Leser-Rezension zu „Die Zwillinge von Highgate” von Audrey Niffenegger
am 6.07.2010
Was passiert wenn man stirbt? Verschwindet man einfach so oder besteht die Möglichkeit zu denen die man liebt zurückzukehren? Nachdem Elspeth an Krebs gestorben ist, kehrt ihre Seele zurück in ihre Wohnung in London, die sie ihren Nichten Valentina und Julia vererbt hat. Die beiden eineiigen Zwillinge üben sich zum ersten Mal in Selbstständigkeit. Valentina ist eher schüchtern, kränklich und zurückhaltend, wohingegen Julias Naturell robust, ungeduldig und herrisch ist. Und während Elspeth herauszufinden sucht, wie sie mit den Lebenden kommunizieren kann, wird immer deutlicher, dass Valentina die Zwillingsbeziehung zu eng wird und sie ein eigenständiges Leben führen will. Nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung ist der Geschichtsdoktorand Robert, der früher Elspeth Nachbar und Geliebter war und sich jetzt in die schüchterne Valentina verliebt hat. Als es der Verstorbenen endlich gelingt Kontakt mit ihren Liebsten aufzunehmen, kommt Valentina auf eine gefährliche Idee, wie sie sich von Julia lösen kann, nur bedarf es dazu der Hilfe des Geistes und ihres neuen Freundes Robert. Doch bei diesem Plan hat niemand mit Elspeth Sehnsucht nach dem Leben gerechnet und so kommt es anders als gedacht.
Eine nette übernatürliche Story aus der Feder von Audrey Niffenegger, eingebunden in die wundervolle Atmosphäre und malerische Kulisse des Highgate Friedhofs. Am Anfang war ich begeistert von der Geschichte. Die Figuren waren wirklich originell und trotz ihrer Fehler liebenswert. Dazu kam die richtige melancholische Stimmung, durch die Beschreibung des berühmten Friedhofs. Aber der zweite Teil hat mich eher enttäuscht. Die Akteure handelten plötzlich völlig übertrieben und vor allem Valentinas Plan Abstand zu ihrer Schwester zu schaffen fand ich abstrus. Ein Auszug aus der gemeinsamen Wohnung hätte es auch getan. Das Ende war auch eher unbefriedigend, kann aber auch einfach daran liegen, dass ich offene Enden irgendwie nicht so prickelnd finde. Den einzigen dem ich die ganzen 460 Seiten lang, Sympathie entgegenbrachte, war die Nebenfigur Martin, der seine Zwangsstörung bekämpft, um seine Frau Mareijke zurückzugewinnen.
Mit diesem Roman konnte Frau Niffenegger mich einfach nicht überzeugen, mich in ihren Fanclub einzureihen. Ich werde mich aber dennoch an ihren Bestseller die Frau des Zeitreisenden wagen.

