Leser-Rezension zu „Rabensturm” von Bernhard Hennen
am 20.07.2009
Omar ist ein Niemand. Ein Sklave, der sich von anderen nicht zu unterscheiden versteht. Bis er eines Tages – weniger geleitet von Heldenmut als durch Zufall – seinem Herrn das Leben rettet. Es steht ihm frei, einen Wunsch als Lohn auszusprechen und mit diesem besiegelt er sein Schicksal: Melikae, die betörende Sultanstochter.
Eine Tatsache, mit der sich die Dankbarkeit seines Herrn in Luft auflöst. Omar muss fliehen, doch er geht nicht allein. Gemeinsam mit Melikae versucht er der Rache des Sultans zu entfliehen, vergeblich. Die nun mehr heiß Liebenden werden getrennt. Melikae nach Hause gebracht und Omar zum Sterben in der Wüste zurückgelassen. Getrennt von einander und dem Schicksal ergeben erleben sie Kriege, Liebe, Sehnsucht und Leid ...
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Die im ersten Band noch vorwiegende Liebesgeschichte ist, entgegen dem viel zu kurzen Klappentext, bald in den Schatten vieler Nebenhandlungen gerückt. Es wirkt, als wäre sie schlicht der Stützbalken, der den weiteren Handlungen die nötige Tragik bieten soll, um der Geschichte epischen Raum zu verleihen. Ein Plan, der vorerst nicht aufzugehen scheint. Zu langatmig und scheinbar unwillkürlich geht es voran. Von dem großen Hennen, wie man ihn aus den Elfen-Romanen kennt, ist sprachlich und auch handwerklich nicht viel zu sehen. Zwar lesen sich die Beschreibungen des Landes und Teile der Handlungen durchaus bildreich und stimmungsvoll, doch werden diese Attribute von der Tatsache zerstreut, dass die Protagonisten (übertrieben idealistisch, tollpatschig und nicht nachvollziehbar) in vielerlei Hinsicht nicht überzeugen können.
Hingegen positiv herauszuheben sind die überraschenden Wendungen im zweiten Drittel des Buches, die Spannung bringen und die Lust schüren, auch bis zum Ende durchzuhalten. Hennen beweist in diesem Buch, dass er sich auf Überraschungen versteht. Vermutungen werden zerschlagen, neu gemauert und schließlich mit der erstaunlich brüchigen Wendung der Liebesbeziehung zwischen Omar und Melikae unerwartet hart auf die Probe gestellt.
Ein Buch mit Schwächen, das dennoch solide Unterhaltung bietet. Wer über manche Länge hinwegsehen kann und sich gerne für fremde Welten, auch für 1001 Nacht, begeistern lässt, ist hier richtig und findet zwischen überzogenen Dialogen und unglaubwürdigen Momenten eine doch teilweise wirklich nette und lesenswerte Geschichte, die es versteht von der Norm abzuweichen.

