"Vergiss das Märchen - erlebe das Abenteuer!
Leise wie ein Schatten streift ein merkwürdiger Junge durch die Straßen von New York.
Er nennt sich Peter und ist auf der Suche nach Kindern und Teenagern, die dringend Hilfe brauchen.
Peter rettet sie und bietet ihnen an, sie in sein magisches Reich zu führen, in dem niemand je erwachsen werden muss.
Doch er verrät ihnen nicht, dass dieses Land im Sterben liegt und dort nicht nur magische Geschöpfe und das Abenteuer ihres Lebens auf sie warten, sondern auch größte Gefahr..."
"Der Kinderdieb" basiert lose auf dem bekannten Roman "Peter Pan" von James Matthew Barrie.
Ich kenne Peter Pan nur als niedliche Disneyfigur und war von Broms vielschichtiger und düsterer Version sofort fasziniert.
Der Kinderdieb ist in meinen Augen ein ganz besonderes Buch.
Das liegt vor allem an der ungewöhnlich homogenen Mischung aus Geschichte und Bildern.
Die Geschichte basiert nicht nur auf "Peter Pan" sondern auch auf zahlreichen Mythen.
Die Dame vom See, Avalon und Excalibur (Caliburn) entstammen z.b. der Artus-Sage.
Irische und keltische Mythologie mischt sich mit historischen Begebenheiten und auch die Neuzeit ist nur einen Nebelschleier entfernt.
Brom beschreibt besonders in der ersten Buchhälfte ziemlich ausufernd, deckt Hintergründe auf, springt von der Gegenwart in die Vergangenheit und zeichnet so ein nahezu greifbares Bild der Protagonisten und Antagonisten, ein Bild von Avalon und von einem sinnlosen Konflikt, in welchen Peter seine "Opfer" ohne viel Rücksicht auf Verluste verwickelt.
Unterstützt wird diese Bildsprache durch wundervolle Schwarz-weiß Illustrationen am Anfang jedes Kapitels, durch eine Reihe fantastischer Farbbilder der Hauptcharaktere in der Buchmitte und durch das auffällige Cover.
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Der Kinderdieb ist kein Jugendbuch!
Fälschlicherweise stellt man Romane mit jungen Menschen auf dem Cover wohl immer noch gerne in die Kinderabteilung.
Obwohl... Peter würde es vermutlich sogar gefallen, neben all den Kuscheltieren und Kartoffelbrei-Hexen seine blutigen Klingen zu schwingen...
Denn:
Gewalt kommt bei Peter und seinen Teufeln nicht zu kurz, da wird munter massakriert, separiert und filetiert.
Dark-Fantasy ist das Stichwort...
Dunkel ist es auch in Avalon, denn die Fleischfresser ziehen mordend und brandschatzend durch die heiligen Wälder des einst unberührten Reiches.
Halt, ich will nicht zuviel verraten...
"Der Kinderdieb" sollte man sebst lesen...
Die Illustrationen und die reiche Bildsprache mögen evtl. auf manche Leser abschreckend wirken, denn sie schmälern teilweise den Spielraum, den uns die meisten anderen Bücher gönnen.
So werden wichtige Personen oftmals schon optisch vorgestellt, bevor wir uns ein eigenes Bild von ihnen machen können.
Mich hat das nicht gestört, denn Brom läßt unserer Fantasie trotzdem reichlich Platz zur Entfaltung.
Man hat viel Zeit, sich mit Avalon und seiner Geschichte zu beschäftigen.
Viel Zeit für Peters Teufel und für Nick, den ganz normalen Jungen aus New York, der von Peter in den Mittelpunkt eines Konflikts gezerrt wird, der eigentlich nicht der seine ist.
Etwa ab der Hälfte des Buches enden die Rückblenden, das Tempo wird angezogen und die Vorbereitungen zur großen, entscheidenen Schlacht beginnen.
Hier fangen die unzähligen Überraschungen aber erst richtig an...
Spätestens wenn die mutierten Fleischfresser und ein buntes Sammelsurium von Fabelwesen im vermeintlichen Himmel ankommen, holt Brom nochmal alles aus seiner ohnehin famosen Story raus!
Herrlich!!!
Fazit:
"Der Kinderdieb" ist ein Gesamtkunstwerk und eines der besten Bücher, die ich jemals lesen durfte!
Aus Zeitmangel habe ich mich über Jahre hinweg ausschließlich mit Hörbüchern auseinandergesetzt.
"Der Kinderdieb" hat es aber tatsächlich geschafft, mich wieder in die Welt von Druckerschwärze und Papier zu zerren.
Ich habe unzählige Bücher gelesen oder gehört und einige davon werde ich niemals vergessen, weil sie mich wirklich berührt haben - "Der Kinderdieb" gehört definitiv dazu!