Zauber-Peter
Fantastische Literatur gehört seit geraumer Zeit zu einem von mir sehr gern gelesenem Genre. „Die Flüsse von London“ von Ben Aaronovitch fiel mir im letzten Amazon Vine Restenewsletter ins Auge.
Die Kurzbeschreibung
„Peter Grant ist Police Constable in London mit einer ausgeprägten Begabung fürs Magische. Und der frischgebackene Zauberlehrling Peter stellt fest, dass es mehr Dinge in London gibt, als seine Polizeischulweisheit sich träumen ließ. Wer hätte zum Beispiel geahnt, dass der Themsegott und die Themsegöttin einander spinnefeind sind und diese Feindschaft auf ihre Nachkommenschaft, alle kleineren Zuläufe und Kanäle des weitläufigen Londoner Flussnetzes, übertragen? Peter soll zwischen den beiden Lagern vermitteln - keine leichte Aufgabe, wenn man sowieso anfällig für Magie ist und insbesondere eine der Flusstöchter unwiderstehliche Reize besitzt ...
Zugleich gehen die Ermittlungen im Covent-Garden-Mord weiter, dem bald weitere schaurige Taten folgen. Irgendjemand (oder etwas?) sät Bosheit und Gewalttätigkeit in der Stadt. Die Spuren führen zweihundert Jahre zurück, zu einem ungesühnten Mord an einem Schauspieler, der am Theatre Royal tätig war - dem Ort, wo sich heute Covent Garden befindet ...“
sprach mich schon mal an. Nebenbei fand ich noch sehr lustig, dass der Name des Hauptprotagonisten auch einen Bezug zu meinem realen Leben hat. Bei mir um die Ecke wohnt ein Zauberkünstler namens Peter Grandt.
Der Autor Ben Aaronovitch
wiederum, war für mich mal wieder Neuland unterm Pflug. Auf der Website des dtv-Verlages konnte ich erfahren, dass der in London lebende Schriftsteller und Drehbuchautor (u. a. Drehbücher zu der englischen TV-Kultserie 'Doctor Who') wenn er gerade nicht schreibt als Buchhändler arbeitet. „Die Flüsse von London“ ist der Auftakt einer Reihe, die in England die Bestsellerlisten im Sturm eroberte. Für die deutschen Leser wird es im Juli 2012 mit „Schwarzer Mond über Soho“ eine Fortsetzung geben.
Anfangs etwas holprig, aber dann…
Der Einstieg in das Buch fiel mir leider gar nicht so leicht. Obwohl ich meist keine Probleme mit der ICH-Perspektive habe, brauchte ich bei „Die Flüsse von London“ doch etliche Seiten bis ich mich eingelesen hatte. Dabei gefielen mir schon zu Beginn die Sprache und die bildhaften Vergleiche des Autors, die über die gesamte Geschichte hinweg schwarzhumorig wirkten und mich immer wieder zum Schmunzeln reizten.
Aber irgendwie war der polizeiliche Zauberlehrling mit Migrationshintergrund für mich als Charakter anfangs nicht so recht greifbar. Auch der parallel dazu laufende Kriminalfall war irgendwie verworren. Irgendwann hatte ich mich dann aber doch auf die Story eingelassen und der auf mich ursprünglich irgendwie steif wirkende Hauptprotagonist und seine Mitstreiter nahmen in meiner Vorstellung endlich die passende Gestalt an.
Neben Geistern und Vampiren – von denen die Fantasywelt regelrecht wimmelt (und trotzdem lese ich von ihnen immer wieder gern) – hat Aaronovitch mit den Flussgöttern und ihren Kindern interessante und für mich neue Fantasyfiguren geschaffen. Dass diese dann teilweise die gleichen Wünsche und Bedürfnisse wie ganz normale Menschen hatten, machte sie mir lebendig und gemeinsam mit ihren Fähigkeiten trotzdem mysteriös und anziehend. Auf leisen Sohlen und ganz gekonnt schlichen sich hier dann auch immer mal wieder Äußerungen zu gesellschaftlichen Themen, wie z. B. zur Umwelt, mit ein.
Gern hätte ich noch ein bisschen mehr zur Geschichte der magischen Polizeiabteilung und insbesondere über Peters Chef Nightingale erfahren. Ein sehr außergewöhnlicher Charakter, der aber doch nebulös blieb. Auch die Haushälterin Molly, definitiv kein normaler Mensch, gab mir bis zum Ende des Buches ungelöste Rätsel auf. Bei beiden hege ich jedoch die Hoffnung, in der Fortsetzung mehr zu erfahren.
Unpassend finde ich allerdings Vergleiche mit einem erwachsen gewordenen Harry Potter. Auch wenn diese, wie auf der Rückseite des mir vorliegenden Buches, von einer von mir sehr geschätzten Autorin (Diana Gabaldon) geäußert werden. Ihrer zweiten Aussage „Eine einzige große, witzige, phantasievolle Kapriole“ kann ich da eher zustimmen.
Bei „Die Flüsse von London“ handelt es sich meiner Meinung nach um einen gelungenen Genremix aus Fantasy, Krimi und Satire, der mich nach einigen Startschwierigkeiten dann doch zu fesseln vermochte. Der Autor hat zum „normalen“ London eine interessante Parallelwelt geschaffen. Die teilweise extrem blutigen Szenen milderte er mit seiner witzig skurrilen Sprache und viel schwarzem Humor ab. Alles in allem hat mir die Geschichte im Endeffekt dann doch so gut gefallen, dass ich mir die Fortsetzung auf der Merkliste notiert habe. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.