Rezension verfasst vor 1 Jahr
(8)
Also gut, wenn ich in den Laden gehe, noch nie was von dem Buch gehört hab und in dicker, fetter, blauer Schrift Horror auf dem Cover lese, direkt unter dem Titel "Schemen", dann hab ich natürlich eine gewisse Vorstellung oder Erwartung, allerdings hab ich jetzt, bevor ich Little's Werk in Angriff genommen hab erstmal diese ganzen negativen Rezensionen auf Amazon.de etc. gelesen, wodurch meine Erwartungen ziemlich niedrig waren. Ich hab mit einem mittelmäßig bis schlechten Nicht-Horror-Roman gerechnet - wollte aber unbedingt wieder einen Roman von Bentley Little lesen, also hab ich ihn mir trotzdem gekauft. Und ich muss sagen, ich war dann doch positiv überrascht. Obwohl nicht wirklich viel passiert, schafft Bentley es, meiner Meinung nach, den Leser trotzdem mit seiner erzählerischen Art "durchschnittlich" im Bann zu behalten. Der tägliche Trott, die Einsamkeit eines Ignorierten. Jedes mal, wenn die Geschichte droht wirklich langweilig zu werden bringt Little eine neue Komponente mit ins Spiel. Sei es zu Anfang der neue Job, der langsame Wandel von Bob Jones, die Gruppe der Terroristen des einfachen Mannes oder einfach nur die Erkenntnis, dass es auch andere Ignorierte gibt. Gegen Ende wird es dann etwas arg phantastisch, aber gut, wir haben hier keinen Roman, der sagt, er sei wissenschaftlich fundiert und würde sich nur an Fakten des realen Daseins halten.
"Fieber", "Furcht" und "Unheil" haben mir sehr gut gefallen und ich finde nicht, dass "Schemen" soviel schlechter ist - nur eben kein Horror.
Behandelt wird hier einfach nur der durchschnittliche Durchschnitt - nicht mehr, nicht weniger. Als Durchschnittsbürger bekommt man eben nur einen Durchschnittsjob, lebt ein Durchschnittsleben, sieht sich die Durchschnittslieblingsserien an, hört die durchschnittlich beliebteste Musik. Oder etwa doch nicht? Wenn man durchschnittlicher als der Durchschnitt ist, ist man dann immer noch im Durchschnitt?
Hmm...
Dann natürlich die Frage: Wie weit kann man gehen, um beachtet zu werden?
Ich fand "Schemen", ehrlich gesagt, sogar sehr interessant, nichts desto trotz 4 Sterne. Naja, 3 1/2 würd ich geben, aber geht ja nicht. Wenn ich mir Bentleys anderen Bücher anschau, hat er definitiv mehr drauf, was die Leistung natürlich hier nicht schmälern soll.
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