Leser-Rezension zu „Dieses goldene Land” von Barbara Wood
am 14.11.2011
Hannah Conroy, ausgebildete Hebamme, lebt mit ihrem Vater, der Arzt ist, in England des Jahres 1846 in der Grafschaft Kent. Hannah wäre auch gern Ärztin geworden, doch für Frauen ist das unmöglich. Ihre Mutter ist kurz nach Hannahs Geburt verstorben, wie sie glaubt an Kindbettfieber. Seitdem forscht ihr Vater, um Medikamente gegen die Krankheit zu finden. Er entdeckt, dass Jod desinfizierend wirkt.
Als ihr Vater zu Lady Margaret gerufen wird, begleitet Hannah ihn. Bei der jungen Frau haben vorzeitig die Wehen eingesetzt. Der Arzt wäscht seine Hände in Jodwasser, als der Lord erscheint und seinen Hausarzt mitbringt. Dieser ordnet einen Adellass an, an dessen Folgen die junge Frau verstirbt. Man gibt Dr. Conroy die Schuld, der aber in einen Herzanfall erleidet.
Hannah weiß, dass sie in England keine Zukunft hat. Sie verkauft das Haus, nimmt die Instrumente und Aufzeichnungen ihres Vaters mit und schifft sich nach Australien ein…
Die Autorin erzählt die Geschichte einer starken Frau, die trotz aller Widerstände ihren Weg findet. Gleichzeitig malt sie mit Worten wunderschöne Bilder von der Landschaft und der Tierwelt Australiens.
Gegenübergestellt werden die jahrtausendalte Geschichte der Ureinwohner und die Zerstörung ihrer Kultur durch das Gewinnstreben der Einwanderer. Bei der Suche nach Gold und Opalen wird keine Rücksicht auf uralte religiöse Stätten genommen.
Am Beispiel des Naturforschers und Fotografen Neals wird die Wandlung eines Menschen deutlich. Neal, der an nichts glaubt, lässt sich auf die Riten der Eingeborenen ein und macht ganz neue Erfahrungen. Er möchte sich bei den Aborigines dafür bedanken, dass sie ihm das Leben gerettet haben und muss erkennen, dass alle seine Ideen für die Welt der Eingeborenen nichts taugen.
Die Vielfalt der australischen Gesellschaft wird überzeugend dargestellt.
Gut herausgearbeitet sind die Charaktere der Protagonisten. Das trifft nicht nur für Hannah und Neals zu, sondern für fast alle Personen, die eine größere Rolle spielen. Ihre Gedanken, ihre Motive lassen ihr Handeln für mich als Leser nachvollziehbar werden.
Das Buch lässt sich zügig lesen. Der Schreibstil unterstreicht das Anliegen. Die Entwicklung Hannahs und die darin eingebettete Liebesgeschichte hielten mich als Leser in ihren Bann.
Das Buch bricht eine Lanze für Menschlichkeit und gegenseitige Achtung. Es wendet sich gegen Vorurteile. Am Beispiel von Alice wird deutlich, dass der Mensch, der seine Gaben mit Freude einsetzt, über äußerliche Gebrechen siegen kann. Es zeigt, dass man den Mut haben muss, den eigenen Weg zu finden und zu gehen.
Das Buch würde ich uneingeschränkt weiter empfehlen.

