Vorsicht, diese Rezension enthält größere Spoiler auf den Inhalt.
Ben lebt in Trollfurt. Allein, denn sein Vater verließ die Familie vor vielen Jahren und seine Mutter, eine Säuferin, ist schon vor zwei Jahren gestorben. Der Junge schlägt sich mehr schlecht als recht durch und wird von allen, bis auf seinen Freund Yanko, als Nichtsnutz beschimpft und davon gejagt.
Bens großer Traum ist es, eines Tages ein Drachenritter zu werden, einen Drachen zu befreien und mit ihm für das Gute zu kämpfen. Doch davon scheint er so weit entfernt, wie es nur irgend geht.
Doch eines Tages wird die Blausilbermine in seiner Stadt verkauft und der neue Besitzer ist ein Drachenreiter, ein verdienter Mann, der vom Orden einen der Drachenritter einen der geretteten Drachen geschenkt bekommen hat. Und natürlich bringt er seinen Drachen mit nach Trollfurt, genau wie seine Familie. Mit dem Sohn gerät Ben sogleich in Streit, aber das Mädchen, Nica, ist anders, das weiß er ganz sicher. Er hat zwar nie ein Wort mit ihr gewechselt, aber er weiß es einfach.
Der Drache, Feuerschuppe, ist jedoch das tollste an den neuen Einwohnern. Sidhy, der Sohn des Minenbesitzers, lässt Ben natürlich als einziges Kind nicht in dessen Nähe, aber Ben ist es zu sehr gewohnt, mit Füßen getreten zu werden, als das er sich nicht zu helfen weiß.
Des Nachts schleicht er sich in die Stadt, aus der er inzwischen hinausgeworfen wurde, und in das Anwesen. Dort scheint ihn der Drache bereits zu erwarten, denn er schlägt keinen Alarm, sondern lässt sich von Ben die Stumpfe seiner Flügel massieren. Für Ben ist dies ein Weg, Glück zu erlangen. Das Kribbeln in seinen Fingern hält er dafür.
Die wilden Drachen in seiner Welt sind geflügelt und, so sagen es die Weisen und Priester, gefährliche Menschenfresser. Man muss sie befreien, in dem man ihnen die Flügel abschlägt, dann sind sie wieder so freundlich und zahm, wie sie es waren, bevor der Gott der Dunkelheit sie verdarb. So heißt es. Und es scheint auch zu stimmen, denn Feuerschuppe lässt Ben nah an sich heran, genießt seine Massage und hört sich all das Leid an, was der Junge ihm klagt.
Doch Tage später, als einer der Ordensritter (ohne Drachen) die Stadt aufsucht, der erste seit Jahren, hört Ben fürchterliches Gebrüll aus dem Anwesen des Minenbesitzers. Feuerschuppe schreit. Ben eilt hinzu und muss mitansehen, wie der Besitzer dem Drachen die neu gewachsenen Flügelansätze wieder abschlägt.
Aber wo kommen diese Flügelansätze her?
Ben bleibt keine Zeit, um über diese Frage zu philosophieren, denn ehe er sich's versieht, gilt er plötzlich als Mörder des Ordensritters. Ihm bleibt nur die Flucht. Sein Freund Yanko, der einzige, der nicht an Bens Schuld glaubt, hat ihn gewarnt und ihm einen scheinbar sicheren Weg gewiesen.
Tagelang quält sich der Junge durch den Wald, bis er plötzlich und unerwartet vor einem Schlachtfeld steht. Vor ihm liegt ein toter Ordensritter und ein Drache mit nur einem Flügel. Voller Angst denkt Ben zunächst an Flucht, muss dann aber feststellen, dass die Geschichten, die ihn sein Leben lang begleitet haben, offenbar eine Lüge sind. Und das er über eine unglaubliche Gabe verfügt: Er kann die abgeschlagenen Flügel nachwachsen lassen. Er ist ein Drachenflüsterer. Gemeinsam mit Aiphyron, dem Drachen, beschließt er, von nun an andere versklavte Echsen zu retten ...
Ich mag Kochs Art zu schreiben. Seine Charaktere sind zwar durchaus mal etwas stereotyp, aber voller Witz. Ich hab an vielen Stellen herzhaft lachen müssen. Ben, der Außenseiter, ist eine Figur, die einen sofort auf seine Seite zieht, denn er ist sehr sympathisch und in seiner ganzen Art einfach liebenswert.
Auch die Drachen finde ich schön dargestellt. Ich bin seit jeher ein Verfechter der Theorie, dass Drachen freundliche, weise Wesen sind und nur durch den Menschen verdorben, daher sagt mir Kochs Geschichte natürlich total zu. Die Drachen sind zwar nicht perfekt, aber gerade ihre Macken machen sie einzigartig und liebenswert (besonders Aiphyrons gefällt mir :D). Die Idee, wo die Drachen herkommen und wie sie geboren werden, finde ich übrigens wunderschön. Aber das verrate ich nicht, ich hab sowieso schon so viel gespoilert.
Fazit: ein tolles, lustiges, spannendes Buch, das für Erwachsene zwar schon etwas vorhersehbar ist, aber trotzdem in den Bann schlägt. Lesefutter für Fantasy- und Drachenfans in jung und alt.