Rezension verfasst vor 4 Jahren
(12)
Na, was haben wir denn da? Ein Buch, das mir sagt; „Sei faul!“ Sehr schön. So ein Buch kann gar nicht schlecht sein. Oder? Zuerst einmal habe ich es missverstanden. Ich dachte, das sei ein lustiges Buch. Aber dieses Buch will ernst genommen werden. Es ist gar nicht witzig. Frau Berckhan ist eine seriöse Sachbuchautorin. Sie hat schon einiges zum Thema Lebenshilfe verfasst. Und nun also diesen „Reiseführer in die Mühelosigkeit“. Toll, das will ich ausprobieren. Ständig stehen wir unter Stress und Druck und manchmal – aber nur manchmal – da könnten wir alles und jeden über den Haufen schießen. Also ich jedenfalls kenne das Gefühl.
Frau Berckhan nun gibt uns Lesern den Rat: „Hören Sie auf, sich anzustrengen!“ Das fängt beim alltäglichen Kleinkram an. Den gibt es überall um uns und am liebsten nistet er sich in unseren Köpfen ein. Am besten ist, nicht auf zu vielen Hochzeiten zu tanzen: Kinder, Beruf, Ehepartner, Haus mit Garten, Wohnwagen mit Dauercampingplatz, etc. Das ist gut, da werfe ich doch als erstes gleich mal die nervigen Kinder und den öden Job über Bord. Beim Ehepartner überlege ich noch etwas, aber auf jeden Fall will ich das Haus mit Garten behalten. Da kann ich gut dem Müßiggang frönen. Ich stelle einen Gärtner an (den zahlt sicher das Sozialamt, die zahlen doch eh alles) und lasse es mir gut gehen. Endlich stört mich kein Kindergeschrei mehr und der schrille Wecker schweigt auch, da ich ja nicht mehr arbeite.
Was kann ich noch tun? Falls ich doch meinen Job behalten muss, dann soll ich lernen „Nein“ zu sagen: „Tja, wenn es niemand erledigen will, dann bleibt es wohl liegen. Schade, aber da kann man nichts machen.“ Da wird sich meine Chefin aber freuen, wenn wir alle ständig so etwas zu ihr sagen...
Natürlich soll ich bei allen Arbeiten, die so anfallen auch noch Spaß haben. Wenn mir das als wichtigtuerischem Erwachsenen nicht gelingt, dann soll ich einfach an meine Kindheit denken und als Pirat, Robin Hood oder Balu der Bär durch die Gegend springen. Meinen Müll versenke ich mit piratenmäßigem „Ahrr, ahrr“ in der Tonne! Hurra, und anschließend werde ich von den netten Männern in den weißen Jacken abgeholt.
Ruhe und Erholung brauche ich selbstverständlich auch. Wenn ich ständig betrunken bin, nicht mehr schlafen kann, mich alles nur noch nervt und ich mit dem Auto falsch abbiege, weil ich darüber nachdenke, wo meine Kreditkarte ist, dann ist es soweit, dann muss ich mich ausruhen. Ach was? Nichtstun gehört in den Terminkalender! Ich soll genießen ohne Schuldgefühle. Auf dem Sofa liegen und Luxuspralinen naschen oder am Sonntag bis Mittag im Bett bleiben und dann den Rest des Tages im Schlafanzug rumlaufen. Ich konnte das alles mal. Zeit wird’s, dass ich es wieder lerne!
Das Buch ist gar nicht schlecht, nur manchmal hat es etwas seltsame Ratschläge, aber die Autorin sagt selber: „Probieren Sie, was Sie für sich nutzen können und lassen Sie den Rest einfach weg.“ So mach ich’s!
Mehr
Weniger
0 Kommentare