Rezension verfasst vor 1 Jahr
(10)
Man könnte auf den ersten Seiten denken, man habe es hier mit einer starken und für ihre Zeit recht emanzipierten Frau zu tun: Sie ist so, wie sie eben ist, ist klug und lässt sich von keinem was sagen. Nur leider rutscht die Geschichte mehr und mehr in Klischees ab: Zuerst wird ständig darauf hingewiesen, dass Tonina ja nicht wirklich gut aussieht (und daher mit Anfang 20 immer noch unverheiratet und Jungfrau ist…), aber irgendwann verlieben sich jede Menge Männer in sie. Ah ja. Auch die späteren Liebesszenen zwischen Tonina und Chac sind… nun ja, nicht sonderlich originell. Vielleicht schreibt Frau Wood ja im Nebenberuf noch Nackenbeißer?
Ansonsten besteht ein Großteil der Handlung daraus, dass Tonina, Chac und ihre immer größer werdende Gefolgschaft herumziehen, immer mal wieder das Ziel ändert und hier und da irgendwelchen Gefahren begegnet. Irgendwann erfahren beide dann, wer sie wirklich sind usw. Das war mir manchmal ein bisschen zu viel Rumgewandere, zwischendurch hatte ich auch schlicht und einfach den Durchblick verloren, wer jetzt wohin unterwegs ist und wieso.
Identifizieren konnte ich mich mit keinem der Protagonisten, zumal Tonina mal wieder eine von diesen perfekten Menschen ist: Sie ist ja so toll, macht keine Fehler und beherrscht ratzfatz die ihr vorher vollkommen fremde Maya-Sprache. Auch die anderen Charaktere waren eher holzschnittartig und in ein Gut-Böse-Schema eingepresst.
Mich hat trotzdem interessiert, wie das Ganze ausgeht (auch wenn sich die Logik gegen Ende so richtig verabschiedete), und ich würde mal sagen: Dieses Buch hat in etwa den selben Stellenwert wie die abendliche Soap – super, wenn man keine hohen Ansprüche an Logik stellt und auch keine geistreiche Lektüre, sondern einfach nur das Hirn ausschalten will. Alle anderen sollten lieber was anderes lesen.
0 Kommentare