Inhalt:
Elisabeth (Ellie) Sturm wird von ihren Eltern unfreiwillig von Köln aufs Land verfrachtet; in den Westerwald, weil ihr Vater dort die Stelle als Leiter einer Klinik für Psychiatrie angenommen hat. Erst ist sie gar nicht begeistert und kann sich weder an das Umfeld, noch an die neuen Mitschüler gewöhnen. Doch dann trifft sie immer wieder auf Colin Blackburn, einen jungen Mann, der abgeschottet von der Welt in einem Haus im Wald lebt. Ehe sie sich versieht ist sie von seiner schroffen und abweisenden Art angetan und will mit allen Mitteln herausfinden, was mit Colin nicht stimmt...
Meinung:
Ich finde, bei diesem Buch gibt es eine Menge zu erzählen und viele Dinge, die ich in dieser Rezension ansprechen will(an dieser Stelle: SPOILERGEFAHR!).
Am besten fange ich bei dem Erscheinungsbild des Buches an:
DAS COVER.
Wunderschön. Der Schutzumschlag ist aus festerem Papier hergestellt, ist leicht angeraut und matt. Der Titel des Buches wird mithilfe von Lack glänzend zur Geltung gebracht und hebt sich vom Hintergrunddesign ab. Das Coverdesign ist einfach nur zum Träumen schön. Die Pastelltöne sind sehr ansprechend und auch das Herz mit den Flügeln, die verschieden dargestellten Blumen, Blüten und Beeren fügen sich prima ein und auch der lilafarbene Schmetterling ist schön platziert.
Wenn man dieses Cover sieht, will man das Buch automatisch in die Hand nehmen. Leider steht auf dem Rücken des Umschlags nur ein Teil des Prologs, was kaum etwas über den Inhalt des Buches aussagt. Man ahnt nur; es handelt sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein Jugendbuch mit fantastischen Elementen.
Tatsächlich kaufte ich mir das Buch auch deshalb: weil das Cover einfach so ansprechend auf mich gewirkt hat und ich wissen wollte, was sich denn dahinter „versteckt“.
Wo wir schon beim Jugendbuch sind.
Und wenn die sehr geschätzte Autorin diese Rezension liest, will sie mich vielleicht verhauen, ich MUSS es ansprechen.
Stichwort TWILIGHT. Jaa, jaaa. Ich weiß. Aber jetzt mal ehrlich! Wer derzeit einen romantischen Fantasyroman auf den Markt bringt, muss sich zwangsläufig diesem Vergleich stellen. Da führt kein Weg dran vorbei.
Nur. Bei mir kommt Splitterherz besser weg als die „Bis(s)-Reihe“. Fangen wir mit den ... ich nenne es mal vorsichtig – Ähnlichkeiten an.
Da ist natürlich erst mal. Colin ist KEIN Mensch. (Sonst wäre das Ganze ja auch bisschen witzlos.)
Aber! ABER! Er ist kein sich selbst parodierender, neo-romantischer Weichei-Menschenblut-Verächter. Nein. ZUM GLÜCK! Danke, Bettina Belitz! Noch einen „Emo“-Vampir könnte die Welt nicht mehr ertragen!
Aber auch Colin versucht, Ellie von sich fernzuhalten, weil er (und Tessa – aber dazu später mehr) gefährlich für sie ist. Und Ellie findet nach langem Bohren doch heraus, wer/was Colin ist.
Colin aber stillt seinen „Durst/Hunger/Wasauchimmer“ nicht an dem, was er eigentlich braucht, sondern steigt auf die „Light-Version“ um, damit kein Mensch zu Schaden kommt.
Damit erschöpfen sich die offensichtlichen – Ähnlichkeiten auch schon.
Mal abgesehen davon, dass Colin nicht wie Edward Cullen (*brechreiz*) jahrelang auf DIE einzige Liebe wartet, sondern sich durchaus auch anderweitig schon ausgetobt hat. DANKE noch mal, Bettina Belitz. Kein pseudo-Zölibat. Kein Rumgejammer. Das ist keine Parallele, sondern zum Glück eine Innovation. Danke, danke, danke!
Kommen wir nun zu dem, was in Splitterherz ganz entscheidend ist:
DIE IDEE.
Nachtmahre. Ich weiß nicht, inwiefern das jetzt innovativ ist, aber mir ist meiner Laufbahn als Bücherwurm noch kein Roman mit diesem Mythos über den Weg gelaufen.
