Leser-Rezension zu „Der Trakt” von Arno Strobel

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Mr. Rail Mr. Rail
Verfasst von Mr. Rail
am 31.05.2010
 

Manchmal lernt man Autoren und deren Bücher eher zufällig kennen. Die LovelyBooks-Redaktion veranstaltete eine Livestream-Lesung mit Arno Strobel, der aus seinem Psychothriller „Der Trakt“ rezitieren und über sein Leben als Schriftsteller sprechen sollte. Da ich nicht gänzlich unvorbereitet zu einer solchen Lesung gehe, habe ich vorher die „Buchhändler meines Vertrauens“ aufgesucht und geschaut, ob ich den mir bis dahin völlig unbekannten Roman schon erwerben kann.

Und ja – ich konnte! Stapelweise lagen die Exemplare am Verkaufstag aus, flankiert von der gleichzeitig erschienen Audiofassung. Poster und Transparente wiesen auf die Neuerscheinung hin. Seltsam, dachte ich - es machte den Eindruck als handele es sich hier nicht um den Start eines literarischen Newcomers. Es schien wirklich viel mehr dahinter zu stecken.

Während einer längeren Autofahrt begann ich also voller Vorfreude auf die Lesung, das Buch zu „hören“. Gelesen von Tanja Geke bekam ich schnell eine Gänsehaut, auf der einen Seite bedingt durch den Sog der Geschichte, andererseits durch die prägnante und hervorragend modulierte Art des Vortrages. Mehr als lebendig - mehr als genau auf den Punkt - beste Qualität.

Am Ende der Fahrt war ich begeistert und gefangen von einer unverbrauchten Geschichte und dem Erzählstil eines Autors der wahrlich etwas zu erzählen hat und sich dabei nicht scheut, in die Erzählperspektive einer Frau zu schlüpfen. Das Besondere für mich jedoch war jedoch die Begeisterung meines Mitfahrers, meines 16jährigen Sohnes (Wenigleser, da schulisch belastet mit Pflichtlektüre und oft ablehnend gegenüber der buchigen Leidenschaft des „alten Herrn“), der sich plötzlich mit mir über die Handlung des Romans unterhalten wollte und wilde Spekulationen über den Fortgang anstellte. Das hatte ich so mit ihm noch nicht erlebt.

Der Trakt

Sibylle Aurich erwacht in den Räumen eines Klinik, erlangt langsam das Bewusstsein wieder, kann sich jedoch spontan nicht an die Ursache erinnern, die für ihren mit Monitoren verkabelten Intensivzustand verantwortlich ist. Nur langsam kehrt die Erinnerung an ihren letzten Weg durch einen dunklen Park zurück, aber sie weiß nicht mehr, warum dieser Weg in der Klinik endete und wie lange sie bereits dort lag. Über ihr Leben jedoch weiß sie alles und eines weiß sie mit allergrößter Sicherheit. Sie sorgt sich enorm um ihren Sohn und fragt sich, wie es ihm geht, ob er auch in einen Unfall verwickelt war, oder ob alles in Ordnung ist.

Bereits das erste Gespräch mit dem behandelnden Arzt wirft ihr Leben vollends aus der Bahn. Er erklärt ihr, dass sie schon seit zwei Monaten im Koma gelegen habe und betont dann sehr schonungsvoll, dass sie sich nicht um ihren Sohn sorgen müsse, da sie definitiv kein Kind habe.

Kein Kind? Keinen Sohn? Lukas - ein Hirngespinst? Alle Muttergefühle, Erinnerungen und Bilder nur Einbildung? Es bleibt ihr kein Weg, als aus der Klinik, deren Gänge sie eher an einen Trakt erinnern, zu fliehen und bei ihrem Mann Zuflucht zu suchen. Ihr letzter Ausweg aus der Krise.

Seine Reaktion auf ihr plötzliches Erscheinen bringt ihre auf den Fugen geratene Welt jedoch vollends zum Einsturz. Er erkennt sie nicht, hält ihr Auftauchen für einen bösen Scherz, da seine richtige Frau seit Monaten spurlos verschwunden sei und das Gerede von einem gemeinsamen Sohn kann er schon gar nicht ertragen, da es diesen Lukas nie gegeben habe.

An dieser Stelle des Romans beginnt die verhängnisvolle Jagd nach der eigenen Identität, nach der gelebten Erinnerung oder dem was wir für Erinnerung halten. Im Taumel der Ereignisse erkennt die suchende Mutter, dass nichts ist wie es scheint und nichts so scheint wie es je gewesen ist.

Sibylle lebt in der komplexen Erinnerung als Ehefrau und Mutter, aber es scheint als leide die Welt unter totaler „Sibylle Aurich Amnesie“.

Bei der Lesung im Gartenhaus lernte ich dann einen mehr als sympathischen Autor kennen, der in ungewohnter Bescheidenheit einen starken Roman vorgelegt hat. Stolz konnte man in seinen Augen lesen und viele Ideen für die Zukunft. Aber auch das Gefühl der Dankbarkeit, mit diesem Buch das Glück gehabt zu haben einen Verlag an der Seite zu wissen, der sich in jeder Beziehung vor, hinter und neben seinen Autor stellt.

„Für Marc“, schrieb Arno Strobel in mein Buch. Mein Sohn hat sich mehr als gefreut und es in den Ferien zu Ende gelesen und gehört. Die Story hat ihn beschäftigt und das Thema ist immer mal wieder existent. Das „Trakt“ - Gedankenspiel und die Konsequenzen dieser Vision sind beklemmend und faszinierend zugleich. Ich frage ihn dann immer im Spaß: „Hat es dich eigentlich jemals gegeben?“ und wir schmunzeln. Aber wir schmunzeln nachdenklich.

Zwei mal fünf Sterne von den Rails - sind das dann 10?

Wir denken schon.

****

Das Interview mit Arno Strobel für den Blog.Lovelybooks findet ihr unter folgendem Link:

http://blog.lovelybooks.de/2010/06/17/zustand-nach-livestream-arno-strobel-der-trakt-im-gesprach/

 

Kommentare zu dieser Rezension

Natas vor 1 Jahr

10 Punkte sind eine Hausnummer. Aber im Ernst, mir hat die Lesung gefallen und ich werde mir das Buch wohl doch kaufen müssen. Ich lese hier einfach keine Rezension mehr. Wird langsam zu teuer;-))


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Der Trakt Der Trakt
Arno Strobel

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Der Trakt
von Arno Strobel

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