ein tolles Leseerlebnis
Astrid Fritz hat auch in ihrem neuen Roman"Die Bettelprophetin" Geschichte lebendig gemacht. Auf der Grundlage von verbürgten historischen Fakten, hat sie Kraft ihrer Fantasie eine Geschichte geschrieben, die dem Leser das Leben der Oberschwaben am Anfang der industiellen Revolution lebendig macht.Die Atmosphäre und der Zeitgeist dieser Epoche wird dem Leser gut nachvollziehbar vor Augen geführt, anhand der Geschichte der Theres Ludwig.
Theres Ludwig wird als Tochter einer Vagabundin 1825 auf den Straßen Oberschwabens geboren. Sie wird der Mutter entrissen und erlebt eine freudlose Kindheit in einer Pflegefamilie und später im Waisenhaus Weingarten.Ihre Jugend ist geprägt von Elend, Armut und Lieblosigkeit.Auch ihre harte Arbeit als Dienstmagd bei verschiedenen Arbeitgebern verbessert ihre Situation nicht.Immerwieder erschüttern Schicksalsschläge ihr Leben, sodass das sensible Mädchen fast ihren Glauben verliert. Krank an Körper und Geist, erlebt sie einen Zusammenbruch und wird von einem ihr aus der Jugend bekannten Pfarrer aufgenommen, der einen Exorzismus an ihr durchführt. Danach wird sie von Visionen und Marienerscheinungen heimgesucht und von den tiefgläubigen Oberschwaben als die" Prophetin von Weissenau"gefeiert.Zusammen mit dem Priester Patiz Seibold gründen sie die Glaubensgemeinschaft der "Theresianer", die den tiefgläubigen Menschen dieses Landstriches, denen die Staatskirche mit ihrem bigotten Verhalten fremd bleibt,Mut und Vertrauen in die Zukunft gibt.
Frau Fritz hat mich mit ihrem Buch "Die Bettelprophetin" von Anfang an gefangen genommen.
Sehr anschaulich und nachvollziehbar erzählt sie die erschütternde Lebensgeschichte der Theres Ludwig.Die Zustände in den Waisenhäusern dieser Zeit und die Situation der einfachen Bevölkerung dieses Landstriches wird erlebbar geschildert und haben mich so manches Mal dankbar werden lassen, für die Zeit in der wir leben. Die Anfänge der industriellen Revolution in Deutschland werden lebendig.Fabriken entstehen, Eisenbahnen werden als neue Errungenschaften des Fortschritts gefeiert,doch die Vorteile dieser Zeit bleiben nur einer kleinen Gruppe von Menschen vorbehalten. Der Unterschied zwischen Arm und Reich könnte nicht sichtbarer sein.Der Großteil der Bevölkerung hungert, lebt auf der Straße oder in Armenhäusern, verdammt ein freudloses Leben zu führen. Auf der anderen Seite, die Gewinner dieser Zeit, die statt Gott, den schnöden Mammon "Geld" vergöttern und Wert darauf legen, die Klassenunterschiede bestehen zu lassen, da sie ihren Reichtum diesem Zustand mit zu verdanken haben. Der Widerstand der Bevölkerung ist spürbar.
Dass der Glaube, gerade in Krisenzeiten immer wieder eine Wiederbelebung erfährt, ist nichts Neues. Hier wird aber deutlich, dass nur das Vorleben des Glaubens die Entscheidung bringt. Die staatlich reglementierte Kirche kann den Leuten in diesen Zeiten keinen Trost bringen, da ihr Verhalten nicht von Nächstenliebe und menschenwürdigem Verhalten geprägt ist. Da ist es nicht weiter verwunderlich,dass Gemeinschaften, die diesen Rahmen bieten,Zulauf haben.
Ob es nun Visionen dieser Art oder Marienerscheinungen gibt, mag ich nicht zu beurteilen. Außerdem sollte man die Zeit beachten in der dieses stattfand. Man glaubte noch an die Existenz des Teufels und manch ein Leben mag einem auch wie der Vorhof der Hölle vorgekommen sein,doch entscheidend ist glaube ich, dass diese Glaubensgemeinschaft ,die" Theresianer", den Menschen in diesen Zeiten geholfen hat, durch ihre Solidarität und den festen Glauben an ein besseres Leben und Gott sei Dank gab und gibt es in allen Zeiten Leute, die für ihre Überzeugung leben und dafür sogar Nachteile in Kauf nehmen.Dass Menschen, die gegen den Strom schwimmen Widerstand bei der Obrigkeit hervorrufen, ist durch die Geschichte belegt, aber nur so sind Veränderungen durchgesetzt worden, die zu einem besseren Leben geführt. haben.
Für mich war dieses Buch ein tolles Leseerlebnis , das viel zu schnell vorbei war.