stellen, die oftmals vor schwarzem Humor, Ironie und Sarkasmus triefen. Besonders die Dialoge sind teilweise genial, wenn man diese Art von Humor mag.
»Peto! Warum hast du das getan?« »Es..tut mir leid, Kyle, aber ich hab noch nie eine Pistole in den Händen gehabt! Sie ging einfach los, als ich den Abzug durchgedrückt habe!« »Dazu ist ein Abzug da, weißt du?«
Da man nie genau weiß, was als Nächstes passieren wird, ist von Anfang an eine gewisse Spannung vorhanden. Es gibt viele überraschende Wendungen und manchmal tauchen aus dem Nichts urplötzlich neue Charaktere auf oder alte sterben.
Auch das Übernatürliche, das anfangs nur angedeutet wird, hat in dieser abgedrehten Geschichte einen Platz. Als dann plötzlich gewisse "Wesen der Nacht" auftauchen, wundert man sich eigentlich auch nicht mehr groß, denn in diesem Buch ist alles möglich und nichts unmöglich.
Besonders gegen Ende häufen sich die Überraschungen, denn die meisten Charaktere enden nicht so, wie man es vermutet hätte, oder sind doch nicht die, die sie zu sein schienen.
Auch der Schluss ist unvorhersehbar, aber recht abrupt. Es werden noch einige Fragen offen gelassen, was neugierig auf die Fortsetzung macht.
Der Autor hat im Großen und Ganzen einen einfachen aber angenehmen, also recht schnell zu lesenden Schreibstil. Sprachlich passt er gut zum Inhalt des Buches, da er immer eine Portion Ironie oder Sarkasmus bereithält und sich der Ausdrucksweise seiner Figuren anpasst.
Jedoch gibt es einzelne Passagen, die mich während des Lesens ein wenig gestört haben, da sie etwas konfus scheinen. Beispielsweise werden an zwei oder drei Stellen Informationen wiederholt, die der Leser in einem vorherigen Kapitel schon erhalten hat. Hier musste ich mich unweigerlich fragen, ob der Autor sich bloß nicht erinnern konnte, dass er diese Begebenheit zuvor schon erwähnt hatte, oder ob er den Leser für zu dumm hält, sich etwas zu merken.
Fazit:
Ein abgedrehtes Buch mit Höhen und Tiefen, positiven und negativen Aspekten.
Obwohl es mir manchmal etwas brutal zuging und trotz meiner anfänglichen Schwierigkeiten, haben mir besonders sein der Humor und seine Unvorhersehbarkeit gut gefallen. Es ist definitiv kein sonderlich anspruchsvolles Lesevergnügen, aber ein unterhaltsames, wenn man sich auf die Geschichte einlässt.