Leser-Rezension zu „Reise im Mondlicht” von Antal Szerb
am 21.02.2011
"Reise im Mondlicht" ist eine Rosine.
Was ich damit meine? Diese Erzählung des ungarischen Autorin Antal Szerb ist so wunderschön melodiös, stilvoll, nachdenklich-machend, dass ich mich gar nicht traue dieses Werk allen zu empfehlen.
Dieses Werk ist eine Reise. Nicht nur durch Italien, nicht nur durch Frankreich, es ist auch eine Reise in die eigene Gedankenwelt, in die eigenen Empfindungen und Todeswünsche. Der Protagonist wünscht sich den Tod, zuerst nur unterschwellig, dann symbolisch, dann verkörpert durch seinen Jugendfreund Tamas. Er ist auf der Suche, dieser Michaely; auf der Suche nach Liebe, nach der inneren Ruhe, nach dem Tod. Dies ist nicht nur eine Liebesgeschichte, eine gescheiterte im Endeffekt, sondern auch ein Roman über die Suche nach dem Zustand des Glücklichseins, den der Protagonist nicht erreicht bzw. erreichen kann.
Es geht aber nicht nur um gut verpackte, philosophische Gedankengänge über den Tod (bei den Etruskern oder in der griechischen Mythologie), sondern auch um das Leben - um das Leben einfacher Leute in Italien. Antal Szerb beschreibt melodiös, also sehr ruhig und mit viel Liebe zum Detail die italienische Landschaft, die Dörfer, die dort lebenden sehr einfach gestrickten Menschen. Wenn er z.B. Gubbio beschreibt, sind seine Vergleiche immer treffsicher und vor allem immer verbunden mit etwas Interessantem über diesen Ort; er schreibt u.a., dass der Legende nach in Gubbio einmal ein fresssüchtiger Wolf umging, Schafe und beinahe Menschen riss, und Fran von Assisi hatte sich aufgemacht diesem Wolf einen Handel vorzuschlagen - Der Wolf würde von den Bürgern verpflegt werden und dafür lasse er sie in Ruhe. Der Wolf geht auf den Handel ein. Passend dazu fügt Antal Szerb ein, dass man "heute noch im dunklen Mondlicht den Wolf sehe, wie er durch die Stadt laufe mit einem Körbchen um den Hals".
Das Wissen um Legenden, Anekdoten oder mythologische Besonderheiten werden aber so filigran eingebaut, nicht aufdrängend oder belehrend, sondern so, dass man ein ganz differenziertes Bild aufbaut von Italien und dessen Landschaft.
Dieser Roman hat viele Aspekte und es entspricht nicht meinem Wunsch alles aufzuzählen, weil jeder in diesem Roman etwas für sich finden kann. Egal, ob dies Landschaftsbeschreibungen, das Todesthema, der feine Witz und die Ironie oder aber die melodiöse, wunderschöne Sprache ist.
Mich haben all diese Punkte begeistert; dieser Roman ist weder zu lang, noch zu kurz, aber dennoch denke ich wehmütig an die letzte Seite zurück und frage mich, warum ich "diese Welt" wieder verlassen musste...
Der Roman ist eine Rosine. Einfach ein wirklich schönes, einmaliges Leseerlebnis.

