Leser-Rezension zu „Tote Finnen essen keinen Fisch” von Björn Ingvaldsen
am 7.01.2012
Wer wissen will, wie man Lämmern auf die Welt hilft, unliebsame Zeitgenossen auf die eine oder andere Art aus dem Weg schafft, neue Geschäftsideen kreiert oder toten Fisch recycelt der sollte unbedingt “Tote Finnen essen keinen Fisch” von Björn Ingvaldsen lesen. Frisch und frech reiht sich eine skurrile Katastrophe an die nächste und die Beseitigung des jeweiligen Unheils steigert die Kuriosität um ein vielfaches.
Hogna, einer kleinen Insel vor der Küste Norwegens zwischen Stavanger und Bergen, gehen die Bewohner aus. Um der schrumpfenden Bevölkerung Einhalt zu gebieten, beschließt der örtliche Junggesellenclub ein Festival zu veranstalten, mit dem heiratswillige junge Frauen auf die Insel gelockt werden sollen. Unterstützung erhoffen sich die Vereinsmitglieder hauptsächlich vom neuen Vorsteher der örtlichen Bank, der gerade erst zur Strafe auf die Insel versetzt wurde, weil er mit der Frau seines Chefs geschlafen hat und somit über beste Referenzen verfügt. Die Pläne für die große Kuppelparty nehmen bald Gestalt an. Nur die Finanzierung der ehrgeizigen Pläne gestaltet sich etwas schwierig.
Vom fröhlich, bunten Titelbild des Romanes darf man sich nicht täuschen lassen. Die Lektüre dieses Buches sollte man nur mit “stahlharten Nerven” antreten. Schon auf den ersten Seiten stolpert man über zwei Leichen. Von denen eine schon zu lange Zeit in den Fluten des norwegischen Meerbusens verbracht hat. Während die andere so taufrisch ist, das der endgültigen Entsorgung im heimischen Moor- und Sumpfgebiet ein bisschen nachgeholfen werden muss.
Der neue Bankvorsteher, der die Geschichte in der Ich-Form erzählt, macht jedenfalls sehr schnell Bekanntschaft mit den Hauptprotagonisten der Insel Lasse und Magnus und mit ihrer Philosophie: “Hilfst du mir, dann helfe ich dir. So läuft das hier draußen”. Die beiden sind die treibenden Kräfte hinter allen Aktivitäten die auf der Insel für Abwechslung sorgen. Egal ob es sich um die illegale Eröffnung eines nicht genehmigten Spielsalons oder das unrechtmäßige Anzapfen fremder Stromleitungen zur Inbetriebnahme desselben handelt. Selbstverständlich geht auch die gesetzwidrige Vernichtung der Beweismittel zur Klärung des Vorfalls auf das Konto dieser findigen Köpfe.
Die Dichte verrückter Ideen des Autors sucht ihresgleichen. Ob Sparkassenbücher als Einreisedokument, Freiluftschule für schwererziehbare norwegische Jugendliche oder neue Arten zur Herstellung von Rakfisk (eine norwegische Spezialität bestehend aus fermentierter Forelle, bei Lebensgefahr nicht zu verwechseln mit der Ingvaldschen Variante!). Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Natürlich schrammen die “schwarzen Schafe” immer haarscharf an der wohlverdienten Strafe vorbei. Und falls doch nicht, müssen eben noch abstrusere Pläne umgesetzt werden um den Schaden zu begrenzen oder abzuwenden.
Einfach, gut lesbar, witzig. Wer unkomplizierte Unterhaltung sucht und über den einen oder anderen niveaulosen Satz hinweg zu lesen vermag, dem wird das Buch Spaß machen.