Das ist gut so, wie ich finde, denn mit hat das schon überrascht und gefesselt. Wenn Colin von sich selbst, oder seiner Schöpferin Tessa, erzählt hat, hat mein Blick an den Seiten festgeklebt und ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen, bis... ja, bis... er Ellie mal wieder in die Schranken gewiesen hat. Dann musste man ja wieder warten, bis man ein paar neue Happen der Nachtmahr-Geschichte bekam.
Die Beschreibung wie Nachtmahre leben fand ich sehr einleuchtend und logisch und man hat schon gemerkt, dass die Autorin nicht nur recherchiert, sondern sich auch ihre eigenen Gedanken zu der Thematik gemacht hat. Wunderbar! Besser und plastischer hätte man es nicht machen können.
Als nächstes:
DIE CHARAKTERE.
Ich muss sagen – bis zu einem gewissen Punkt konnte ich Ellie nicht wirklich leiden. Ich wurde mit ihr als Protagonistin echt nicht warm. Ständig schlief sie ein, ständig wurde sie ohnmächtig, ständig war sie am rumheulen, am jammern, hat irgendwie total viel auf einmal gespürt (sei hört, sieht, riecht und fühlt echt ALLES um sich herum) oder sie hatte Angst vor irgendwas. Sie kam mir einerseits so vor, als stünde sie permanent unter Strom und im nächsten Moment – pennt die ein. An den unmöglichsten Orten: an der Bushaltestelle, im Schulklo, abends in der Turnhalle, in einem Pferdestall und so weiter. Zudem war sie auf ihrer alten Schule eine ziemlich schwächliche Mitläuferin, was sie auch nicht unbedingt in ein besseres Licht gerückt hat (lieber Außenseiter als Mitläufer!).
Aber wenn man dann weiß, warum sie ständig einschläft und warum ihre Sinne so scharf sind und sie so sensibel ist, wird sie einem doch sympathischer, und ihre sture Art, was das „SIR Blackburn-Mysterium“ angeht, hat mich dann doch überzeugt, dass Ellie ein toller Charakter ist, der viel Potenzial in sich birgt.
- Colin.
Colin ist... heiß. Also, mal abgesehen davon, dass er eigentlich dazu geschaffen wurde, die schönen Träume der Menschen zu fressen und sie so depressiv und lebensmüde zu machen, war er ein ziemlicher cooler Typ. Er ist auf eine eigentümliche Art und Weise schön und exotisch. Er ist anfangs sehr unsympathisch, weil er Ellie ständig so fies abwimmelt, aber das hatte ja schließlich System! Die ersten 200 – 300 Seiten des Buches ist er unnahbar, gemein, arrogant und verletzend, aber in der zweiten Hälfte des 632 Seiten starken Buches ist er nur noch anbetungswürdig: edel, gefährlich, zynisch, ständig am frotzeln (was er Ellie manchmal für Dinge ins Ohr flüstert – uuh. Kann er das bei mir auch mal machen? *lach*), SCHLAGfertig, charmant und ziemlich sexy. Er scheint wirklich bei Tag wie bei Nacht (das sind bei ihm tatsächlich zwei verschiedene physikalische Zustände) unverschämt gut auszusehen...
Wer braucht schon Waschlappen-Vampire?! Ich nehm’ lieber Colin ;)
- Tillmann.
Ein großes Rätsel. Ein einsamer Asthmatiker mit einem Hang zu ganz schön brenzligen Situationen und einer ungeheuren Liebe zur Natur. Ich mochte ihn sehr, auch wenn er in dem Buch erst auf den letzten 75+ Seiten seinen großen Auftritt hat. Da sieht man doch,dass auch wortkarge Außenseiter einem den Hintern retten können!
- Ellies Eltern.
Bei den beiden war es etwas schwieriger. Ich mochte ihren Vater nicht besonders, er war auf der einen Seite zwar der Beschützer, aber er hat seine Familie doch auch sehr in Gefahr gebracht, ohne es zu wollen. Er glaubt immer noch an das Gute in den Mahren und will Vermittler spielen. Er ist ein gut ausgearbeiteter Charakter mit Ecken und Kanten, aber mich hat er jetzt nicht für sich erwärmen können, so stark und edelmütig er auch sein mag.
Ellies Mutter ist auch eine „runde“ Sache, aber auch mit ihr konnte ich nicht allzu viel anfangen. Sie war entweder ständig im Garten und hat die Blumen traktiert oder saß mit geränderten Augen am Frühstückstisch. Und sie war permanent nur in Sorge. Kein Wunder, dass die Frau mit einem Halbmahr und einer Tochter, die in einen „Vollblut“-Mahr verknallt ist, im Haus nicht schlafen kann.
