Leser-Rezension zu „Die Leinwand” von Benjamin Stein

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Gelöschter Benutzer Gelöschter Benutzer
Verfasst von Gelöschter Benutzer
am 28.11.2010
 

Und wieder ein Buch zu dem ich mich etwas außer Stande sehe es adäquat zu rezensieren. Dennoch soll es nicht ganz untergehen.
Der Hauptgrund dafür liegt darin das ich mich kaum für Religion im allgemeinen so wie für eine Bestimmte im speziellen interessiere. Aber grade dies scheint der Autor Benjamin Stein, zumindest im Ansatz, vorauszusetzen.
Im Buch geht es um zwei Juden. Der eine ist Ammon Zichroni und der andere Jan Wechsler. Jeder der Beiden nimmt eine Hälfte des Buches ein und je nachdem wie man das Buch dreht kann man zuerst mit der Geschichte Wechslers (rot) oder mit der Geschichte Zichronis (blau) beginnen. Laut der Beschreibung des Umschlags zeichnet jeder der beiden Teile das Leben der beiden Männer nach um in der Mitte des Buches zusammenzutreffen. Aber gerade hier liegt schon der erste schwerwiegende Fehler. Denn die beiden Handlungsstränge treffen nicht in der Mitte zusammen. Auf Grund eines Zeitlichen Unterschiedes von mehreren Monaten münden beide Erzählungen zwar am selben Ort bleiben aber voneinander unberührt. Viel mehr noch sind die beiden Geschichten hintereinander angesiedelt und entbehren somit, zumindest aus meiner Sicht, der angestrebten Logik des Autoren.
So haben auch beide Geschichten nur leidlich wenig mit einander gemein. Lediglich 3 Kapitel sind es die sich gegenseitig tangieren.
Zichroni wächst bei seinem Onkel auf, studiert, wird Psychologe und trifft nur ein einziges mal auf Jan Wechsler.
Diese Erzählung ist staub trocken gehalten, durchsetzt von preesoterischem gehabe, eingetaucht in den süßen Honigtopf des jüdischen Glaubens. Man darf mich hier nicht missverstehen. Benjamin Stein weiss, als praktizierender Jude, ganz genau von was er schreibt. Federleicht bringt er die Bräuche und Ansichten jüdischer Gläubiger hervor und bringt dies auch in nüchtern schlichten Sätzen aufs Papier. Das macht er durchwegs gut verlangt aber eine gewisse Kenntnis und Bereitschaft sich auch auf den Glauben einzulassen. Zwar ist dem Buch auch ein Glossar mit allen gängigen ausdrücken des jüdischen Alltags angehängt aber wer sich mit Interesse und Vorwissen, in Bezug auf das Judentum, an das Buch setzt ist klar im Vorteil.
Die Geschichte um Jan Wechsler gestaltet sich hier schon etwas spannender.
Eines Tages bekommt Jan, Verleger von Beruf, verheiratet und Vater von zwei Kindern, einen geheimnisvollen Koffer zugestellt. Ein Koffer der angeblich bei seiner letzten Reise von Israel nach Deutschland verloren gegangen sei. Nur das Dumme ist das Jan ganz genau weiss das dies nicht sein Koffer ist. Er glaubt sich Opfer einer Verwechslung und nimmt mit einem anderen Verleger Kontakt auf. Exakt dem Verleger des Buches das er im Koffer findet. Einem Buch das wiederum er geschrieben haben muss da klar und deutlich sein Name, Jan Wechsler, auf dem Cover steht.
Und noch einmal vergewissert sich der Mann das Er Er ist und nicht ein anderer mit einem schwarzen Pilotenkoffer voll zweifelhaften Inhaltes inklusive einem Buch das zwar seinen Namen trägt er aber noch nie im Leben gesehen hat.
Diese Erzählung dreht und windet sich gekonnt um die Frage der eigenen Identität aber vielleicht noch mehr um die Erkenntnis wie weit man gehen würde um die eigene Identität zu verlieren, zu verleugnen ja sogar nicht zu bemerken wie jene einem abhanden kommt.
Das ganze wird interessant erzählt und auch mit Rückblenden auf Jans früheres Leben garniert.
Generell ist Wechslers Teil der Geschichte der interessantere und auch jener der die meiste Hoffnung darauf macht das sich auch in Zichronis Erzählung noch etwas tut. Aber leider bleiben diese Hoffnungen unerfüllt.
Zu stur Schreibt Benjamin Stein seine Geschichten von A nach B. Lässt seinen Blick nicht über den Tellerrand schweifen und veranlasst nicht nur einmal den Leser dazu sich durch das eine oder andere Kapitel zu zwingen.

Generell ist es kein schlechtes Buch. Handwerklich sauber mit guten Ansatz der aber wohl von Vornherein schon zum scheitern verurteilt war.

Wie oben schon gesagt bin ich wohl der Falsche um dieses Buch zu rezensieren. Menschen die das Interesse für diese Materie mitbringen werden es ganz bestimmt mit anderen Augen lesen und auch ein anderes Verständnis dafür an den Tag legen.

 

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Die Leinwand Die Leinwand
Benjamin Stein

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identität, judentum, zichroni, wechsler, schweiz

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Die Leinwand
von Benjamin Stein

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