Das Thema Assassinen hat mich sofort angesprochen; als ich das Buch entdeckt hatte, hat es mich geradezu angelacht und ich wurde nicht enttäuscht. Obwohl der Anfang sich etwas gezogen hat, hat es mich doch ziemlich gefesselt. Es war auch Anfangs nicht langweilig, aber etwas kompliziert die politischen Verhältnisse in dieser eigenen Welt (zeitlich würde ich sagen spätes Mittelalter/Rennaisance?) zu durchblicken und andererseits habe ich gedacht "ok es ist interessant, aber wo bleibt die Action, wann beginnt endlich Azoths Ausbildung?" Aber für eine Trilogie war es im Nachhinein ein angemessener Einstieg und später wurde ich dafür auch richtig mitgerissen. Die Intrigen, die Kämpfe, die Geheimnisse die Aufgedeckt werden, die Magie… (Näheres zur Story weiter unten)
In der Way-of-Shadows-Welt gibt es zwar die „normalen“ Meuchelmörder, aber die Hauptcharaktere sind vielmehr eine „Spezialeinheit“ unter den Assassinen, genannt Blutjungen (Wetboys im Original, dort werden die gewöhnlichen Mörder als assassins bezeichnet). Diese sehen auf gewöhnliche Assassinen herab und verfügen über ihre enormen körperlichen Fähigkeiten hinaus außerdem auch noch über besondere magische Begabung.
Was ich persönlich ja besonders liebe sind diese Meister-Lehrling Beziehungen, in diesem Fall von Blint und Kylar. Tragisch, dramatisch, rührend, auch hin und wieder amüsant... es findet sich alles darin wieder. Es war toll zu verfolgen wie Blint anfangs ganz der kühle, strenge Lehrmeister ist, später jedoch merkt man, dass Kylar ihm eindeutig ans Herz gewachsen ist.
Ein dicker Minuspunkt gegen Schluss war jedoch Elene... die ist mir wirklich auf die Nerven gegangen und hat eine viel zu große Rolle für Kylar gespielt. Sicher, sein Leben ist recht trostlos und alles, denn als Blutjunge führt man wirklich ein tristes, düsteres Schatten-Leben (was der Autor auch brillant rüberbringt, er schafft es mich zu überzeugen das dieses Leben doch nicht so cool und erstrebenswert ist wie man sich das vorstellt xD - Will damit sagen, die Darstellung des Assassinen-Daseins kommt realistisch und glaubwürdig rüber und nicht überzogen; und Mörder sind eben keine Helden oder strahlenden Ritter, dennoch sind die Fähigkeiten eines Blutjungen natürlich nicht zu verachten, der Spaß an den Kämpfen & Aufträgen ist einem dadurch also nicht genommen ;D ). Ich liebe es tragisch und dramatisch, wenn man mitfühlt und sich dem Ganzen nicht entziehen kann, Verzweiflung und aussichtslose Kriegssituationen, auch wenn ich dann immer einen halben Nervenzusammenbruch habe - aber ich liebe es.
Wieder zurück zu Elene, denn worauf ich hinaus wollte war, dass obwohl ich verstehen kann, dass Kylar ein bisschen Liebe in seinem Leben brauchen könnte, es mir zutiefst missfällt. Es müssen doch wirklich nicht überall Lovestorys reingequetscht werden... (Zumindest ist sie seine erste Liebe und „Jugendliebe“, wenn man das als positiv bezeichnen möchte)
Der Inhalt ist schwer zusammenzufassen, da es recht simpel anfängt und dann alles in politische Intrigen und Kriege ausartet, von denen man zu Anfang natürlich noch nichts ahnt und ich deshalb auch nicht groß spoilern.
Anfangs haben wir also Azoth, der in einer Gilde auf der Straße unter anderen Straßenkindern lebt. Das Leben dort ist hart und die Stärkeren dominieren die Schwächeren. Azoth versucht diesem Leben irgendwie zu entkommen, er will nicht länger schwach und verletzlich sein und Durzo Blint ist bekannt als der Beste, somit ist es nicht verwunderlich dass Azoth in ihm so was wie ein Vorbild sieht. Seine Sturheit führt schließlich dazu dass er von Blint als Lehrling angenommen wird. Von da an braucht er eine neue Identität, ist von nun an der junge Adelige Kylar Stern, sein ganzes Leben krempelt sich um und er muss alles hinter sich lassen, darunter die wenigen Freunde die er hatte, die ihm jedoch sehr wichtig sind...