- Tessa.
Mann, war DIIIIIIIIIIIIIIIIE ekelhaft. Wirklich. Sie ist einer der abstoßendsten Charaktere, die mir in letzter Zeit in einem Buch untergekommen ist. Mehr Tier als Mensch, will sie Colin für sich beanspruchen und setzt sogar zu Balzverhalten an oO" Gut. Sie ist ein 600 Jahre alter Nachtmahr, aber... iiieh. Sie wird auch nicht unbedingt so beschrieben, dass man sie jemals mögen könnte. Ausgeschlossen. Gut so, denn letztendlich ist sie der "große" Feind im Buch, den es zu bekämpfen gilt. Auch Colins gemischte Gefühle zu ihr lassen gar nicht erst zu, dass man sie mag. Wenn man nicht schon von Anfang von ihrer Erscheinung und ihrem Geruch angewidert ist. So muss ein Hass-Charakter aussehen! Jawohl!
Das Wichtigste am ganzen Buch ist wohl folgendes:
DER VERLAUF.
Und hier muss ich wohl das erste Mal richtig meckern.
Wortwörtlich steht in meinen privaten Notizen bei Lovelybooks:
„Seite 1 - 169: nur langweilig. Seite 170 - 320: na wenigstens ein bisschen Fantasy. Und ein bisschen mehr Colin.
Stand Seite 455: Endlich richtige Fantasy, endlich Spannung! Und COLIN! <3
Seite 500: Gott, ich halt’s kaum aus!“
(Und irgendwo zwischendrin war’s dann so romantisch, dass ich am liebsten geweint hätte.)
Und so sieht’s letztendlich auch aus.
Ich war auf Seite 169 echt kurz davor, das Buch als Zweistern-Bewertung einfach abzubrechen und nie mehr anzurühren. Der ganze Einleitungskram war mir einfach zu langweilig und auch zu langatmig. Ich kann so langes Vorgeplänkel nicht leiden. Es war auf gut Deutsch, zu viel Geschwafel. Zuviel Schnörkelei, zuviel Unnötiges, keine Spannung.
Im Nachhinein bin ich heilfroh, dass ich weitergelesen habe; denn im Verlauf der Geschichte steigert sich die Spannung zusammen mit den Fantasy-Elementen, bis man auf den letzten 50 Seiten selbst kaum noch atmen kann (und will) und man sich auch Duftorchideen im Garten, eine Schwarze Witwe im Einmachglas und Tillmann hinter der nächsten Ecke in einem lädierten Luxusgefährt sitzend herbeiwünscht.
DAS ENDE.
Am Ende vielleicht doch ZU WENIG Ausschweifung (komm schooon! Sie hätten sich auch real verabschieden können, nachdem sie Tessa entflohen sind! Schlimmer hätte es gar nicht werden können!), aber es war trotzdem ein herzerweichendes, bittersüßes letztes Kapitel, das Appetit auf mehr macht.
Und nur so am Rande finde ich, dass die Geschichte nirgends besser funktioniert hätte als im Westerwald! ;) (Meine Heimat <3)
Mit dem Buch waren es für mich 4-5 Tage voller Träum(erei)en, Grübeleien und auch einem hoch und runter was die Bewertung dieses Buches angeht.
Es hat sich von einem Stern nach ca. 50 Seiten, auf zwei Sterne nach ca. 169 Seiten und schließlich zu 3-4 gegen Ende des Buches gesteigert.
Ich denke, das Buch hat sich seine 4 Sterne schon verdient, es war eine schöne, träumerische, manchmal aber zu lahme und mit Sinneseindrücken überladene Lektüre, die aber bestimmt unter Jugendlichen Begeisterungsstürme hervorrufen wird. Splitterherz hat mich anfangs fast schon ein bisschen genervt, dann versöhnlich gestimmt und schließlich doch, auf den letzten 150 Seiten vollkommen für sich vereinnahmt. Besser kann es kaum laufen.
Nach neuestem Stand wird es eine Trilogie werden, aber ich überlege mir noch, ob ich den zweiten Band kaufen werde, wenn er erscheint.
Wahrscheinlich schon. Jetzt, wo ich schon mal angefangen habe ;)
Und abschließend, Jungs und Mädels...
„Öfters mal nach oben schauen!“ :)