Leser-Rezension zu „Lost in History - Gegenwart” von Axel Westerwelle
am 2.09.2010
Erst einmal vielen Dank an Axel Westerwelle, der mir diesen Roman hat zukommen lassen. Gerade das macht es jetzt ein wenig schwer für mich, denn leider werde ich mich nicht sehr lobend zu diesem ersten Teil der Trilogie äußern können, der wohl auch noch ein vierter und ein fünfter Teil folgen soll.
Es tut mir wirklich leid, aber dieser Roman konnte mich überhaupt nicht fesseln. Wenn man mal von den vielen formalen Fehlern absieht, so bleibt am Ende immer noch eine Geschichte, die nicht zu faszinieren vermag und ein Schreibstil, der einfach viel zu hölzern und schmucklos ist.
Ich beginne mal mit den formalen Fehlern: es fehlen Apostrophe bei Auslassungen, häufig wird kein Unterschied gemacht zwischen Gedanken- und Bindestrichen, ich habe eine Menge Flüchtigkeitsfehler entdeckt, die im Schlusskorrektorat eigentlich hätten gefunden werden müssen und an vielen Stellen gibt es schlichtweg Tempifehler. Ich bin leider kein Leser, für den das alles Kleinigkeiten sind, die man getrost überlesen kann. Nein, sie schmälern meinen Lesegenuss und müssen einfach nicht sein.
Hinzu kommt, wie oben schon kurz erwähnt, ein Schreibstil, der nüchtern und ohne viel Charme daherkommt. Da merkt man Westerwelle einfach den Autor mehrerer Fachbücher an, zu einem guten Geschichtenerzähler ist es schriftstellerisch noch ein weiter Weg.
An mehreren Passagen hält der Autor sich viel zu lange mit unnötigen Details auf. Zum Beispiel ist ein Gespräch zwischen der Frau des Protagonisten und ihrer besten Freundin definitiv zu lang geraten, seitenlang drehen die beiden Damen sich im Kreis und der Leser muss unweigerlich mitschwimmen in diesem Strudel aus Unwichtigkeiten.
Inhaltlich hatte ich eine schöne Geschichte zum Thema Zeitreisen erwartet. Ziel des Autors war es, eine Geschichte zu schreiben, die sich von anderen Romanen und Erzählungen zu diesem Thema in einem entscheidenden Punkt abhebt: er wollte eine Erklärung für dieses Phänomen liefern und keinen Protagonisten haben, der unerwartet und vollkommen unmotiviert in der Zeit reist. Also hat Westerwelle mit seiner Hauptfigur Christoph Steiner einen Helden geschaffen, der im Jahre 2009 all seine Energie darauf verwendet herauszufinden, ob es uns möglich ist in der Zeit zu reisen. Und wie löst Westerwelle das Problem der Erklärung? Ganz einfach: außerirdische Kräfte sollen der Schlüssel sein zu einer Reise in der Zeit. Da bin ich mir nicht wirklich sicher, ob mir eine Geschichte ohne Erklärung nicht doch lieber gewesen wäre. Und so musste ich mich seitenlang durch Beschreibungen diverser Sichtungen außerirdischer Lebensformen wühlen, gefolgt von endlos erscheinenden Experimenten mit binären Codes.
Und als ob das alles nicht schon genug wäre, schafft der Autor es auch noch, die reale Internetadresse seines Arbeitgebers samt Geschäftsidee in seinem Roman unterzubringen - kreativ nenne ich das nicht, eher ziemlich dreist, zumal die Adresse seines Verlages auch noch identisch ist mit seiner Geschäftsadresse, aber das nur am Rande.
Nein, also für mich war dieser Roman kein Lesegenuss und an den weiteren Bänden dieses Mehrteilers werde ich mich nicht versuchen. Auch wenn gerade in den folgenden Bänden der besondere Reiz einer Zeitreisegeschichte und ihr individueller Charme am größten sein dürfte - Christoph findet sich ja im frühen 19. Jahrhundert wieder -, so hat mich der Teil mit der außerirdischen Energie im hohen Bogen aus der Zielgruppe katapultiert.
Der Fairness halber sei aber noch gesagt, dass der Roman es auf die Hotlist 2010 geschafft hat. Er ist eines von sieben Büchern aus unabhängigen Verlagen, die es durch das Publikumsvoting - Klicks im Internet - auf die 15 Werke umfassende Liste geschafft haben. Die anderen acht Bücher wurden von einer Hotlist-Vorjury gewählt. Den Sieger wird eine von BuchMarkt berufene Jury küren, das Preisgeld stiftet die Mayersche Buchhandlung.
Kommentare zu dieser Rezension
Ailis vor 1 Jahr
@Axel: Bei Amazon ist es so, dass Du Sterne vergeben musst, wenn Du eine Rezension veröffentlichen möchtest, hier bei Lovelybooks nicht. :)
Gelöschter Benutzer vor 1 Jahr
Hmh, ich hab als erstes geschrieben, dass ich der Autor bin und an einem Austausch mit dem Leser interessiert bin. Ok, bei den Punkten habe ich nicht nachgedacht - Eigenlob stinkt, war aber ganz anders gemeint, da ich m.W. eine Punktzahl vergeben muss. Egal, ich freue mich immer über konstruktive Kritik.
streuner vor 1 Jahr
Danke für die ausführliche und hilfreiche Rezension. Ich war auch schon sehr verwundert, dass ein Autor es für nötig hält, zu seinen eigenen Büchern Rezensionen zu schreiben und sie mit 5 Sternen zu küren. Allein aus diesem Grund hätte ich schon keines davon lesen wollen.



