Dieses Buch der ehemaligen Chefredakteurin der „tageszeitung“ wird für Debatten sorgen. Vielleicht wird man es auch irgendwann als eine Art Startschuss für eine neue, zweite Frauenbewegung ansehen, die man dann aber nicht mehr feministisch nennen wird. Es wird kurzfristig auch die aktuellen Diskurse um eine von Frau von der Leyen propagierte Frauenquote in den Vorständen großer Unternehmen beeinflussen, die schon jetzt auch unter Frauen sehr kontrovers geführt werden.
Dieses Buch mit dem provozierenden Titel „Die Feigheit der Frauen“ handelt von „Rollenfallen und Geiselmentalität“ und versteht sich als „eine Streitschrift wider den Selbstbetrug“.
Die Ausgangslage ist ambivalent, das ist die Erfahrung von Millionen von Frauen, nicht nur von den wenigen, die in den Führungspositionen sitzen oder dorthin wollen, sondern von jungen und älteren, Müttern und Familienfrauen, Singles, Ehefrauen und Partnerinnen:
„Wir fordern ein eigenständiges Leben, aber ordnen uns freiwillig unter. Wir reden von Selbstbestimmung, aber stolpern in Rollenfallen. Wir wollen nach vorne, aber bleiben in der zweiten Reihe stehen. Was ist nur los mit uns Frauen? Können wir nicht frei und gleich sein oder wollen wir nicht?“
In zahllosen Gesprächen mit den unterschiedlichsten Frauen aller Altersstufen, Schichten und Lebensentwürfen ist Bascha Mika diesen Fragen nachgegangen. Sie hat anhand vieler Beispiele die persönlichen Erfahrungen von Frauen zusammengebracht mit wissenschaftlichen Studien und einer ganz präzisen eigenen Beobachtung und Analyse des Alltags in unserem Land.
Das Buch ist eine Zu-Mutung im wörtlichen Sinne. Ihr Frauen, sagt Bascha Mika, lasst das Jammern, verzichtet auf Entschuldigungen, warum es wieder nicht geklappt hat, und meidet das Suchen nach Sündenböcken für eure Situation. Übernehmt selbst Verantwortung dafür, habt Mut, das alte Spiel der Rollen nicht mehr mitzuspielen.
Sie zeigt an vielen Stellen und Beispielen auf, dass frau sich immer entscheiden kann: für die alten Lebens-, Rollen- und Verhaltensmuster oder für die unterschiedlichsten neuen Möglichkeiten eines beglückenden Frauenlebens. Dass dies auch ein beglückendes Männerleben nach sich zieht, hat mich als Mann sehr überzeugt. Deshalb ist dieses Buch nicht nur für unzählige Frauen wichtig, sondern auch für uns Männer. Denn in der Aufgabe alter Rollenmuster durch die Frauen liegt eine große, bereichernde Chance für die Veränderung unseres eigenen Lebens und unserer eigenen, uns oft verhassten (was wir aber nie zugeben wollen) Rollenmuster. Dass die in solcherart sich verändernden Beziehungen aufwachsenden Kinder, Jungen und Mädchen, davon nur profitieren können für ihr eigenes Erwachsenwerden, sei hier nur nebenbei bemerkt.