Leser-Rezension zu „Reise im Mondlicht” von Antal Szerb
am 5.10.2009
Antal Szerb erzählt in seinem Roman "Reise im Mondlicht" anhand der Hauptfigur,ein jugendhafter Bohemien, wie belastend es ist, und ebenso wichtig, uns selbst zu finden.
Michály hofft durch die Heirat mit Erzsi, die das gutbürgerliche Mädchen verkörpert, seine bohème Vergangenheit endgültig zu versiegeln. Doch dieser Versuch scheitert schon bei der Hochzeitsreise durch Italien, als er einen Jugendfreund trifft. Alte Wunden werden geöffnet und die Sehnsucht nach seiner Jugend wird größer, die er nicht mehr imstande ist zu unterdrücken. In Phantasien schwelgend, ist es nicht verwunderlich, dass er seine Frau auf der Weiterreise auf einem kleinen Bahnhof aus den Augen verliert. Aus einer seelischen Distanz wird nun auch eine geographische, was Michály als ein Ende ihrer Ehe deutet. So beginnt für ihn eine lange Selbstfindungsreise, die an die Identitätkrise seiner Jugend anknüpft. Diese drückt sich in vielen Facetten aus, die von glückseligen Momenten zu panischer Angst, Schwindel und Todessehnsucht reichen. Ein Suchender nach dem Zauber und Liebe seiner Jugend: Evá.
Erzsi dagegen hatte gehofft das bürgerliche Leben,dass sie an der Seite ihres schwerreichen Mannes mal geführt hatte, mit Michály zu beenden. Das Verbotene hat sie gelockt, doch schnell muss sie erkennen, dass dieser Wunsch an der Seite von Michály nicht zu verwirklichen ist. Nach dieser schicksalhaften Wendung am Bahnhof, reist sie nach Paris und stürzt sich dort in eine Illusion aus dekadentem Leben. Doch beide müssen am Ende erkennen, dass man vor seinem Schicksal weder fliehen, noch sich verstecken kann.
Es gibt selten Romane, bei denen ich so emotional dabei war. Die Sprache versetzt einen mal in Hochstimmung und dann gibt es wieder ein Tief, dass einen in Unruhe versetzt. Dieses Auf und Ab, lässt sich mit der hügeligen Landschaft Umbriens vergleichen. Der Zauber, der diesen Roman umgibt, liegt zum einen an dieser Reise durch das archaische Italien, die Reise zu sich selbst, an dem symbolischen und geschichtlichen Gehalt, das in einem leichten und prägnantem Schreibstil verpackt ist.

