Leser-Rezension zu „Trocken!” von Augusten Burroughs
am 28.04.2010
KURZ GESAGT:
Voll krass, einfach voll krass. Oder warte, nicht dass ich da was durcheinanderbringe; eigentlich ist das ja der Titel von Burroughs erstem Buch: "Krass!", das ich mir demnächst auch noch zu Gemüte führen werde. Da ich mich mit "Trocken!" schlapp gelacht habe, erwarte ich mit dem anderen nämlich unterm Tisch zu liegen. Und von so unterm Tisch hat man ja bekanntermaßen eine ganz besondere Perspektive.
Eine ganz besondere Perspektive, das kann auch "Trocken!" vorweisen. Die Perspektive des schwulen Alkoholikers, der bisher werbegetextet hat, sich auf einmal mit seiner Sucht auseinandersetzen muss und das zum Schießen komisch dokumentiert – das ist schon einigermaßen ausgefallen. Skandinavienkrimis mit abgehalfterten Bullen lese ich ja deshalb nicht mehr, weil 80 Prozent dieser Kommissare depressive Alkoholiker sind. Wer selber einen Hang zur Melancholie hat so wie ich (ja, ich weiß, meinen Rezis merkt man das nicht unbedingt an), ist gut beraten, sich nicht zu sehr in solche Szenarien reinziehen zu lassen.
Sich in "Trocken!" reinziehen zu lassen, ist hingegen nicht nur ungefährlich. Es ist sogar ratsam. Dieses Buch bietet, immer spannend, sensible Einsichten ins Elend, lupft einen aber gleich wieder mit einem kleinen Witz aus dem Sumpf – da ist es unmöglich, unterzugehen.
Dass Burroughs nicht untergegangen ist, ist wunderbar, und wunderbar ist es auch, seinen speziellen Weg aus dem Sumpf zu verfolgen. Darum empfiehlt die Buchprüferin: Unabhängig vom Alkoholpegel unbedingt lesen!

