Leser-Rezension zu „Der alte König in seinem Exil” von Arno Geiger
am 30.01.2012
Über das 2011 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierte neueste Werk von Arno Geiger ist inhaltlich nicht allzuviel zu sagen. Arno Geiger beschreibt liebevoll beobachtend die Krankheit seines Vaters: Demenz.
Offen bekennt er, dass die Familie erst viel zu spät das Verhalten des Vaters als Krankheit versteht. Er soll sich zusammen reißen, meinen die Kinder und sich nicht so hängen lassen. Der Vater entzieht sich kritischen Situationen, die er schon lange nicht mehr beherrscht, in denen er sich nicht mehr sicher fühlt.
Er überlässt die Gartenarbeit den Kindern und weicht zunehmend personellen Fragen aus. Seine Mutter ist längst tot, doch August Geiger erkundigt sich immer wieder nach ihrem Befinden. Und Arno und seine Geschwister müssen lernen: die Wahrheit ist nicht immer das Beste für einen dementen Menschen. Alles, was ihn beruhigt, läßt das Leben mit ihm leichter werden - Aufregung nützt keinem.
Arno Geiger wollte seinem Vater kein Denkmal setzen, er wollte das Buch veröffentlichen, bevor sein Vater stirbt. Die Krankheit begleitet ihn bereits seit über einem Jahrzehnt, zeitweilig sogar mit Hoffnung auf Besserung. Letztendlich wird August dann doch in ein Pflegeheim gegeben, weil keine der ungelernten Pflegerinnen mehr Herr wird über die unberechenbaren Auswirkungen der Demenz.
Aber die Krankheit beherrscht nicht dieses Buch, sie ist vielmehr Anlass, die Geschichte seiner Eltern zu reflektieren, die sich trennten, bevor der Vater nach und nach sein Gedächtnis verliert.
Bei all der Tragik ist "Der alte König in seinem Exil" kein trauriges Buch. Geiger erzählt die Geschichte vielmehr mit einem Schmunzeln, den die Situationskomik im Alltag manchmal mit sich bringt. Liebevoll sind die Personen geschildert, voll Achtung und Ehrfurcht vor dem gelebten Leben.
In jedem Fall lesenswert.