Was ich ein bisschen schade fand, im weiteren Verlauf, war, dass Kylar ziemlich schnell erwachsen wurde, seine Jugend wurde in wenigen Kapiteln abgehandelt, mal ist er kurz 14, dann 16, aber die meiste Zeit dann um die 20. Eigentlich nicht schlimm, im Nachhinein kann ich es schon verstehen, es musste ja auch noch viel rein und die ganzen spannenden Ereignisse konnten eben auch erst folgen als er richtig ausbildet war, jedoch hätte ich gerne noch mehr von der Ausbildung selber mitbekommen.
Sein erster richtiger Auftrag und auch einige Trainingsstunden beim Meister sind aber beschrieben, die Anfänge werden also nicht komplett übersprungen, nur eben recht kurz gehalten und ich persönlich hätte gern noch ein kleines bisschen mehr davon gehabt.
Logan, ebenfalls ein junger Adeliger, wird zu Kylars neuem bestem Freund. Auch dieser bekommt noch eine größere Rolle zugedacht. Zusammen sind die beiden typische, freche Jünglinge, die sich noch austoben müssen, doch durch Kylars geheimes Doppelleben liegt stets ein Schatten über allem was er tut.
Jarl, ein früherer Freund Azoths aus Kindertagen war letztendlich auch ein weitaus bedeutenderer Charakter, als man zu Anfang glaubt, allerdings wären weitere Infos dazu auch wieder Spoiler… er geht später aufjedenfall einem sehr interessanten Job nach ;)
Mein persönlicher Liebling war jedoch der Seher Dorien. Er und zwei seiner Hexer-Freunde spielen mehr indirekt eine wichtige Rolle, zumindest im ersten Band, ich könnte mir vorstellen dass sie noch größere Rollen bekommen. Wie man sich einen (Hell)Seher eben vorstellt, hat Dorien etwas Mystisches, Weltfremdes und leicht Wahnsinniges an sich, aber ich liebe solche Charaktere. Überhaupt fand ich das Dreiergespann Dorien, Solon und Feir äußerst amüsant, es geht doch nichts über Männerfreundschaften ;D Dorien hat seine Visionen über das Schicksal Cenarias (das Land aus dem auch Azoth/Kylar stammt) und somit machen sich die 3 sich dann auf entsprechend „mitzuwirken“.
Zu Kylar kann man sagen, dass er zielstrebig ist und manchmal auch etwas trotzig, wirkt aber dennoch, insbesondere später, sehr reif und diszipliniert. Bei Blint bin ich immer hin und hergerissen ob ich ihn mag oder nicht, je nachdem was er grade wieder angestellt hat, aber er ist auch undurchschaubar. Selbst am Schluss sind seine - endlich 'aufgeklärten' - Motive noch ein wenig verwirrend. Er ist zwar ein Profi und scheinbar kaltherzig, doch eigentlich ist er nur verbittert, wie man aber auch sehr schnell merkt. Allerdings hat auch das alles noch tiefere Hintergründe.
Trotz kleinen Kritikpunkten hier und da 5 Sterne weil mich die Geschichte einfach mitgerissen hat. Es ist alles recht düster und ich mag die Welt und Kylar einfach und das ganze Thema um Auftragsmörder. Man sollte sich in den ersten Kapiteln auch nicht von den etwas komplizierten politischen Geschehnissen abschrecken lassen, man findet schlussendlich doch ganz gut rein und dann kann man es umso gespannter verfolgen ;)
Die Charaktere sind alle authentisch und jeder hat eine wichtige Rolle im Gesamtbild, im Grunde sind alle in bisschen wie Schachfiguren.
Alles in Allem ein tolles Buch und ein guter Start für die Trilogie.