Inhalt
Sein erster Fall beim Sonderkommando der Kripo Stockholm stellt Paul Hjelm vor eine schier unlösbare Aufgabe: Drei schwedische Geschäftsleute sind auf dieselbe kaltblütige Weise hingerichtet worden - mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe. Erste Spuren zu einer Geheimloge wie auch zur russischen Mafia erweisen sich als Sackgasse. Wäre da nicht seine attraktive Kollegin Kerstin, hätte Paul Hjelm längst das Handtuch geworfen. Doch dann die heiße Spur: ein Jazzstück mit dem Titel "Misterioso" .
Meine Bewertung:
Mir wurde diese Krimireihe des schwedischen Autors sehr ans Herz gelegt, mit den Worten, dass es aber nicht ganz einfach zu lesen wäre. Diese Aussage kann ich nach meiner Lektüre absolut bestätigen. "Misterioso" ist auf keinen Fall ein 0815-Krimi, der innerhalb weniger Stunden verschlungen ist.
Dies ist einerseits auf die teilweise breit und umfangreich geschilderte Handlung zurückzuführen. Sämtliche Ermittlungsrichtungen werden für den Leser nachvollziehbar beschrieben und so bekommt man auch einen Eindruck davon, wie langwierig Polizeiarbeit sein kann. Es wird definitiv ein realistischeres Bild davon gezeichnet, als dies bei der Masse an Krimis der Fall ist. Andererseits legt Dahl auch großen Wert auf eine vielschichtige Darstellung beteiligter Ermittlungsbeamter des Sonderkommandos, einschließlich der Hauptfigur Paul Hjelm. Dabei schafft der Autor nicht nur oberflächliche Charaktere, sondern gibt seinen Lesern die Chance, hinter die Masken zu blicken. Es zeichnet sich ein scharfes Bild einer bunt zusammengewürfelten Gruppe an Ermittlern, die alle Tiefs im Leben durchgemacht haben, oder zum Zeitpunkt der Geschichte durchstehen, aber trotzdem oder genau deswegen so wertvoll für das Lösen der Fälle sind: jeder auf seine Weise und unentbehrlich. Der Zusammenhang zwischen subjektiver Wahrnehmung und deren Konsequenzen ist mir in keinem Thriller zuvor so aufgefallen, wie bei diesem Buch, besonders im Bezug auf den Täter. In der Soziologie ist das sogenannte Thomas-Theorem sehr bekannt, was besagt: "Wenn die Menschen Situationen als wirklich definieren, sind sie in ihren Konsequenzen wirklich". Ich meine, das hat Dahl bei seiner Täterkonstruktion absolut fabelhaft getroffen. Er erscheint mir als sehr scharfsinniger Beobachter.
Abstriche kann ich nur dahingehend machen, dass vom groben Strickmuster der Lösung eines Kriminalfalles kaum abgewichen wird. So ähnelt das Finale dem, was bereits aus anderen Fällen bekannt ist. Trotzdem schaffte es Dahl, dass die Identität des Täters für mich bis zur Aufklärung im Geheimen blieb. So gesehen, ist das wirklich ein Abstrich, mit dem ich leben kann.
Insgesamt weben sich alle - noch so unwichtig erscheinenden - dünnen Fäden im Buch am Ende zu einem richtigen Strick zusammen. Das ist für mich eine sehr hochgeschätzte Erkenntnis.
Mein Fazit:
Arne Dahl schafft mit seinem ersten Band eine solide Grundlage für die weiter folgenden Fälle. Feinsinnig beschreibt er Situationen, Gefühle, Beziehungen und Dinge, wie man es kaum besser könnte. Und so findet sich auch sehr viel Wortwitz und Ironie in seinem Text, was man oft erst beim zweiten oder dritten Blick entdeckt. Sein Ermittlerteam konturiert er sehr tiefgründig und wenn man vielleicht vom Fall an sich ein paar Abstriche machen muss, lernt man doch Menschen kennen, die man im wahren Leben sehr schätzen würde.