Ich gestehe, ich bin verzaubert. Noch niemals hab ich die Gefühle, die mich selbst überkommen, wenn ich auf das Meer hinausblicke, so wundervoll in Worte gefasst gesehen, wie hier in dem Buch „Meeresblau“.
Der Ruf des Meeres ist auch für Menschen hörbar, davon bin ich überzeugt. Seine Schönheit vermittelt Glück, Faszination und Freiheit, aber auch die Sehnsucht nach der Ferne und Wundern, die bisher kein menschliches Auge erfasst hat. Jedes Mal, wenn ich im Sommer mit meinen Eltern an die See gefahren bin und mich mit einer Luftmatratze auf den Wellen habe treiben lassen, habe ich ihre Bewegungen noch wochenland danach unter mir gespürt, wenn ich die Augen schloss.
So ist es tatsächlich und weil ich selbst das Meer so liebe, hat mich die Liebe, die Britta Strauß in diesem Roman vermittelt, unvergleichlich berührt.
Ihre Beschreibungen waren bildreich, teilweise fast wie Ausschnitte aus Träumen. Das klingt alles sehr melancholisch und sogar übertrieben hochgestochen, aber genau das habe ich beim Lesen dieses Buches empfunden.
All die Bewunderung, welche die Autorin dem Ozean zollt, schwingt hier untergründig mit – lässt den Leser Chris in die unendlichen Tiefen des Meeres folgen. Der Schreibstil Strauß‘ ist einfach zauberhaft – fast so, als sprächen tatsächlich die Sirenen hier heraus, um den Leser in ihr Reich zu locken.
Davon abgesehen, vermittelte sie auch genau die richtige Fülle an Fachwissen, sodass sich ein Nichtvertrauter mit dem Thema „Meeresbiologie“ nicht über- oder unterfordert fühlt. Sicherlich habe ich die meisten verwendeten Fachbegriffe gleich wieder vergessen, aber sie bildeten einen gut portionierten Leckerbissen, der das Interesse an dieser Studie in mir geweckt hat Außerdem, das gebe ich zu, verabscheue ich uns Menschen gerade zutiefst, weil wir etwas so Essenzieles und Wundervolles wie das Meer und seine Lebewesen zerstören und ausrauben. Eigentlich dürften wir uns einander nicht mehr in die Augen sehen können …
Auch wurde mit manchen hier aufgeführten Personen wieder mal bewiesen, was für ekelhaft habgierige Menschen doch unter uns leben, die nur nach Geld und Macht streben und dabei über Leichen gehen. Sie können nicht einfach Wunder hinnehmen und darauf achten, dass diese fortbestehen. Nein, sie müssen sie ausschlachten und für ihre Zwecke missbrauchen. Widerlich!
Falls es im Interesse der Autorin lag, genau darauf hinzuweisen – nun, das hat sie zweifelsohne geschafft und ich komme lieber wieder zum Roman, denn sonst würde ich in eine Schimpftirade über manche Geschöpfe unserer Art ausbrechen.
Der Fokus lag glücklicherweise nicht die ganze Zeit über auf der Liebesgeschichte zwischen Chris und Maya, auch wenn diese ein wichtiger Bestandteil von „Meeresblau“ war. Es ging ebenso um familiäre und freundschaftliche Bande, was eine willkommene Abwechslung vom normalen Romantasykitsch darstellte.
Nur am Anfang lief mir ihr erstes Zusammenfinden ziemlich überhastet ab. Ich mag es ehrlich gesagt nicht, wenn zwei Menschen plötzlich und nach kurzer Bekanntschaft im Bett landen, weil sie aus heiterem Himmel eine gar überirdische Verbindung und Vertrautheit zwischen sich spüren. Nun gut, vielleicht gibt es das, aber so, wie es hier beschrieben war, war mir das zu klischeehaft, vorhersehbar und unbegründet.
Doch, und hier kommt wieder ein Lob, ging es hier nicht nur um Sex. Die Arbeit während ihrer Expedition, die Ergründung von Chris` nichtmenschlichem Teil, das hat die beiden ziemlich in Atem gehalten, sodass ihre Beziehung nicht nur auf Körperlichem beruhte, sondern eine Entwicklung tieferer Gefühle ließ, weil sie sich in der Zeit besser kennenlernen konnten. Für Romantasyverhältnisse zumindest.
Ich hätte natürlich lieber ein erstmalig vorsichtiges Herantasten aneinander gesehen, aber darauf war nicht zu hoffen in diesem Genre, deswegen will ich das durchgehen lassen.
Hinzu kommt, dass es hier spannungsmäßig auch ordentlich zur Sache ging – nicht alle auftretenden Personen schaffen es, bis zum Ende des Buches am Leben zu bleiben.
Zu den Protagonisten lässt sich sagen, dass sie, ihre Hintergründe und Gefühle ausreichend und gut dargestellt wurden. Obwohl einige Randfiguren ins Stereotypische abgerutscht sind, hatte ich nie das Gefühl, nur von solchen umgeben zu sein. Sie alle haben mich fasziniert und sogar zum lauten Lachen, wehmütigem Lächeln oder zum vor Wut die Stirn Runzeln gebracht.
Angst, Schmerz, Hilflosigkeit und Verlust spielen in dem Wesen der hier aufgeführten Heldenfiguren eine ebenso große Rolle, wie die positiven Empfindungen, und alle diese Emotionen wurde dem Leser authentisch und nachvollziehbar vorgeführt. Selbstfindung lautet das Stichwort hier und da ich das für ein äußerst spannendes Thema finde, hat mich das begeistert.
Deshalb möchte ich meinen oben genannten Kritikpunkt bezüglich des Zusammenfindens von Chris und Maya gerne beiseitelassen und diesem Werk die volle Punktzahl geben.
Das ist das erste Romantasy-Buch, das mir wirklich von Herzen gefallen hat, trotz dem gleichen Mangel, wie es ihn in so vielen Kandidaten dieses Genres gibt!