Leser-Rezension zu „Trocken!” von Augusten Burroughs
am 4.10.2007
Augusten Burroughs ist 24 Jahre alt, homosexuell und ein erfolgreicher Werbetexter, dessen bilderbuchhafte Karriere mit einem Quereinstieg begonnen hat. Doch sein Leben hat eine dunkle Schattenseite; Augusten hat ein massives Alkoholproblem.
Sein schickes Apartment in Manhattan quillt vor Leergut über, der frühmorgendliche Kater ist mittlerweile zum Alltag geworden und auf der Arbeit machen sich allmählich Aufmerksamkeitsdefizite bemerkbar.
Dass Augusten selbst morgens um zwei Uhr im Vollrausch seine Kunden anruft, um sie zum Telefonsex zu überreden, hat ihm selbst seine Chefin verziehen. Doch als er mit einer akuten Fahne seinen Auftraggebern von Fabergé gegenübertritt und auch noch ein wichtiges Meeting verschläft steht für seine Vorgesetzten als auch für sein "Kreativteam" fest, dass es so nicht weitergehen kann.
Augusten muss sich entscheiden, ob er eine dreißigtägige Entziehungskur einer Kündigung vorzieht. Da er ohnehin von einer entsprechenden Institution für Schwule und Lesben gehört hat, entschließt er sich für die Abstinenz und reist nach Minnesota um seinem versoffenen Leben ein Ende zu bereiten und ganz neu und vor allem "trocken" zu beginnen.
Obwohl die ersten Tage eher seltsam als hilfreich verlaufen und Augusten kurz vor der Flucht aus der Klinik steht wendet sich schließlich das Blatt. Er lernt nicht nur neue Menschen kennen, sondern macht auch positive Erfahrungen im Bereich des Nüchternseins.
Doch wird Augusten es schaffen und trocken bleiben? Greift er zur Flasche, als sein bester Freund Pighead, der HIV-positiv erkrankt ist droht, das Leben hinter sich zu lassen? Tagtäglich wird Augusten mit dem Problem "Alkohol" konfrontiert. Und tagtäglich gibt es neue Situationen, die ihn nicht nur zur Weißglut treiben, sondern drohen, den Frust im Alkohol ersticken zu wollen...
"Die Geschichte ist wirklich nicht zum Lachen, aber Burroughs zeigt wieder seine ganze Meisterschaft darin, Komödie und Katastrophe zu vereinen."
New York Times
Augusten Burroughs gelingt es mit "Trocken" eine emotional und amüsante Erzählung seiner Vergangenheit als tragische Komödie zu verpacken. Neben einschlägig lustigen Dialogen und ernsten, alltäglichen Problemen für einen trockenen Alkoholiker bleibt die Handlung jedoch teilweise auf der Strecke. Obwohl sich "Trocken" hervorragend lesen lässt, ist die biografische Darstellung der Abstinenz nichts weiter als Unterhaltungslektüre, die sich mit zeitgenössischen Dramen nicht messen lassen kann.
Was das deutsche Publikum nicht gerade erfreuen dürfte, ist, dass Burroughs seine Geschichte mit klischeehaftem Hass auf die Europäer untermauert, da für ihn jeder Deutsche ein "Nazi" ist, der mit Lederhosen bekleidet Sauerkraut in sich hineinstopft, während er stolz auf seine Vergangenheit ist. Leider ein tiefer Einschnitt auf der Richterskala, wo zu Recht ein dickes Minus den sonst so unterhaltsamen, wenn auch nicht gerade durchaus spannenden Plot in den Schatten stellen dürfte. Sind denn die Amerikaner immer noch nicht aufgeklärt?
Weiterhin sollte sich die männliche Leserschaft darauf einstellen, dass hier mehr als selten intensiv und detailliert auf die Homosexualität eingegangen wird, was sicher nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte. Trotzdem werden diese Passagen süffisant erzählt und dürften auch so Manchem ein Lächeln abgewinnen.
© by Daniel Biester | Literaturreport.com

