Leser-Rezension zu „Das Ölschieferskelett” von Bernhard Kegel
am 9.12.2009
In der Ausgrabungsstätte Grube Messel, die eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Fossilien aus dem Tertiär beherbergt, wird ein besonders großer Fund gemacht. Die Schieferplatte wird noch kurz vor Feierabend ins Röntgenlabor geschafft und man will sich am nächsten Morgen an dessen genaue Untersuchung machen. Ausgrabungsleiter Dr. Axt ist jedoch zu neugierig und staunt nicht schlecht, als sich der Fund als Fossil eines Menschen herausstellt, der zu allem Überfluss auch noch goldene Zahnfüllungen und eine Armbanduhr trägt. Er lässt er die Schieferplatte im Archiv verschwinden und ist komplett mit den Nerven fertig.
Der Entomologie-Student Micha begegnet seinem Schulfreund Tobias wieder, den ehr seit Jahren nicht gesehen hat. Tobias zeigt ihm Mitbringsel aus seinem Urlaub in der Slowakei: Ein bunter Käfer und eine gepresste Blume, die Micha doch bitte für ihn bestimmen soll. Michas Nachforschungen ergeben, dass diese Fundstücke erstens nicht aus der Slowakei stammen und zweitens eigentlich seit 50 Millionen Jahren ausgestorben sind. Zuerst glaubt er an einen schlechten Scherz, jedoch scheint es sich auch nicht um eine Fälschung zu handeln, weswegen er mehr und mehr komplett mit den Nerven fertig ist.
Nachdem er schließlich Tobias mit seiner Entdeckung konfrontiert, erzählt dieser, dass er eine Höhle in der Slowakei entdeckt habe, die ein Zeitreiseportal ins Eozän sei, und er lädt Micha ein, ihn auf seine nächste Expedition in die Urzeit zu begleiten. Michas Freundin Claudia samt Dackel schließt sich mehr oder weniger unaufgefordert der Expedition an, und die drei landen tatsächlich 50 Millionen Jahre in der Vergangenheit.
Doch es stellt sich heraus, dass diese urzeitliche Erde nicht ganz so menschenleer ist, wie man vermuten dürfte. Und irgendjemand veranstaltet dort groß angelegte Experimente, um irgendwie in der Evolution herumzupfuschen. Und tatsächlich: Plötzlich verschwinden einige Fledermausfossilien, als hätte es sie nie gegeben!
Wenn man also in der Vergangenheit dafür sorgen kann, dass Fledermäuse nicht zu Fossilien werden, kann man dann auch den versteinerten Menschen mit der Armbanduhr verhindern?
Eine im Prinzip vielversprechende Idee, die aber im Verlauf dieses Buches auf vielen Ebenen vergeigt wurde. Zum einen wimmelt es vor lauter Charakteren, die sich sehenden Auges strunzdoof verhalten und keine Sekunde lang sympathisch werden oder den Eindruck von tatsächlich exisiteren Menschen machen. Dann wurde größtenteils die Möglichkeit vertan, die tertiäre Welt lebendig darzustellen, und zu guter Letzt krankt die Handlung an dem Paradoxon-Problem vieler Zeitreisegeschichten.
Bernhard Kegel ist in erster Linie Wissenschaftsautor, und die stärksten Momente des Buches liegen auch in den Diskussionen der Figuren über evolutionstheoretische Erkenntnisse und Paläontologie, die wirklich hoch interessant und lesenswert sind. Dafür lohnt sich die Lektüre des Buches. Die Handlung an sich und die Figuren... da üben wir aber besser noch mal, ne?

