Es ist ein Vampirroman, ist ein Vampirroman, ist ein Vampirroman. Jedenfalls irgendwie.
Gebissen ist die Geschichte von Alex, der als Junge in seinem Heimatdorf bei einer Mutprobe von einem reichlich merkwürdigen Wesen gebissen wird. Seine Freunde und er töten das Tier, weil es nicht von seinem Opfer ablassen will und verbrennen es mitsamt der Scheune, in der sie es gefunden haben. Eigentlich eine Episode in seinem Leben, die Alex gerne vergessen würde. Aber eine große Narbe an seinem Arm erinnert ihn tagtäglich daran.
Schon längst ist er aus der bedrückenden Enge seines Dorfes nach Berlin geflohen, in die große Freiheit, in den urbanen Schmelztiegel. Hier fühlt er sich wohl, ja, sogar ein wenig geborgen in der großen Anonymität. Wäre da nicht der ständige Drang, sich selbst zu töten. Immer wieder fällt ihn dieses Gefühl an, dieser Zwang, sich in die Havel zu stürzen oder ähnliches. Dabei ist Alex niemand, der in Depressionen versinkt. Er mag sein Leben, seine diversen Jobs und die Tatsache, dass er tun und lassen kann, was er mag. Dass er nicht, entgegen den Wünschen der Mutter, als Angestellter täglich um 8 im Büro stehen muss, sondern einfach bis in die Puppen pennen kann. Dieser Zwang ist ein Teil von ihm, aber er gehört ihm nicht.
Sein Leben plätschert so dahin - bis Danielle auftaucht. Gestern dachte er noch, die Jurastudentin Lisa könnte seine große Liebe werden, heute steht er in der Disko und kann den Blick nicht von dieser unglaublichen Frau abwenden. Er ist fasziniert, wie in den Bann geschlagen und schlägt ihr Angebot zum One Night Stand nicht aus. Und mehr sollte das auch nicht sein, eine One Night Stand, immerhin liebt er doch Lisa - glaubt er. Und doch tut er sich mit Danielle zusammen.
Nur sie kann ihm seinen unwiderstehlichen Drang danach, Lisa in den Hals zu beißen, erklären. Und nur sie kann ihm sagen, warum ihn vollkommen Fremde auf der Straße ansprechen und ihm sagen: "Denk dran, hier ist es Halbe-Halbe." Sie ist es, die ihm sagt, dass er ein Vampir ist, dass er damals als Kind von einem Blutvater gebissen wurde und sich nicht bisher als Mensch durchschlagen konnte, weil er seinen Vater umgehend tötete. Sie eröffnet ihm, dass sie eine Nephilim ist, eine Art LIchtwesen, der natürliche Gegenspieler der Vampire. Ein Wesen, das eigentlich nur auf Sex aus ist. Und das sie ein Wesen ist, dessen Blut dafür sorgen kann, dass sich der Blutvater unter Berlin, ein mächtiges, gewaltiges und sehr blutrünstiges Wesen, erhebt und Millionen von Menschen tötet...
Und scheinbar kann nur Alex ihr dabei helfen, den Blutvater zu töten, um schlimmeres zu verhindern, denn er ist kein normaler Vampir ...
Hm ... das klingt zunächst alles doch ziemlich spannend. Das Buch ist auch über große Strecken hin spannend, aber etwas hat mich doch sehr gestört. Die Geschichte besteht zu beinahe 2/3 aus Sex ... Im Prinzip hab ich nichts gegen Erotik in Romanen, aber sie sollte doch eher eine Nebenrolle und nicht schon beinahe die Hauptrolle in einer Geschichte spielen.
Gerade zum Ende hin benimmt Alex sich wie ein quengelndes Kind, keinerlei Selbstbeherrschung. Sie werden von Horden von Vampiren verfolgt und der Gute quengelt sinngemäß: "Wenn ich das jetzt nicht kriege, geh ich nicht weiter"... da fällt mir dann nichts mehr ein, um das noch zu verteidigen, ehrlich.
Leider leidet der Roman an sich sehr darunter, dass der Fokus so auf die Sexualität der beiden Protagonisten gelegt wird. Denn die durchaus spannenden und guten Ideen zum Thema Vampire, deren Entstehung und deren Erzfeinde gehen leider ziemlich unter. Viele Fragen bleiben am Ende offen, meine Neugier wurde jedenfalls nicht endgültig befriedigt. Wie handeln die Blutväter, wie bekommen sie ihre ersten Opfer, was ist der Sinn der Vampire, wo kommen die Nephilim her, gibt es noch mehr solcher Wesen? Keine Ahnung, leider wird das nicht aufgelöst. Schade, wenn man sich mehr auf diese Aspekte gestürzt hätte, hätte die Geschichte wirklich richtig gut sein können. So ist sie leider nur Durchschnitt - ein weiterer Vampirroman halt, mit dem einzigen Unterschied, dass dieser mal in Deutschland spielt.